BR Fernsehen - Kontrovers


37

Die Story Der Esoterik-Boom

Viele Menschen sind auf der Suche nach Sinn und Seelenheil – und landen bei Magiern und Schamanen, bei Hellsehern und Alternativmedizinern. Die machen ein Riesengeschäft. Was treibt die Suchenden in ihre Hände? Und: Finden sie wirklich etwas?

Stand: 06.09.2015

Kontrovers-Reporter haben Menschen auf der Suche nach Sinn und Halt begleitet. Zum Beispiel Inge. Die 68-jährige Münchnerin hat schon vieles ausprobiert, war unter anderem bei Hellsehern, Magiern und Alternativmedizinern. Mit der Kamera haben unsere Reporter sie zu einem weiteren Termin begleitet und miterlebt, wie ihr auf Grundlage einer dubiosen Diagnose für mehrere Hundert Euro Kräutersaft verschrieben wird. Den kann sich die Rentnerin eigentlich nicht leisten, trotzdem kauft sie ihn. Denn auch wenn die Probleme in ihrem Leben nicht kleiner werden, Inge setzt immer wieder neue Hoffnung auf die Wunderheiler und Magier, die sie seit Jahren konsultiert. Und ist damit nicht allein.

Der Glaube macht's

Jedoch gibt es - anders als bei Medizinern - keine behördliche Kontrolle oder Qualitätsstandards: Niemand kontrolliert, was in esoterischen Praxen, bei Heilern oder Schamanen eigentlich passiert. Und so steigt die Gefahr, dass Scharlatane, Aufschneider und Böswillige in das Esoterik- und Heiler-Geschäft einsteigen. Denn klappt es mit der Heilung nicht, haben Schamanen und Heiler immer eine gute Ausrede: Das liegt dann ganz allein an einem selbst.

Riesenumsätze

Genaue Zahlen, wie viel Geld mit Esoterik verdient wird, sind allerdings schwer zu bekommen. Vorsichtige Schätzungen sprechen von rund 25 Milliarden Euro Jahresumsatz in Deutschland. Darin enthalten sind Seminare, Vorträge, Materialien und natürlich Bücher. Denn auch dort boomt der Markt. Die großen Buchhandlungen haben längst eigene Regale oder sogar Abteilungen zum Thema "Spiritualität und Esoterik" - meist unter dem dehnbaren Begriff "Lebenshilfe".

Wer schreibt solche Bücher?

Auffällig ist, dass die Autoren esoterischer Bücher meist nicht die üblichen Qualifikationen haben, wie sie sonst Autoren gerne vorweisen: an einer Universität studiert oder sich beruflich mit dem Thema beschäftigt zu haben. Hier scheint die persönliche Erfahrung des Autors viel wichtiger zu sein: Die Begegnung mit Engeln, Einhörnern oder Elfen reicht als Referenz. Ein subjektives Erlebnis wird so zu einer objektiven Wahrheit - der Leser muss nur daran glauben. Eine unabhängige Prüfung, wie dies bei Sachbüchern meistens Standard ist, gibt es nicht.

Sektenbeauftragten Ursula Caberta

An dieser Stelle wird dann auch die Kritik laut - zum Beispiel von Sektenbeauftragten wie der Hamburgerin Ursula Caberta, eine von Deutschlands bekanntesten Esoterikexpertinnen. Gerade jetzt, wo die Welt wegen Finanz- und Klimakrise wankt, boomt die Branche wieder besonders stark. Ähnlich war das in den 90er-Jahren, als die alte Weltordnung zusammenbrach, so Caberta.

Die Kontrovers-Story - ein Blick hinter die Kulissen einer Branche, die mit dubiosen Versprechen immer mehr Menschen lockt …


37