BR Fernsehen - Kontrovers


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Epilepsie Wenn Patienten aus der Norm fallen

Mehr als 600.000 Menschen in Deutschland leiden unter Epilepsie. Eine Standardtherapie gibt es nicht. Die Suche nach dem richtigen Medikament dauert für viele Patienten Jahre. Und ist das Passende gefunden, geht der Kampf oft weiter.

Stand: 23.09.2015

Wie zum Beispiel für Elisabeth Jehn. 15 Jahre lang hat sie verschiedene Medikamente ausprobiert – 15 Jahre lang half nichts. Erst als sie an einer Studie für das neue Medikament "Fycompa" teilnahm, wurde sie anfallsfrei. Eine ungeheure Erleichterung für die junge Frau. Aus Angst vor Epilepsieanfälle hatte sie sich immer mehr zurückgezogen. Jetzt fasste sie neuen Lebensmut.

Epilepsie ist eine Gehirnerkrankung, die sich in Form von Anfällen äußert. Je nach Ursache können verschiedene Hirnregionen betroffen sein.

Doch dann die Hiobsbotschaft: die Pharmafirma nimmt das Medikament trotz Zulassung vom deutschen Markt. Der Hintergrund: Die deutschen Behörden sahen keinen Zusatznutzen in dem neuen Medikament. Es sei nicht nachgewiesen, dass es genügend Patienten hilft. Doch gerade bei einer Krankheit, für die es keine Standardtherapie gibt, ist das eine sehr fragwürdige Begründung ... Für die Pharmafirma bedeutet diese Einstufung jedoch, dass es wirtschaftlich uninteressant ist, die Arznei in Deutschland zu vertreiben.

Noch kann Elisbeth Jehns Apotheker das Medikament über das Ausland beziehen. Doch sie findet die Begründung der deutschen Behörden zynisch. Wer kann entscheiden, dass ein Medikament, das ihr und vielen anderen Menschen hilft, keinen Zusatznutzen hat?

Kontrovers über ein System, an dem viele Menschen verzweifeln.


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