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Der Schatz von Bernstorf Zweifel an Echtheit bleiben

Es wäre so schön: Ein Gold- und Bernsteinschatz, über 3.000 Jahre alt, gefunden Ende der 90er Jahre auf dem Bernstorfer Berg bei Freising. Die Archäologische Staatssammlung hat den Fund für viel Geld angekauft – und versucht seit Jahren Zweifler von der Echtheit zu überzeugen. Jetzt wurden neue Forschungsergebnisse veröffentlicht. Und der Streit um die Echtheit geht in eine neue Runde!

Stand: 15.02.2017

"Es ist unmöglich, dass es sich um eine Fälschung handeln kann", sagt Rupert Gebhard, Leiter der Archäologischen Staatssammlung in München. Das sei mit dem Anfang des Jahres vorgelegten Forschungsband "Bernstorf" endgültig bewiesen. "Es ist ganz eindeutig eine Fälschung", so Ernst Pernicka vom Mannheimer Curt-Engelhorn-Zentrum für Archäometrie.

Die Funde am Bernstorfer Berg

Zwei Hobbyarchäologen, Manfred Moosauer und Traudl Bachmeier, entdeckten am Bernstorfer Berg in den Jahren 1998 und 2000 gefaltete Goldbleche und verzierte Bernsteine. Diese Funde wurden von der Archäologischen Staatssammlung München geprüft und angekauft. Es soll sich dabei um einen Goldschmuck und verzierte Bernsteine aus der Bronzezeit handeln.

Merkwürdige Umstände

Stefan Winghart ist oberster Denkmalschützer in Niedersachsen.

Jetzt legt das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege als Behörde, die für die Grabung zuständig ist, erstmals eine Dokumentation der Fundumstände am Bernstorfer Berg vor. Und die erscheinen vielen doch sehr merkwürdig. Stefan Winghart war damals am Denkmalamt zuständig für den Bernstorfer Berg. Heute ist er oberster Denkmalschützer in Niedersachsen. "Eigenartig", sagt er heute, sei, dass auch während der Grabungen durch das Denkmalamt nie etwas gefunden wurde, "sondern nur zufällig immer am Wochenende und abseits". Die Archäologische Staatssammlung verweist hier darauf, dass das Denkmalamt sehr wohl bei Funden vor Ort gewesen sei.

Und tatsächlich gab es einen solchen Termin. Der aber wirft noch mehr Fragen auf, denn im Anschluss verfasste der Mitarbeiter des Denkmalamts eine Aktennotiz. Darin heißt es:

"Gegen 11 Uhr erschien Herr Moosauer mit einer Bekannten […], von der er sagte - sinngemäß - sie habe hellseherische Fähigkeiten. Sie habe das Gefühl, es sei noch etwas zu finden und zeigte auf eine Stelle etwa fünf Meter entfernt von der ersten Fundstelle […]. Innerhalb kürzester Zeit, etwa eine halbe Minute, konnte dann exakt an dieser Stelle ein weiteres Goldblech gefunden werden."

Aktennotiz eines der Mitarbeiters des Denkmalamts

Rupert Gebhard von der Archäologischen Staatssammlung und Manfred Moosauer, beide waren an diesem Tag am Bernstorfer Berg, bestreiten, dass eine Dame mit "hellseherischen Fähigkeiten" vor Ort war. Allerdings bestätigt der Grabungstechniker, der das Gold damals fand, die Darstellung dieses Aktenvermerks auch gegenüber Kontrovers. Über diese "Hellseherin" wird hinter vorgehaltener Hand schon lange getuschelt - für viele ist sie ein weiterer Beleg dafür, dass es am Bernstorfer Berg nicht mit rechten Dingen zuging.

Ungewöhnlich reines Gold

Betrachtet man den Fund unter dem Mikroskop, erkennt man, dass es sich ungewöhnlich reines Gold handelt: 99,99 Prozent

Doch das ist nicht der einzige Zweifel. Bereits im Jahr 2013 hat Ernst Pernicka vom Curt-Engelhorn-Zentrum für Archäometrie an der Universität Heidelberg das Gold von Bernstorf untersucht und festgestellt, dass es sich um ungewöhnlich reines Gold handelt: 99,99 Prozent. So reines Gold kommt in der Natur nicht vor und war auch in der Bronzezeit um 1.400 vor Christus nicht herstellbar.

Ernst Pernicka vom Curt-Engelhorn-Zentrum für Archäometrie an der Universität Heidelberg

Dem widerspricht die Archäologische Staatssammlung in München. Doch Ernst Pernicka ist kein einziger solcher archäologischer Fund bekannt. "Das heißt also", sagt er, "die Autoren des Buches sind jetzt in der Pflicht, mir Belege vorzulegen, die zeigen, dass archäologisch gesicherte Funde diese Zusammensetzung aufweisen können. Bis jetzt gibt es das nicht, obwohl wir viele Tausend Analysen prähistorischer Goldfunde haben."

Mysteriöse Lehmtaschen modernen Ursprungs

Schuldig bleiben die Autoren des Buches auch eine plausible Erklärung, wie es zu den sogenannten "Lehmtaschen" kam, in denen die verzierten Bernsteine gefunden wurden. Manfred Moosauer hat 2005 in einem Interview seine Interpretation dafür genannt: "Man hat das in solche Lehmtaschen gesteckt", erklärte er, "und dann so den Göttern niedergelegt. Und so haben wir das nach 3.400 Jahren letztlich wieder gefunden."

Inzwischen ist klar, dass diese "Lehmtaschen" modernen Ursprungs sind und keinesfalls vor 3.400 Jahren geformt wurden. Sie wurden erst kürzlich hergestellt, möglicherweise um darin die Bernsteine zu platzieren und einen religiösen oder historischen Kontext zu bilden. Erklärungsversuche der Archäologischen Staatssammlung, wonach sich diese "Lehmtaschen" selbst gebildet hätten, sind jedenfalls nicht sehr überzeugend.


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