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Bargeld in Gefahr? Diskussion um Abschaffung

Können wir bald nur noch mit Plastikkarte oder Smartphone bezahlen? Nachdem einige Wissenschaftler das Aus von Münzen und Scheinen gefordert haben, ist eine kontroverse Diskussion entbrannt. Kein Bargeld mehr – Horrorvision oder Modell der Zukunft?

Stand: 26.05.2015

Skandinavische Länder gehen voran: In Dänemark müssen Tankstellen, Restaurants und sogar kleine Läden voraussichtlich ab kommenden Jahr kein Bargeld mehr annehmen. Derselbe Trend in Schweden: Hin zur bargeldlosen Gesellschaft. "Bargeld braucht nur deine Oma - und der Bankräuber", so der Slogan der Gegner von Münzen und Scheinen. Ist das Bargeld am Ende?

Der Würzburger Wirtschaftsweise Peter Bofinger hat dafür gesorgt, dass die Diskussion ums Bargeld auch in Deutschland voll entbrannt ist. "Bargeld ist ein Anachronismus", so Bofinger. Mit der Abschaffung großer Scheine könnten die Märkte für Schwarzarbeit und Drogen ausgetrocknet, Steuerhinterziehung und Geldwäsche besser verfolgt werden.

Angriff auf die Sparer?

Altmodisch?

80 Prozent der Bundesbürger zahlen an der Kasse in bar. Damit scheinen wir im europäischen Vergleich ziemlich altmodisch. Braucht es Münzen und Geldscheine noch?

Die Deutschen sind brave Sparer. Nur Bares ist Wahres, sagt schon ein altes deutsches Sprichwort. Und Gegner der Abschaffung mahnen: Bargeld bedeutet Freiheit und Sicherheit. Wenn wir nicht mehr mit Bargeld, sondern mit Karte oder Smartphone bezahlen, hinterlassen wir Spuren und Daten, die große Konzerne sammeln. Ohne Bargeld geben wir ein weiteres Stück Anonymität ab in einer immer stärker vernetzten Welt.

Vorteile Bargeld-Zahlung:Vorteile Kartenzahlung:
- Zahlungsvorgang anonym- Geld kann bei Diebstahl ersetzt werden
- funktioniert auch bei Stromausfall- spart Platz im Portemonnaie
- man "merkt", was man ausgibt- Gang zum Geldautomaten entfällt
- kleinere Beträge lassen sich schneller bezahlen- im Ausland muss man sich nicht an "fremde" Münzen gewöhnen
- kostet den Verkäufer keine Gebühren- Geldwäsche kann verhindert werden

Für die Konjunktur ist die Sparerei Gift. Zentralbanken suchen schon jetzt nach Wegen, Sparer dazu zu bewegen, ihr Geld auszugeben. Eine Idee sind Negativzinsen. Sparer können das Instrument aushebeln, indem sie ihr Geld abheben und zuhause unters Kopfkissen legen. Ohne Bargeld haben sie diese Möglichkeit nicht mehr, sie wären Negativzinsen schutzlos ausgeliefert.  

Bargeld – ja oder nein? Wer gewinnt, wer verliert, wenn es abgeschafft wird? Und: Sind wir überhaupt schon bereit für eine bargeldlose Welt? Kontrovers-Reporterin Anne Hinder hat in einem kleinen Supermarkt in München einen Test gemacht ...

Abstimmung

Immer mehr Deutsche bezahlen bargeldlos. Sollen wir Münzen und Scheine dann nicht gleich ganz abschaffen?

Diese Abstimmung ist beendet.

Ja, sehr gerne. Ich brauch' kein Bargeld mehr. Das nimmt im Portemonnaie sowieso nur Platz weg.

3,2 %

Nein, auf gar keinen Fall. Ich bezahle alles mit Bargeld. Das geht schneller und ich gebe meine Daten nicht preis.

39,9 %

Bargeld- und Kartenzahlung, bitte! Ich möchte, dass es weiterhin beide Möglichkeiten gibt.

56,9 %

Diese Abstimmung ist keine repräsentative Umfrage. Das Ergebnis ist ein Stimmungsbild der Nutzerinnen und Nutzer von BR.de, die sich an der Abstimmung beteiligt haben.

Bayern ohne Bargeld?

"Manches würde zusammenbrechen, wenn man von einem Tag auf den anderen sagen würde, wir schaffen das Bargeld ab. Selbst im hochtechnologisierten Bayern haben wir noch nicht die Infrastruktur dazu. Wir müssen doch sehen: Wo kann man überhaupt mit Kreditkarte zahlen? Wenn ich auf einer einsamen Hütte ankomme, die ist noch nicht auf Kreditkarten eingestellt. Wenn ich mit meinem Handy bezahle, selbst da habe ich nicht überall einen Zugang, weil die Handymasten nicht entsprechend ausgerüstet sind. Also, das dauert zum Glück noch eine Zeit."

Prof. Wolfgang Gerke, Präsident Bayerisches Finanzzentrum, im Kontrovers-Interview


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Karl von Freyhold, Sonntag, 31.Mai, 22:33 Uhr

38. Bargeld abschaffen

Seit dem die EZB mit dem meines Erachtens kriminellen SEPA Verfahren in - wie ich finde - krimineller Beihilfe zum "Betrug der Banken" auffordert (ich muss jede 2. Buchung stornieren weil diese an SEPA und unbekannte Empgfänger geht) außerdem bekomme ich jede 2. Überweisung wegen angeblicher Fehler zurück wollen diese meiner Meinung nach kriminellen "Europolitiker" auch noch das Bargeld abschaffen. Ich lehne grundsätzliche alle
Karten und Internetzahlungen ab. Ich bin der Meinung, die größten Verbrecher sitzen in der Bundesbank und in der EZB, verlangen hohe Dispozinsen und auf Sparguthaben müssen auch noch Zinsen bezahlt werden. Ich frage mich, wann die Politiker wieder Gaskammern zur Bekämpfung der Überalterung einführen. Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
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gegentotaleüberwachung, Freitag, 29.Mai, 16:49 Uhr

37. Bargeldabschaffung

ist für den Staat die beste Überwachung jedes Einzelnen was er am Konto hat. Da kann der Staat gleich über alle Steuern verfügen und neue einführen. Der Finanzbehörde gehen natürlich viele Kapitalertragszinsen verloren, wenn der Bürgen sein sauer verdientes Geld, das ihm noch bleibt, unter der Matratze versteckt. Als Staat würde ich auch zu "bargeldlos" tendieren. Das ist der einzige Grund. Alles andere ist Augenwischerei und soll den "doofen"Bürger so verkauft werden.

Eric, Freitag, 29.Mai, 15:02 Uhr

36. Beispiel Schweiz hätte beleuchtet werden müssen

Noch wichtiger wäre das Beispiel Schweiz gewesen. Dort ist das Bargeld de facto schon abgeschafft.

Kürzlich wollten einige Pensionskassen, die Renten von Arbeitnehmern verwalten, sich der Negativzinspolitik der Schweizer Notenbank dadurch entziehen, indem sie ihr Guthaben von ihren Konten abheben wollten und das Bargeld stattdessen selbst, in sicheren Tresoren, lagern wollten. Damit wäre der Negativzins darauf zumindest abgewendet worden und trotz des Mehraufwandes wären so erhebliche Pensionsgelder erhalten geblieben.

Nun, die Schweizer Notenbank hat dies unterbunden, die kontoführenden Banken verweigerten schlicht die Auszahlung in Bargeld. Und das ist von der int. Presse relativ unbeachter geblieben, ist aber ein einmaliger Systembruch im westlichen Bankenwesen. Bisher galt noch immer der Anspruch, Kontoguthaben in das gesetzliche Zahlungsmittel (Bargeld) umtauschen zu können. Und die fehlende Reaktion der Presse hat den Bargeldabschaffern eines gezeigt: sie kommen damit durch

Barbara, Freitag, 29.Mai, 13:09 Uhr

35. Nur Bares ist Wahres!

Nur Bares ist Wahres!

Roland Burkhardt, Freitag, 29.Mai, 10:52 Uhr

34. Bargeld in Gefahr?

Das ist der Wunsch der Banken, um die absolute Macht über uns "Normalbürger" und die Politik zu erlangen. Die Konsequenzen werden verheerend sein!