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Zwangsarbeit bei Audi Wenn auf Bekenntnisse wenig Taten folgen

Es dauerte lange, bis Audi sich der dunklen Seite seiner Geschichte stellte. Erst seit wenigen Jahren steht der Konzern dazu, dass die Vorgängerfirma Auto-Union KZ-Zwangsarbeiter ausgebeutet hat und tausende dabei starben. Wie geht der Konzern heute mit diesem Erbe um?

Stand: 28.01.2016

Jahr 2010, später als viele andere Industrieunternehmen, begann Audi auf Druck von Medien mit der Aufarbeitung seiner Geschichte. 2014 erschien eine Studie des Chemnitzer Geschichtsprofessors Rudolf Boch und des Audi-Historikers Martin Kukowski. Damit war klar: Auch die Auto-Union hatte Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge unter unmenschlichen Bedingungen eingesetzt.

Produktion von Rüstungsgütern mit Zwangsarbeitern

Eine Montagehalle zur Zeit des 2. Weltkriegs: Hier wurden Panzermotoren gefertigt.

Schon bald nach der Machtergreifung Hitlers hatte die Auto-Union mit der Produktion von Rüstungsgütern begonnen – und sich aktiv um die Zuteilung von Zwangsarbeitern bemüht. In insgesamt sieben KZ-Außenlagern wurden tausende Häftlinge zur Arbeit gezwungen. Besonders schlimm waren die Zustände in Leitmeritz, dem heutigen Litomerice in Tschechien. In diesem Außenlager des Konzentrationslagers Flossenbürg wurde ab 1944 in den Stollen eines Kalksteinbergwerkes die unterirdische Produktion von Panzermotoren vorbereitet. Die Häftlinge mussten Tunnel graben, unter anderem für die Auto-Union. 14.000 bis 18.000 Menschen durchliefen bis Mai 1945 dieses Lager. 4.500 Zwangsarbeiter und Häftlinge überlebten es nicht.
Auch in anderen Lagern bereicherte sich der Konzern durch Zwangsarbeit.

Wie geht man mit dieser Verantwortung um?

Die "moralische Mitverantwortung" der Auto-Union stehe "außer Frage" heißt es in der Audi-Studie von 2014. Doch wie geht man mit dieser Verantwortung um? Und: Ist die Aufarbeitung mit dieser einen Studie wirklich abgeschlossen? Überlebende und Historiker finden, dass Audi es sich zu leicht macht und fordern mehr Engagement des Konzerns.    

Von Auto Union zu Audi

Das Logo des Automobilherstellers Auto Union prangt am Kühlergrill eines DKW Meisterklasse F7 von 1938, aufgenommen am 21.10.2010 im Industriemuseum Chemnitz. Foto: Hendrik Schmidt/dpa | Bild: dpa-Bildfunk

Logo der Firma "Auto Union"

Die Auto Union AG hatte bis 1945 ihren Sitz in Chemnitz. Nach dem Krieg wurde die Auto Union GmbH in Ingolstadt neu gegründet, wo sich ein Zentrallager der alten Auto Union befand. 1969 fusionierte die Auto Union GmbH mit der NSU AG in Neckarsulm. Am 1. Januar 1985 wurde aus der Audi NSU Auto Union AG die Audi AG. Die Firmenleitung zog von Neckarsulm nach Ingolstadt um.


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