BR Fernsehen - kinokino


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BR-Koproduktion Tom Sawyer

Regisseurin Hermine Huntgeburth ("Bibi Blocksberg") inszeniert in ihrer Adaption des berühmten Kinderbuchklassikers von Mark Twain zwei der berühmtesten Abenteurer der Weltliteratur: Tom Sawyer und Huck Finn.

Von: Gebhard Hölzl

Stand: 24.10.2011

Waisenjunge Tom Sawyer (Louis Hofmann) genießt im Mississippi-Städtchen St. Petersburg sein Leben. Die Schule langweilt ihn – sieht man von der schönen Mitschülerin Becky Thatcher (Magali Greif) ab. Den Kopf hat er immer voller Unfug und abenteuerlicher Ideen, sehr zum Leidwesen seiner herzensguten Tante Polly (Heike Makatsch), die entschlossen ist, ihn zu einem verantwortungsbewussten, anständigen Mann zu erziehen. Da beobachtet er auf einem nächtlichen Streifzug mit seinem besten Freund Huckleberry Finn (Leon Seidel) wie Halbblut Joe (Benno Fürmann) den Arzt Doc Robinson ersticht und anschließend versucht, die Tat dem Sargtischler Muff Potter (Joachim Król) anzulasten...

Adaption des Mark Twain-Klassikers

Die Lausbuben Tom und Huck treiben in St. Petersburg ihr Unwesen.

Keine Generation ohne eine Adaption von "Tom Sawyer", wenn man so will Mark Twains Pendant zu Ludwig Thomas "Lausbubengeschichten". Hermine Huntgeburth ("Bibi Blocksberg") hat sich nun des US-Klassikers angenommen, in dem der Vertreter des amerikanischen Realismus 1876 sehr frei seine Kindheitserinnerungen veröffentlichte, die sich durch den humoristischen Stil, das sorgfältig gezeichnete Lokalkolorit und die genaue Beobachtung des damaligen sozialen Verhaltens auszeichneten. Als scharfzüngiger Kritiker der Südstaatengesellschaft hat sich Samuel Longhorne Clemens, so hieß Twain eigentlich, einen Namen gemacht. Sein "Nigger-Thema" vor allem im Meisterwerk "Die Abenteuer des Huckleberry Finn" (1884) sorgte für heftige, anhaltende literarische Kontroversen.

Fiktive Kleinstadt liebevoll nachgebaut

Filminfo

Originaltitel: Tom Sawyer (Deutschland, 2011)
Regie: Hermine Huntgeburth
Darsteller: Louis Hofmann, Leon Seidel, Magali Greif, Heike Makatsch, Benno Fürmann, Joachim Król
Länge: 109 Min.
FSK: ab 6 Jahre
Kinostart: 17. November 2011

Diesen Aspekt sparen die Drehbuchautoren Sascha Arango, Peer Klehmet und Sebastian Wehlings jedoch vollkommen aus. Ihnen wie auch der Regisseurin steht der Sinn nach kindgerechtem Abenteuer-Spaß, bei dem auch Erwachsene auf ihre Kosten kommen. Mit viel Liebe – und einem Budget von rund 6.5 Millionen Euro – hat man an der Havel und verschiedenen anderen deutschen Drehorten die fiktive Kleinstadt nachgebaut und dazu auch erhalten gebliebene Kulissen von "Unterwegs nach Cold Mountain" verwendet.

In warmen, erdfarbenen Cinemascope-Bildern fängt Ngo The Chau das bunte Treiben in dem prosperierenden Ort ein. Frauen verkaufen Marmelade, Gesetzeshüter sorgen für Ordnung, Tom und Huck treiben ihre Streiche und die Bestrafung folgt auf dem Fuß – wobei die bekannte Strafe, das Streichen des Gartenzauns, von Tom höchst clever "vermarktet" wird und so bald mehrere Schichten Farbe ein strahlendes Ergebnis zur Folge haben.

Famillienfreundliche Unterhaltung

Gut können sich Kinder mit Tom und Huck, die Louis Hofmann und Leon Seidel mit (Spiel-)Witz und Freude zum Leben erwecken identifizieren, Heike Makatsch gefällt als verjüngte, überaus ansehnliche Tante Polly und Benno Fürmann brilliert mit Hakennase, schwarzem Zopf und unterschiedlich gefärbten Kontaktlinsen als rücksichtsloser Bösewicht, dem sich der wie immer sympathische Joachim Król als verfolgter Trunkenbold ebenbürtig erweist.

Ein Hauch von Nostalgie durchweht diesen liebevoll gestalteten Film, der ganz in der Historie verankert bleibt, sich bis auf ein paar (schwächere) Effektaufnahmen der Moderne verweigert und sich im Ton auch manchmal die eine oder andere politische Unkorrektheit erlaubt. Dafür bekommt man bunte, turbulente, familienfreundliche Unterhaltung mit viel Schauwerten geboten – wer den Subtext will, der muss bei Mark Twain nachlesen.


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