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Breitband für Bayern Schneller Ausbau statt Qualität?

Weiße Flecken überziehen die digitale Landkarte Bayerns. Im Freistaat gibt es viele Orte, in denen die Menschen verzweifelt und ungeduldig vor ihren Rechnern sitzen, denn: die Internetverbindungen sind mancherorts miserabel. Um das zu ändern, nimmt der Freistaat Bayern viel Geld in die Hand: Seit anderthalb Jahren wird der Ausbau des digitalen Netzes gefördert, mit der Rekordsumme von 1,5 Milliarden Euro. Doch ist man dabei auf dem richtigen Weg?

Stand: 15.01.2016

Illustration: Schnecke auf Tastatur | Bild: colourbox.com

Bayern ist ein fortschrittliches Bundesland, ein starker Wirtschaftsstandort in Europa. Noch. Ein Standortfaktor blieb in Bayern nämlich lange auf der Strecke: Das leistungsfähige digitale Netz weist im Freistaat große Lücken auf.

Die digitale Karte Bayerns

Finanz- und Heimatminister Markus Söder hat es sich zum erklärten Ziel gemacht, dass bis 2018 jede Gemeinde einen Anschluss ans schnelle Internet haben soll. Flächendeckend soll dann mit 50 Mbit/sek gesurft werden können. Experten jedoch geht das nicht weit genug: Sie prognostizieren, dass im Jahr 2018 50 Mbit/sek deutlich zu wenig sein werden.

Zukunft Glasfaser

Die Zukunft liegt in der Glasfaser: Durch sie ist eine Datenübertragungsrate von 1 bis zu 10 Gigabyte pro Sekunde möglich – und immer wieder wird dieser Wert sogar noch weit nach oben korrigiert. Eine neue Dimension an Geschwindigkeit also, die in Zukunft nicht mehr nur von großen Firmen, sondern auch in Privathaushalten benötigt wird. Denn auch privat werden die Datenmengen, die bewegt werden, immer größer: Immer mehr Menschen sehen online fern, laden immer größere Datenmengen (Filme, Musik) aus dem Internet,  verschicken große Dateien oder deponieren sie in Clouds. Und auch sonst will man sich im Internet schnell bewegen, einkaufen und nicht lange warten, bis sich auch große Seiten aufbauen. Schon 2014 wurden in Privathaushalten durchschnittlich 26,7 Gigabyte pro Monat durchs Netz bewegt – und diese Datenmengen wird sich nach derzeitigen Prognosen spätestens 2017 verdoppelt haben.

Vectoring statt Glasfaser

Für viele scheint die Schlussfolgerung klar: Bayern braucht ein Glasfasernetz. Flächendeckend. Aber so läuft es derzeit nicht. Die bayerischen Kommunen machen zwar rege Gebrauch von den staatlichen Fördermitteln und Beraterfirmen, viele diskutieren dabei auch über den Einsatz von Glasfasertechnik. Aber da ein Teil der Kosten auch von der Kommune direkt übernommen werden muss, entscheiden sich viele dann doch für die preisgünstigere Variante: Es  werden Verteilerkästen aufgestellt, von denen aus die Signale über die bereits vorhandenen Kupferkabel weitergeleitet werden. Durch das so genannte Vectoring wird bereits bestehende Infrastruktur genutzt und optimiert. Eine Technik, die für viele Kritiker und Experten mittlerweile längst überholt ist.

Wird Bayern zum Telekom-Land?

Netzanbieter gibt es viele, auch kleinere und regionale. Im Gegensatz zur Telekom, die ihre vorhandene Infrastruktur mit Kupferkabeln nutzt, setzen sie meist auf den Breitband-Ausbau mit Glasfaser. Jedoch, in Bayern kommen sie selten zum Zug:  83% aller Aufträge im Förderprogramm gingen bislang an die Deutsche Telekom. Woran das liegt? Dazu gibt es mehrere Meinungen. Während manche die Neutralität der Beraterfirmen anzweifeln, begründen andere die Vormacht der Telekom damit, dass sie eben immer die günstigsten Anbieter seien – schon allein deshalb, weil die bestehende Infrastruktur ohnehin meist der Telekom gehört. Übrigens: Das ausgebaute Netz gehört am Ende dem Betreiber - und nicht der Gemeinde.

Zahlen und Fakten

1,5 Milliarden Euro stellt der Freistaat Bayern für den Breitbandausbau zur Verfügung.

Laut Minister Markus Söder soll bis 2018 jede Kommune mit schnellem Internet versorgt sein – schnell bedeutet 50 Mbit.

Nur 45 % der niederbayerischen Betriebe und 50 % der Betriebe in der Oberpfalz sind derzeit mit der Schnelligkeit ihres Internets zufrieden.

93 % aller bayerischen Gemeinden haben bereits an dem Förderprogramm teilgenommen.

82 % aller Ausschreibungen zum Breitband-Ausbau hat die Deutsche Telekom gewonnen.

Die Telekom setzt häufig nicht auf Glasfaser, sondern nutzt die bereits vorhandene Infrastruktur der Kupferleitungen, die sie durch Vectoring schneller macht.

Mit Glasfaser kann eine Datenübertragungsrate von weit über 10 Gbit/sek erreicht werden, bei den Kupferkabeln sind dagegen nur ca. 100 Mbit/sek möglich. Jedoch: Je weiter der Anschluss vom Verteilerkasten entfernt ist, desto langsamer die Internet-Verbindung.

Im internationalen Vergleich liegt Deutschland im Bereich Glasfaseranschlüsse weit abgeschlagen hinter Ländern wie Rumänien, Bulgarien oder Ungarn.


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