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jetzt red i in Schweinfurt Neue Arbeitswelt macht Angst und Zuversicht

Die Arbeitswelt steht weltweit und auch in Bayern vor einem gewaltigen Wandel. Welche Veränderungen stehen uns mit der Digitalisierung und speziell mit der sogenannten Industrie 4.0 bevor? Darum ging es in der lebhaften Diskussion der aktuellen jetzt red i-Sendung aus Unterfranken. Ein Thema bewegte die Menschen besonders – die Leiharbeit.

Stand: 08.11.2017

"Jetzt red i", diesmal aus Schweinfurt in Unterfranken. Hier, wo es die traditionelle Industrie Anfang der 90er Jahre schon einmal voll erwischt hat. Die Stadt hat sich nach den Massenentlassungen damals durch neue Betriebsansiedlungen erholt, wurde 2010 gar drittstärkster Wirtschaftsstandort in Deutschland. Wie schauen die Menschen der Digitalisierung entgegen, die von manchen als neue Revolution gesehen wird? Und was kann die Politik tun?

Skepsis und Zuversicht

Das Beispiel David Firsching zeigt: Viele junge Menschen sehen wie der 25-Jährige SKF-Mitarbeiter den Wandel zur sogenannten Industrie 4.0 zwar mit Skepsis, aber insgesamt zuversichtlich.

"Wir haben eine starke Gewerkschaft und einen starken Betriebsrat im Rücken. Ich gehe stark davon aus, dass es auch uns treffen wird, aber nicht so heftig wie andere!"

David Firsching, Elektriker aus Schweinfurt

Qualifizierung - aber nicht für alle

Die Befürchtungen, die gerade ältere Arbeitnehmer oft äußern: Der Druck auf die Arbeitnehmer wächst immer mehr. Ein Betriebsrat sprach an, dass gerade viele ältere Arbeitnehmer sich nicht mehr weiterqualifizieren lassen. "Wenn ich heute 40 oder 45 Jahre im Schichtbetrieb gearbeitet habe, dann sind die Leute abgearbeitet. Ein immer längeres Arbeiten wird da nicht gehen", sagte er und erhielt viel Applaus aus dem Publikum. Eine Schweinfurterin fragte deshalb: Welche Rezepte hat die Politik, um die Arbeitnehmer zu schützen? Klaus Ernst, ehemaliger Schweinfurter Gewerkschafter und stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Linkspartei im Bundestag sagte darauf:

"Die Arbeitgeber wollen immer mehr Flexibilität der Arbeitnehmer, angepasst an die Produktion. Die Politik muss deshalb Gesetze zu entwickeln, die die Arbeitnehmer vor negativen Einflüssen schützen. Stattdessen sollte man die höhere Produktivität in weniger Zeit zum Beispiel für flexiblere Arbeitszeiten und Weiterbildung nutzen."

Klaus Ernst, Die Linke

Die Chancen der Digitalisierung betonte aber nicht nur Ernst, sondern auch Bayerns Arbeitsministerin Emilia Müller (CSU). So habe Bayern erst vor kurzen mit den Arbeitgebern einen Pakt für Aus- und Weiterbildung beschlossen. Ein besonderer Fall sei die Überwachung von Mitarbeitern.

"Ich nehme diese Sorgen sehr ernst. Eine Überwachung kann wie im Fall der Berufskraftfahrer aber auch positiv und notwendig sein zum Schutz des Arbeitnehmers. Missbrauch der Überwachung darf es aber auf keinen Fall geben und dafür sind Betriebsräte ja auch da."

Arbeitsministerin Emilia Müller

Am kontroversesten diskutiert wurde das Thema Leiharbeit. "Wir wollen niemanden ausnutzen, sondern wir wollen gesunde und fitte Mitarbeiter, weil wir ein gemeinsames Ziel haben", sagte etwa ein Vertreter der Wirtschaft. Die Zahlen zur Leiharbeit – bei rund ein bis zwei Prozent liegt die Quote je nach Region im Freistaat – seien ohnehin sehr niedrig. Auch Ministerin Müller verteidigte die Leiharbeit als notwendig und als "Sprungbrett in eine Vollbeschäftigung". Klaus Ernst nannte die Beschäftigung über Leiharbeit dagegen eine "Lohndrückerei" und eine "Sauerei", weil diese Mitarbeiter weitgehend schutzlos seien.

Digitalisierung - Top oder Flop?

Die Schlussfrage von Tilmann Schöberl ans Pubilikum: Glauben Sie, die Digitalisierung wird sich auf Ihren Arbeitsalltag eher positiv oder negativ auswirken? Für weniger als die Hälfte der Anwesenden überwiegen die Chancen, eine Mehrheit ist auch nach der Sendung skeptisch.


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Kommentare

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Unbekannte Info, Donnerstag, 09.November, 17:00 Uhr

2. Unbekannte Info

1. Die Anzahl der genannten Zeitarbeit stimmt nicht, da viele bei der Zeitarbeit in sogenannten On-Site Büro`s arbeiten müssen, damit die Firmen keine Zulagen und Equal Pay zahlen zu müssen.
2. Dem Staat entgehen Millionen an Steuern, da die Zeitarbeiter als Sachkosten von der Steuer abgeschrieben werden.
3. Die Hohen Kosten Aufschläge der Zeitarbeitsfirmen schlucken die Steuervergünstigungen, so dass die Firmen sogar höhere Kosten haben

Optic, Donnerstag, 09.November, 01:59 Uhr

1. Schönfärberei

Die Schönfärberei von Sozialministerin Müller wurde Gott sei Dank häufig von Unmutsäußerungen begleitet. Es zeigt sich, dass die CSU auch bei den Arbeitnehmern immer mehr an Rückhalt verliert.

  • Antwort von Robert , Donnerstag, 09.November, 11:06 Uhr

    Das ist völliger Unsinn! Der Verlauf der Sendung war enttäuschend und einseitig. Die Richtung war durch die Präsenz der Gewerkschaftsfunktionäre und Betriebsräte klar.
    In der Sendung kamen dann mit Ausnahme von Herrn Bischof nur die mit ca 90-95% vertretenen Gewerkschaftler, Betriebsräte, AN Vertreter und Linken zu Wort!!! Unmutsäußerungen?? Eingeladene Claquere!
    Handwerk und Mittelstand wurde bewusst außen vor gelassen! Die Gesprächsteilnehmer waren schon vorher bekannt mit ihren Beiträgen und gezielt gesteuert. Es bestand somit nicht der Hauch einer Chance ein objektives Bild der Region und des Themas zu zeichnen!
    Die Macht der Gewerkschaft macht das Handwerk kaputt. Das Handwerk/ der Mittelstand kämpft mit Abwerbungen, überzogenen Lohnforderungen und Problemen die dazu führen dass die soziale Schere noch weiter auseinander geht! Wo bleibt Handwerk, Dienstleistung oder die sozialen Berufe, Pflege? Das interessiert aber Herrn Ernst und Firsching nicht! Hauptsache Krawall machen!

  • Antwort von jetzt red i-Redaktion, Donnerstag, 09.November, 15:18 Uhr

    Seit Jahrzehnten haben bei der Sendung "jetzt red i" die Bürgerinnen und Bürger das Wort. Jeder kann sich in der Sendung live melden, es findet keine Vorauswahl statt. Bei 120 Personen im Publikum ist es allerdings unmöglich, alle dranzunehmen, die sich melden. Wir bitten daher um Verständnis. Jeder kann sich bei uns Karten reservieren. Viele Grüße aus der jetzt red i-Redaktion!