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Tremor Zittern ist nicht gleich Zittern

Menschen zittern bei Kälte, aus Angst oder im Stress – wenn aber das Zittern zum alltäglichen Begleiter wird, kann eine ernsthafte Erkrankung dahinter stecken. Häufig werden zitternde Hände mit Parkinsonpatienten in Verbindung gebracht, doch das ist nur die halbe Wahrheit.

Von: Katharina Kerzdörfer

Stand: 16.10.2017

Zittern wird in der Fachsprache auch Tremor genannt. Bei zittrigen Händen denken viele als erstes an Parkinsonpatienten. Doch nicht alle Menschen, die mit Parkinson leben, haben automatisch auch einen Tremor. Außerdem gibt es Patienten, die einen Tremor haben, aber kein Parkinson.

Ähnliche Symptome – unterschiedliche Ursachen

Das Zittern kann verschiedenste Ursachen haben: Neben dem bekannten Parkinson-Tremor können auch andere Erkrankungen, wie psychische Störungen oder eine Niereninsuffizienz eine Ursache sein. Auch Medikamente, wie Psychopharmaka, können einen Tremor auslösen. Dann gibt es aber auch einen sogenannten essenziellen Tremor, Experten gehen von einer genetischen Komponente aus. Doch die eigentliche Ursache ist bis heute unbekannt.

Wichtig für die Diagnose: Das persönliche Gespräch

Professor Jens Volkmann vom Universitätsklinikum Würzburg behandelt regelmäßig Patienten mit einem Tremor. Um herauszufinden, was die Ursache für einen Tremor ist, beobachtet er generell bei Patienten, wann das Zittern auftritt. Das ist entscheidend für die Diagnose. 

"Bei der Parkinsonkrankheit tritt das Zittern nicht bei allen Patienten auf und es ist meist in Ruhe vorhanden und wird in Bewegungen gestoppt, sodass es gar nicht die Ursache von sehr viel Behinderung von den meisten Betroffenen ist. Der essenzielle Tremor ist eine Erkrankung, bei der nur Zittern im Laufe des Lebens meist in stärkerer Ausprägung auftritt, keine anderen Symptome, und dieses Zittern ist überwiegend bei Bewegungen und insbesondere beim Erreichen von Zielen, wenn man eine Bewegung ans Ziel gerichtet ausführt, vorhanden und das heißt die Betroffenen sind im Alltag, wenn es sehr stark ausgeprägt ist, wirklich beeinträchtigt."

Prof. Dr. med. Jens Volkmann, Neurologe, Universitätsklinikum Würzburg

Die Therapie: Tabletten oder Tiefe Hirnstimulation

Tabletten

Es gibt keine einheitliche Therapie. Sind Patienten mit ihrem Tremor im Alltag beeinträchtigt, heißt es zunächst die Ursache zu bekämpfen: Wenn zum Beispiel Medikamente das Zittern auslösen, sollten sie in Absprache mit dem Arzt reduziert oder abgesetzt werden. Beim Parkinson-Tremor und essenziellem Tremor gibt es spezielle Medikamente, die Patienten helfen und das Zittern verringern können.

Leider helfen Tabletten nicht bei allen Patienten. Für sie kann unter Umständen die „Tiefe Hirnstimulation“ in Frage kommen. Damit sind Patienten nicht geheilt, aber ihre Lebensqualität kann deutlich gesteigert werden.

Tiefe Hirnstimulation – ein Eingriff mit Risiken?

Für die „Tiefe Hirnstimulation“ ist eine komplizierte OP nötig. Dabei werden erst kleine Löcher in die Schädeldecke gebohrt und dann Elektroden in das Gehirn implantiert. Diese Elektroden sind mit einem Neurostimulator verbunden, der unter der Haut, zum Beispiel unter dem Schlüsselbein, implantiert wird.

Dieser Neurostimulator sendet Störsignale in die Regionen des Gehirns, die für das Zittern verantwortlich sind. Den Neurostimulator können Patienten selbst an- und ausschalten. Auch die Intensität der Signale können sie selbst bestimmen.

Es gibt Patienten, die sehr von dem Eingriff profitieren. Doch die OP ist komplex und deshalb nicht ohne Risiken.

"Das Risiko bei einer Operation speziell ist, dass man mit einer Sonde das Gehirngewebe durchdringen muss und das eben jede Art von Schlaganfall durch eine Gehirnblutung auftreten kann. Also im Prinzip sind alle möglichen Folgen eines Schlaganfalls bei dieser Operation zu bedenken. Das ist insgesamt sehr sehr selten. Also wirklich schwerwiegende Blutungen mit lebensbedrohlichen oder schweren neurologischen Defiziten, das tritt in weniger als 0,5 Prozent der Fälle auf."

Prof. Dr. med. Jens Volkmann, Neurologe, Universitätsklinikum Würzburg


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