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Bruxismus Nächtliche Gesundheitsgefahr - Zähneknirschen

Gut ein Drittel der Bevölkerung knirscht im Schlaf mit den Zähnen. Das hat nicht nur Folgen fürs Gebiss, sondern auch für den ganzen Körper. Es kann zu Kopfschmerzen, Schwindel und Verspannungen kommen. Wann wird Zähneknirschen gefährlich? Und was kann man tun?

Von: Antje Maly-Samiralow

Stand: 19.03.2012

Mund und Nase | Bild: colourbox.com

Bruxismus heißt das Krankheitsbild, hinter dem ein starkes Aufeinanderpressen der Zähne oder das nächtliche Knirschen stecken. Beiß' die Zähne zusammen!', ‚Schau nicht so verbissen' oder ‚Verbeiß Dich doch nicht so in die Sache' sind nur einige Sprachbilder, die zeigen, wie stark unsere Zähne in unser Gefühlsleben involviert sind.

Wenn wir angespannt sind, neigen wir unwillkürlich dazu, die Spannung über den Kauapparat abzureagieren. Besonders deutlich wird das, wenn wir stark pressen und knirschen. Solange dieses nächtliche Malmen im normalen Rahmen bleibt, ohne dass es zu körperlichen Folgen kommt, ist das kein Problem. Alle Menschen knirschen über die gesamte Nacht verteilt gute 20 Minuten. Von Kindern weiß man, dass sie sich die weichen Milchzähne regelrecht wegbeißen.

Meistens unbemerkt

Normalerweise merken wir nicht, dass wir die Zähne aufeinanderpressen oder mit ihnen knirschen, es sei denn, unser Bettnachbar macht uns darauf aufmerksam, weil das Geräusch ihn oder sie aufweckt. Wenn wir selbst merken, dass wir knirschen, weil es körperliche Probleme nach sich zieht, sollten wir die nächtliche Aktivität nicht auf die leichte Schulter nehmen, sondern einen Zahnarzt aufsuchen.

Symptome, die auf nächtliches Pressen und Knirschen hindeuten:

  • Die Zähne sind deutlich sichtbar abgeschliffen.
  • Die Spitzen der oberen Eckzähne fehlen.
  • Der Zahnschmelz weist Risse auf.
  • Die Zähne brechen weg.
  • Kronen werden "zerbissen".
  • Das Zahnfleisch bildet sich stark zurück.
  • Nach dem Aufstehen schmerzt die Gesichtsmuskulatur.
  • Verspannungen in der Nacken- und Schultermuskulatur.
  • Kopfschmerzen und Migräne.
  • Tinnitus.

Wachbruxismus

Zähneknirschen findet aber nicht nur in der Nacht statt. Unter dem sogenannten Wachbruxismus leiden Menschen, die sogar tagsüber in hellwachem Zustand mit den Zähnen pressen. Ihre Anspannung scheint so groß zu sein, dass sie unbewusst pressen. Doch gerade die Wachphasen sind eine gute Gelegenheit für Zähneknirscher, bewusst darauf zu achten, dass sie ihren Kiefer entspannen.

Ursachen von Bruxismus

Stress und psychische Probleme

Wer über einen längeren Zeitraum seelische Belastungen mit sich herumschleppt, unter hohem Druck steht - beispielsweise vor Prüfungen oder im Job - nimmt all diese ungelösten Probleme und Belastungen mit in den Schlaf. Doch auch im Schlaf können diese Probleme nicht gelöst werden. Die Anspannung bleibt bestehen und äußert sich im nächtlichen Zähneknirschen. Denn eine emotionale Anspannung führt, wenn sie nicht aufgelöst bzw. abreagiert wird, in der Regel zur Verspannung der Muskulatur. Davon sind häufig die Muskelgruppen der Schulter- und Nackenpartie betroffen, aber auch die Gesichtsmuskulatur, etwa im Stirnbereich und vor allem die Kiefermuskulatur. Die Kiefermuskulatur wiederrum gibt die Verspannung an den Kauapparat und damit an die Zähne weiter. Die Zähne reagieren dann mit Pressen und Knirschen. So finden emotionale Spannungen ihr Ventil in nächtlichem Knirschen.

Fehlbiss

Schließen die Zähne gleichmäßig, wenn man zubeißt?

Eine weitere Ursache für Bruxismus ist ein sogenannter Fehlbiss. Rund 80 Prozent der Bevölkerung haben einen solchen Fehlbiss. Häufig kommt es zu solchen Fehlbissstellungen, wenn etwa die hinteren Backenzähne gefüllt bzw. überkront werden und die Zahnärzte nicht korrekt gearbeitet haben, sodass es zu minimalen Erhöhungen kommt. Der Patient merkt dies meist sofort, wenn er vom Zahnarzt kommt und das Gefühl hat, dass beim Aufeinanderbeißen etwas im Weg ist. Aber auch eine Zahnlücke, die nicht gefüllt wird, kann einen Fehlbiss nach sich ziehen. Wenn ein Zahn oder mehrere Zähne zu hoch sind, kommt es zu einem sogenannten Frühkontakt, das heißt, die Zähne beißen nicht alle gleichzeitig auf, sondern an der ein oder anderen Stelle beißt man früher auf als an anderen. Die Muskulatur versucht, diese Fehlstellung auszugleichen und nimmt eine Zwangshaltung ein, die physiologisch unnatürlich ist. Dadurch verspannt sich die Kaumuskulatur bzw. die ohnehin bestehende Verspannung wird verstärkt und damit das Knirschen und Pressen. Wer nur lange genug knirscht, beißt sich die Zähen irgendwann soweit herunter, dass ein Biss, der vorher vielleicht ganz normal gewesen ist, dann garantiert nicht mehr stimmt.

Therapieansätze

Wenn man das Knirschen und seine Folgen in den Griff bekommen will, muss man beide Ursachen ins Visier nehmen. Bei vorübergehenden Stressphasen dürfte sich das Knirschen legen, sobald der Stress abflaut. Bleiben der Stress und die damit einhergehenden negativen Belastungen jedoch bestehen, ist es an der Zeit, für Entspannung zu sorgen.

Entspannungsmöglichkeiten:

  • Psychotherapie (Verhaltenstherapie oder andere Therapieformen).
  • Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation, Autogenes Training oder Aktive Muskelentspannung.
  • Physiotherapeutische Betreuung, um die verspannten Muskelpartien zu lockern und den Muskeltonus zu reduzieren.
  • Achtsamkeitsübungen, um den Grad der Anspannung selbst kontrollieren und dann regulieren zu können.

Bei vorübergehenden Knirschphasen kann eine Beißschiene - auch Knirscherschiene oder Tiefziehschiene genannt - helfen, die Zähne vor übermäßigem Abschleifen zu schützen. Allerdings dienen solche Schienen ausschließlich dem Schutz der Zähne. Der Fehlbiss - sofern ein solcher vorliegt - bleibt weiter bestehen und damit auch das Problem der Muskelverspannung. Der Zahnarzt muss im Einzelfall prüfen, welche Art der Behandlung angemessen ist. Funktionstests zeigen, ob und in welchem Maße die Bisslage gestört ist. Sogenannte adjustierte Schienen können helfen, den Kiefer wieder in eine physiologisch normale Position zu bringen. Gegebenenfalls kann es notwendig sein, die runtergebissenen Zähne soweit aufzubauen, dass sie wieder schließen.


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