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Epstein-Barr-Virus Pfeiffersches Drüsenfieber erkennen und behandeln

Meist fängt es mit grippeähnlichen Symptomen wie Halsschmerzen und Müdigkeit an. Doch das Pfeiffersche Drüsenfieber kann viel weitreichendere Folgen haben. Patienten müssen sich monatelang schonen, für andere beginnt nach der Erkrankung ein ganz anderes Leben.

Von: Katharina Kerzdörfer

Stand: 29.01.2016

Olaf Bodden ist schwach und kann kaum laufen. Seit der erfolgreiche Bundesliga-Torschütze in den 90er-Jahren am Pfeifferschen Drüsenfieber erkrankte, hat sich sein Gesundheitszustand immer wieder verschlechtert.

"Man muss relativ viel schlafen, hat wenig Aktionsradius. Ich bin mal zum Arzt oder zum Einkaufen gefahren, mal alle zwei bis drei Wochen ins Kino gegangen. Man ist sehr, sehr eingeschränkt, man kann nicht machen, was man möchte, sondern braucht zwischendurch immer große Ruhephasen."

Olaf Bodden, Ex-Fußball-Profi

Ständig kraftlos und müde

Auch Steven Wilk hatte das Pfeiffersche Drüsenfieber. Er ist noch schwach und muss sich viel ausruhen. Doch langsam kommen seine Kräfte zurück. Vor wenigen Monaten war das noch ganz anders.

"In den schlimmsten Zeiten ging es mir wirklich gar nicht gut, da bin ich den ganzen Tag im Bett gelegen und konnte mich kaum aufrecht halten. Das war schon schwer."

Steven Wilk, Patient

Das Epstein-Barr-Virus tragen viele in sich

Der Erreger des Pfeifferschen Drüsenfiebers wird meist über den Speichel übertragen, deshalb wird die Krankheit auch Kusskrankheit genannt.

Schätzungsweise 90 Prozent aller Deutschen infizieren sich bis zum 30. Lebensjahr mit dem Epstein-Barr-Virus. Viele von ihnen im Kindesalter. Der Erreger wird meist über den Speichel übertragen, deshalb wird die Krankheit umgangssprachlich auch Kusskrankheit genannt, in der Fachsprache Mononukleose. Der Verlauf des Pfeifferschen Drüsenfiebers ist oft harmlos oder es treten gar keine Symptome auf. In manchen Fällen erkranken Patienten aber schwer bis lebensgefährlich.

Das Pfeiffersche Drüsenfieber verläuft ganz unterschiedlich

"Wir wissen, dass Kinder häufig eine milde Symptomatik haben, während Erwachsene oder ältere Menschen schwerer betroffen sein können. Warum das im Einzelfall tatsächlich so ist, das wissen wir bis heute nicht. Das ist  unverstanden."

Dr. med. Christoph Spinner, Internist, Klinikum rechts der Isar, München

Ähnlich wie das Herpes-Virus verbleibt das Epstein-Barr-Virus nach einer einmaligen Infektion ein Leben lang im Körper. Ist das Immunsystem geschwächt, kann es zu einer Reaktivierung des Pfeifferschen Drüsenfiebers kommen.

Diagnose mit Bluttest

Im Blut lassen sich die Antikörper des Virus nachweisen.

Beim Pfeifferschen Drüsenfieber wird in der Regel ein Bluttest durchgeführt, bei dem die Antikörper des Virus nachgewiesen werden können. In der klinischen Praxis ist die Diagnose oft nicht leicht zu stellen.

"Die Diagnosestellung des Pfeifferschen Drüsenfiebers ist in der klinischen Praxis oft sehr schwierig, weil die Symptome, die von Fieber, Lymphknotenschwellung bis manchmal zu einem Hautausschlag reichen können, sehr unspezifisch sind. Das heißt, sie treten bei vielen Viruserkrankungen auf."

Dr. med. Christoph Spinner, Internist, Klinikum rechts der Isar, München

Symptome: Fieber, Hautausschlag, Lymphknotenschwellung

Fieber ist eines der unspezifischen Symptome des Pfeifferschen Drüsenfiebers.

Bei diesen unspezifischen Symptomen tippen manche Ärzte auch auf eine bakterielle Infektion. Da dann schnelles Handeln erforderlich ist, verschreiben Mediziner ein Antibiotikum, ohne die genaue Diagnose zu kennen. Denn es kann mehrere Tage dauern, bis Testergebnisse, zum Beispiel aus Blutanalysen, feststehen.

Bekommen Patienten beispielsweise den Wirkstoff Ampicillin, reagieren viele mit einem Hautausschlag, dem sogenannten Ampicillinexanthem. Dies ist nicht gefährlich, kann aber starken Juckreiz verursachen.

Pfeiffersches Drüsenfieber kann lebensbedrohlich sein

Weiße Blutkörperchen vermehren sich schneller – mit gefährlichen Folgen.

Kommen Epstein-Barr-Viren mit den weißen Blutkörperchen in Kontakt, überleben diese länger. Zusätzlich vermehren sich die weißen Blutkörperchen schneller und sammeln sich in der Milz, der Leber, im Rachenbereich oder im Lymphsystem an. Die Folge: Die Organe schwellen an. Und das kann lebensbedrohlich sein.

"Grundsätzlich sind die Milz und die Leber sehr stark durchblutet. Wenn diese Organe sehr stark vergrößert sind - sie sind alle von Kapseln begrenzt - besteht die Gefahr, dass sie platzen können und es in der Folge zum Verbluten kommt. Glücklicherweise ist das eine sehr seltene Komplikation, die in dem Großteil der Fälle vermieden werden kann."

Dr. med. Christoph Spinner, Internist, Klinikum rechts der Isar, München

Spätfolgen des Epstein-Barr-Virus?

Welche weiteren Folgen das Epstein-Barr-Virus noch hat, ist noch nicht abschließend geklärt.

In der Wissenschaft wird diskutiert, ob das Epstein-Barr-Virus auch Spätfolgen mit sich bringt: Eine leicht erhöhte Gefahr für Krebs, wie das Lymphom, gilt als belegt. Ob der Erreger für das Chronische Erschöpfungssyndrom mitverantwortlich ist, ist nicht abschließend geklärt.


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