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Nesselsucht Brennen wie Brennnesseln

Sie kommt häufig blitzschnell: die Nesselsucht. Erscheinen die brennenden, juckenden Quaddeln auf der Haut, ist die Diagnose schnell gestellt. Doch was die Ursachen für die Erkrankung sind, bleibt meistens im Dunklen.

Von: Katharina Kerzdörfer

Stand: 08.05.2017

Für den Großteil der Patienten ist die Nesselsucht zwar nicht lebensbedrohlich, aber für viele bedeutet der Hautausschlag große Einschränkungen im Alltag. Die brennenden, juckenden Quaddeln machen den Patienten zu schaffen.

Urtikaria, so der lateinische Name der Nesselsucht, leitet sich vom lateinischen Begriff für Brennnessel, Urtica, ab, weil der Schmerz und die Symptome ähnlich der Berührung von Brennnesseln sind. Stellen Ärzte die Diagnose, ist die Therapie recht ähnlich: Kortison und sogenannte Antihistaminika helfen in der Regel. Bislang wird aber nur symptomatisch behandelt. Mit Medikamenten heilen kann man die Erkrankung bislang nicht.

"Es ist nicht möglich heutzutage, die Nesselsucht zu heilen. Die Nesselsucht ist eine ganz unspezifische Körperreaktion auf etwas, was den Körper stört. Es werden aus verschiedenen Gründen Mastzellen aktiviert, und wir wissen nicht genau, warum diese Mastzellen bei den meisten aktiviert werden."

Prof. Dr. med. Knut Brockow, Dermatologe, TU München

Entstehung unklar

Bei der Nesselsucht wird der Botenstoff Histamin aus Mastzellen freigesetzt. Der verursacht, dass Hautzellen durchlässiger werden. Dadurch tritt Wasser aus den Zellen aus und sammelt sich als Ödem an der Hautoberfläche an. Da die Zellen auch durchsichtiger werden, erscheint die Haut rötlich. Warum genau der Körper Histamin freisetzt, ist bislang noch unklar.

Schwillt die Haut im Hals- und Rachenbereich an, kann die Erkrankung lebensbedrohlich sein. Denn dann kann die Schwellung die Atemwege verschließen. Dies ist allerdings äußerst selten.

Ursache häufig nicht untersucht

Ursachen für Nesselsucht gibt es viele: Hitze, Kälte, Wasserkontakt oder ein vorhergegangener Infekt zum Beispiel. Es kann aber auch eine allergische Reaktion auf Lebensmittel oder Medikamente sein. Außerdem kann die Psyche eine Rolle bei der Erkrankung spielen. 

Man unterscheidet zwischen einer akuten Nesselsucht, bei der die Symptome nur maximal sechs Wochen andauern und chronischen Verläufen, die länger bestehen. Erst wenn eine Urtikaria chronisch wird, werden Tests wie Blutanalysen gemacht, um Allergien oder andere Ursachen nachweisen zu können. Das ist wichtig für die Therapie.

"Die optimale Therapie wäre die Ursachensuche und die Ursachenfindung und damit die Ursachenmeidung. Das gelingt uns leider nur sehr selten. Insofern müssen wir bei den meisten Patienten eine symptomatische Therapie durchführen, die sie symptomfrei macht."

Prof. Dr. med. Knut Brockow, Dermatologe, TU München

Ist die Ursache psychischer Stress, ist es wichtig, Strategien dagegen zu entwickeln.

"Die Psyche scheint einen wesentlichen Einfluss auf die Urtikariaaktivität zu besitzen, das ist so, dass die Patienten häufig durch ihre Urtikaria sehr belastet sind. Das schafft psychischen Stress und dieser psychische Stress macht wieder eine Verstärkung der Urtikaria in einer Art Teufelskreis. Und wenn wir es schaffen, diesen Teufelskreis zu unterbinden, können wir häufig eine deutliche Besserung bewirken."

Prof. Dr. med. Knut Brockow, Dermatologe, TU München

Entspannungsverfahren, wie progressive Muskelentspannung oder autogenes Training, können helfen, Stress zu reduzieren.


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