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Weidenrinde statt Aspirin Schmerzmittel aus der Natur

Ob im Altertum, dem Mittelalter oder in der Neuzeit: Schon immer wusste man um die Heilkraft der Weide. Die Rinde des Baumes ist ein ideales Mittel gegen Schmerzen und Fieber. Fast ebenso gut wie Aspirin. Nur ohne Nebenwirkungen.

Von: Julia Richter

Stand: 16.10.2017

Seit Jahrtausenden nutzen die Menschen die heilbringende Wirkung der Weide. Kaum ein anderes Arzneimittel verfügt über eine so lange Tradition wie die Weidenrinde. Sie gilt als natürliches Schmerzmittel. Ob im alten Ägypten, im alten Rom oder im Mittelalter: die Weiderinde hatte stets einen festen Platz in der Pflanzenheilkunde.

Ein Bestandteil ist Salicin - im 19. Jahrhundert wurde aus Salicin ASS entwickelt - vielen auch bekannt als Aspirin. Erst in jüngster Zeit begann die Untersuchung der Weidenrinde auf der Grundlage moderner Forschung.

Inhaltsstoffe der Weidenrinde

Weide

Weiden - lateinisch Salix - gehören zur Familie der Weidengewächse. Weltweit existieren rund 400 Sorten. Grundsätzlich bevorzugen Weidenbäume feuchte Böden, meist findet man sie in der Nähe von Wasser. Bis zu 30 Meter hoch können sie werden. Aus medizinischer Sicht ist das Spannende an der Weide ihre Rinde - Salicis Cortex - genannt.

Im Frühjahr wird die Rinde der junger Zweige gesammelt, geschält, geschnitten und getrocknet. Für den Weidenrindenextrakt werden nach dem Deutschen Arzneibuch alle Weiden verwendet, deren Rinde mindestens 1 Prozent Salicin enthalten. Dazu gehören unter anderem die Salix Daphnoides (Reifrinde) oder die Salix Purpurea L. (Purpurweide). Neben Salicin enthält die Weidenrinde sekundäre Pflanzenstoffe wie Flavonoide sowie Gerbstoffe.

Von der Kommission des früheren Bundesgesundheitsamtes gibt es eine Monografie zum Thema Weidenrinde. Demnach wirkt Weidenrindenextrakt bei fieberhaften Erkrankungen, rheumatischen Beschwerden und Kopfschmerzen.

Wirkweise der Weidenrinde: Salicin und Co

Weidenrinde

Weidenrinde wird vor allem zur Linderung entzündlicher Schmerzen im Bewegungsapparat eingesetzt. Typische Anwendungsgebiete sind Kopfschmerzen, rheumatische Beschwerden, Arthritis, Rückenschmerzen und Fieber.

Das Besondere an der Weide: der Inhaltsstoff Salicin. In seiner reinen Form ist er nicht aktiv (eine sogenannte Prodrug), erst durch Stoffwechselvorgänge im Körper wird Salicin in Salicylsäure umgewandelt und damit aktiv. Salicylsäure wirkt schmerzlindernd.

Aspirin der Natur

Im 19. Jahrhundert wurde aus Salicylsäure das wohl bekannteste Schmerzmittel der Welt entwickelt: Acetylsalicylsäure - kurz ASS oder Aspirin. Die Weidenrinde gilt deshalb immer als "Aspirin der Natur" - obwohl ja in der Rinde selbst gar keine Acetylsalicylsäure vorkommt. Die Wirkweise ist aber ähnlich: Bei der Salicylsäure werden Botenstoffe im Körper gehemmt, die Entzündungen und Schmerzen auslösen.

Man vermutet heute aber, dass nicht alleine das Salicin in der Weidenrinde schmerzlindernd und entzündungshemmend wirkt, sondern die Kombination von Salicin und den anderen Bestandteilen wie den Phenolen (Pflanzenstoffen). Hier sind noch längst nicht alle Inhaltsstoffe restlos erforscht. Wie bei den meisten Pflanzen handelt es sich auch bei der Weidenrinde um ein "Vielstoffgemisch".

Darreichungsformen

Weidenrindentee

Weidenrinde wird in unterschiedlichen Formen angeboten. Man kann sie geschnitten, also pur, kaufen und daraus zum Beispiel einen Tee zubereiten, man kann sie aber auch als Fertigtee oder Tablette kaufen. Der Weidenrindenextrakt wird je nach Produkt mit Wasser oder mit Alkohol ausgezogen.

Die Dosierungsempfehlungen hängen von den Beschwerden ab, sie reichen von 120-240 mg (letzteres: European Scientific Cooperative on Phytotherapy kurz ESCOP) Weidenrindenextrakt pro Tag.

Studienlage

Derzeit wird immer noch intensiv an der Wirksamkeit der Weidenrinde geforscht: Die therapeutische Wirksamkeit wurde in einigen placebokontrollierten, randomisierten Doppelblindstudien sowohl bei Patienten mit Rückenschmerzen als auch bei Patienten mit arthritischen Beschwerden belegt (siehe vor allem: Lardos A. et al 2004, Schaffner W. 1997, Chrubasik, Sigrun und Wink, Michael (Hg.): "Rheumatherapie mit Phytopharmaka, 1999)

Vorteile: Weidenrinde versus ASS-Tablette

Acetylsalicylsäure, also ASS, wirkt schneller als Weidenrindenextrakt. Der baut sich erst langsam auf. Wer also akut starke Kopfschmerzen hat und eine schnelle Wirkung braucht, der greift wahrscheinlich eher zur Tablette. Wer tagelang unter leichten Spannungskopfschmerzen leidet, und nicht immer zu Chemie greifen möchte, kann es mit Weidenrinde probieren.

Die Weidenrinde ist aber vor allem für die Patienten eine Alternative, die ständig zu Schmerzmitteln greifen müssen. Diese sogenannten Antirheumatika haben bekannte Nebenwirkungen; sie greifen Magen, Leber oder Nieren an. Weidenrindenextrakt ist Studien zufolge eine Alternative, die hier sehr viel verträglicher ist. Klinische Studien deuten auf eine sehr gute gastrointestinale Verträglichkeit.

Das ist der eigentlich entscheidende Vorteil der Weidenrinde: Sie kann bei chronischen Schmerzen eine natürliche Alternative darstellen gegenüber synthetischen Schmerzmitteln.

Noch ein Unterschied: Acetylsalicylsäure beeinflusst die Blutgerinnung - im Volksmund sagt man ASS "verdünnt" das Blut. Weil der Weidenrinde die Acetylgruppe fehlt, hat sie diese Wirkung nicht.

Risiken

Doch Vorsicht: Weidenrinde kann genau wie Acetylsalicylsäure auch zu Allergien führen. Wer eine bekannte Acetysalicylsäure-Unverträglichkeit hat, sollte von der Weidenrinde besser die Finger lassen. Wer generell zu Asthma und Allergien neigt, sollte sich vor der Einnahme von Pflanzenprodukten mit seinem Arzt absprechen.

Tipps zur Weidenrinde

Bei den oben genannten schmerzhaften Beschwerden oder fiebrigen Infekten kann man einen Kaltauszug machen: Einfach einen Teelöffel getrocknete, geschnittene Weidenrinde auf eine Tasse kaltes Wasser aufsetzen und das Ganze ein paar Stunden oder über Nacht ziehen lassen, abseihen und über den Tag verteilt trinken. Wenn es schnell gehen muss, die Weidenrinde etwa 20 Minuten auskochen.

Weidenrinde wird auch äußerlich angewandt: Bei rheumatischen Beschwerden sollen Wickel mit dem Sud der Weidenrinde eine schmerzstillende und abschwellende Wirkung haben. Wer es einfacher haben will, greift zu Tabletten mit dem Extrakt. Hier ist die Wirkstoffgehalt genau standardisiert, das kann die Dosierung einfacher machen.


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