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Schluckauf Tipps gegen den Hicks

Schluckauf, Blähungen, Aufstoßen. Wer wird nicht von Zeit zu Zeit davon geplagt. Wie kommt es dazu und vor allem: Was kann man dagegen tun? "Gesundheit!" mit Tipps gegen den Hicks.

Von: Bernd Thomas

Stand: 06.03.2016

Schluckauf | Bild: picture-alliance/dpa

Töne sind oft wunderbar. Doch nicht immer sind sie auch ein Ohrenschmaus. Besonders dann nicht, wenn sie ungewollt nach einer viel zu hastigen Mahlzeit auftreten, bei der außerdem nicht ausreichend gekaut wurde. Die Folge kann richtig laut sein und ist uns heutzutage nur peinlich: Aufstoßen, Rülpsen oder Ructus, wie die Mediziner dieses unerwünschte Körpergeräusch nennen. Das hat nicht nur mit dem Magen zu tun, sondern auch mit dem Darm.

"Für gehäuftes Aufstoßen gibt es zahlreiche Ursachen, wie vermehrtes Luftschlucken bei der Nahrungsaufnahme, Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten, die zu einer vermehrten Gasbildung im Darm führen, oder zum Beispiel auch ein Passagehindernis im Darm. Gelegentliches, häufiges Aufstoßen ist harmlos. Nur bei Beeinträchtigungen im Alltag sollte man zum Arzt gehen."

Dr. med. Valentin Becker, Internist im Klinikum rechts der Isar der TU München

Was kann man gegen das Aufstoßen tun?

Streng wissenschaftlich ist zwar nichts bewiesen, aber bei vielen Hicksern hilft ein lauwarmer Tee - am besten mit Kamille, das beruhigt den Magen.

Übelriechende Winde: Blähungen

Oft ist das Aufstoßen nur der Auftakt zu ganz anderen Geräuschen, die nicht nur für die Ohren, sondern auch für die Nasen eine arge Zumutung sind. Wer kennt sie nicht, die peinliche Situation, wenn nach dem Grummeln im Darm die Winde ihren Weg nach draußen suchen und diesen nur zu oft geräuschvoll finden.

Flatulenzen, Blähungen, Leibwinde! Wie peinlich! Verantwortlich dafür sind unsere Darmbakterien. Denn sie produzieren beim Zersetzen unserer Nahrung im Darm reichlich Gase. Normalerweise werden die größtenteils über Blutkreislauf und Lungen wieder ausgeschieden. Doch bei ungünstiger Ernährungsweise - zum Beispiel mit zu viel Zucker - funktioniert das nicht mehr reibungslos und es wehen die Winde. Schuld am üblen Geruch sind übrigens Schwefelverbindungen.

Sind Blähungen gefährlich?

"Blähungen sind meist unbedenklich. Sie treten häufig als Symptom einer Lebensmittelunverträglichkeit auf, zum Beispiel für Fruchtzucker, Milchzucker oder für Sorbit. In der Regel sind sie völlig ungefährlich, nur bei Beschwerden im Alltag sollte eine fachärztliche Abklärung erfolgen."

Dr. med. Valentin Becker, Internist im Klinikum rechts der Isar der TU München

Entlastung bringen Wärme oder auch leichte Massagen. Und auch hier tut ein Tee gut - am besten mit Fenchel und Kümmel. Denn das entspannt den Darm. So können die Gase nach draußen lautlos entweichen.

Schluckauf

Doch dann droht das nächste Übel - der Schluckauf. Der hat gerade noch gefehlt. Wie kommt der zustande? Das Zwerchfell bekommt vom Gehirn über Nervenbahnen den Befehl, sich schnell zu dehnen: Luft strömt ein, die Stimmlippen machen schlagartig dicht: Der Hicks ist da. Ein Reflex, den man übrigens schon bei Ungeborenen im Mutterleib beobachtet. Wahrscheinlich schützt er die Lungen vor dem Eindringen von Flüssigkeiten.

Kann ein Hicks gefährlich sein?

"Auch der Schluckauf ist eigentlich harmlos und verschwindet meist von selbst. Nur bei länger anhaltenden Symptomen von mehr als 48 Stunden sollte er ärztlich abgeklärt werden. Dann kann sich ganz selten auch einmal eine schwere Erkrankung wie ein Tumor des Gehirns, des Halses oder der Brusthöhle dahinter verbergen."

Dr. med. Valentin Becker, Internist im Klinikum rechts der Isar der TU München

Warum plagt uns Schluckauf?

Warum haben wir Schluckauf?

Er kommt immer in den unpassendsten Momenten. Zucker essen, erschreckt werden oder die Luft anhalten - jeder hat sein Hausmittelchen. Doch wozu ist Schluckauf gut?

Des Rätsels Lösung...

Zwerchfell und Atemmuskulatur ziehen sich für 35 Millisekunden zusammen: Der Körper tut so, als ob er einatmen würde. Doch die eingezogene Atemluft prallt auf die geschlossene Stimmritze - mit einem lauten Hicks. Eigentlich sind das die Atemübungen vor der Geburt, bei der der Embryo kein Fruchtwasser in die Lunge bekommen darf.

Was hilft gegen Schluckauf?

Anders atmen

Es gibt unzählige Hausmittel, wie man Schluckauf los wird. Die, die die Atmung beeinflussen sind sinnvoll, sagt Gereon Fink, Neurologe an der Universitätsklinik Köln. Doch was dem einen hilft, muss nicht bei anderen wirken. Versuchen Sie es mit diesen Methoden: Halten Sie die Luft an, schnüffeln oder hecheln Sie wie ein Hund oder atmen Sie in eine Tüte ein- und aus. So ist Ihnen auch die ungeteilte Aufmerksamkeit Ihrer - amüsierten - Mitmenschen sicher.

Ablenken

Ablenkungsmanövern helfen vor allem Kindern. Fragen Sie, was der Hicksende vergangene Woche gegessen hat oder reden Sie über Dinge, mit denen der Betreffenden sich gerne beschäftigt.

Kitzeln

Jemanden kitzeln ist ein Hausmittel gegen Schluckauf. Eine wissenschaftlichere Methode ist, die Nerven zu stimulieren, indem man am hinteren Halsmuskel zupft oder an der herausgestreckten Zunge zieht, sagt zumindest Neurologe Gereon Fink.

Abwarten

Mit ein bisschen Geduld geht der Spuk oft von ganz alleine weg.

Dauerschluckauf

Falls Schluckauf jedoch stunden- oder wochenlang anhält, ist Vorsicht geboten. Das kann auf Erkrankungen hinweisen - sowohl leichte wie schwere. Wenn Betroffene nicht mehr essen oder schlafen können, kann Dauerschluckauf zu Depressionen und Selbstmordgedanken führen. Doch "diese Patienten werden von Ärzten oft nicht ernst genommen", kritisiert Mediziner Jens Keßler vom Heidelberger Schmerzzentrum. Patienten sollten sich daher gleich an einen Facharzt wenden - am besten an einen Internisten, weil die Ursache für langanhalten Schluckauf häufig vom Magen oder der Speiseröhre herrührt.

Aber nicht erschrecken, denn das ist wirklich nur ganz selten der Fall. Obwohl: Manchmal hilft genau das - das Erschrecken. Wobei wir schon bei den zugegebenermaßen recht unwissenschaftlichen Tricks gegen den Hicks sind: wie zum Beispiel dem Erschrecken oder dem Luft anhalten. Manche empfehlen auch, schluckweise ein Glas lauwarmes Wasser zu trinken. Ausprobieren heißt die Devise, denn helfen kann Vieles. Oft ist der Hicks genauso schnell wieder verschwunden, wie er gekommen ist.


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