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Schaden für Umwelt und Gesundheit Alles Plastik - alles gut?

Plastik bestimmt unser Leben und erleichtert den Alltag - auf den ersten Blick. Denn das "unkaputtbare" Plastik schädigt nicht nur die Umwelt, sondern gefährdet auch unsere Gesundheit. Gibt es eine Alternative zu einer Welt, in der Kunststoff immer mehr Raum einnimmt?

Von: Beatrice Sonhüter

Stand: 30.10.2015

Wir sind umzingelt von Plastik - tagtäglich. Das fängt schon am Morgen an: der Wecker, der Zahnbecher, die Kaffeemaschine, der Joghurtbecher, die Wurstdose ... - alles aus Plastik! Im Büro geht es weiter: der Schreibtisch, der PC, die Maus, das Telefon, der Mülleimer - ebenfalls Plastik. Und beim Einkaufen erst! Klorollen in Plastik abgepackt, PET-Flaschen, abgepacktes Obst und Gemüse in Plastikfolien, Toast und Brot ... alles in Kunststoff verpackt!

Plastik, Plastik überall!

Plastik ist aber auch in Möbeln, Tapeten, Fußböden, ja selbst in den Textilien und in Schuhen enthalten. Leider auch in Kinderspielzeug!

24 Kilogramm Plastik - in Form von Bechern, Folien, Verpackungen - kauft jeder Deutsche im Jahr. Nur Verpackungsmaterial! Allein in einem Becher Joghurt findet man bis zu 600 verschiedene Additive, von den gesundheitlich bedenklichen Weichmachern, über Farbpigmente bis hin zu anderen Chemikalien.

Plastik feierte 2013 seinen 100. Geburtstag. Und der Siegeszug des Kunststoffes ist seit den 50er-Jahren nicht mehr aufzuhalten. Denn Kunststoff ist leicht, formbar, stabil, praktisch und billig! Aber es sind vor allem die Weichmacher, die sogenannten Phthalate, die Ärzte, Toxikologen und Umweltmediziner für bedenklich halten.

Alles Plastik: Weichmacher können krank machen

Dicke Frau am Strand | Bild: colourbox.com zum Artikel Die ChemTrust-Studie und REACH Dick und krank durch Plastik?

Über die gesundheitsschädigende Wirkung von Weichmachern & Co. wird seit langem diskutiert. Das hormonelle Chemikalien auch Übergewicht und Diabetes zur Folge haben könnten, legt die ChemTrust-Studie nahe. [mehr]

Es gibt über 600 verschiedene Weichmacher, 200 von ihnen gelten als gesundheitlich besonders bedenklich. Diese Chemikalien machen Plastik weicher, flexibler, geschmeidiger. Aber diese Stoffe können die Gesundheit schädigen, wenn sie aus den Verpackungen in die Lebensmittel eindringen. Phthalate haben eine hormonähnlich Wirkung, können zu Unfruchtbarkeit führen, da sie die Spermien angreifen, sie können Asthma und Allergien auslösen, dick und dumm machen und Unkonzentriertheit fördern, so mehrere Studien.

Man kann dem Plastik nicht entfliehen. Denn alles, was wir essen, was wir anhaben, mit dem wir uns umgeben, hat mit Plastik und damit auch mit diesen gefährlichen Weichmachern zu tun.

Ganz paradox wird es, wenn es direkt ums Leben geht: Infusionsschläuche und Blutbeutel sind meist aus PVC gefertigt und enthalten viele Weichmacher. Die Auswirkungen sind gravierend. Selbst Ärzte wissen das oft nicht. Denn Patienten erhalten in der ersten halben Stunde beispielsweise viel zu wenig Schmerzmittel, weil sich die Substanz erst an die Innenwand der Infusionsschläuche heftet und somit erst verzögert im Patienten ankommt.

Gefahr Plastikadditive: In einigen Ländern sind Weichmacher verboten

In anderen europäischen Ländern denkt die Politik viel verbraucherfreundlicher als unsere Politiker und verbietet die problematischsten Weichmacher und  Chemikalien - bevor es die Europäische Union tut. Dänemark hat bereits vier der problematischsten Weichmacher in allen Innenräumen komplett verboten, also auch in Teppichböden, Tapeten und Möbeln. Argument der dänischen Gesundheitsministerin: "Die Gesundheit unserer Bevölkerung geht vor!"

Kein Bisphenol A in Babyflaschen

Konservendosen haben meist Kunststoffbeschichtungen | Bild: picture-alliance/dpa zum Artikel Bisphenol A EU verschärft Grenzwert deutlich

Forscher streiten seit langem, wie gefährlich Bisphenol A ist. Aufgrund einer großen Anzahl neuer Studien wird nun der Grenzwert der Chemikalie deutlich verschärft. [mehr]

Plastik kann auch Bisphenol A, kurz BPA, enthalten. Auch diese Chemikalie steht im Verdacht, unter anderem Unfruchtbarkeit, Diabetes, Fettleibigkeit und Schädigungen des zentralen Nervensystems auszulösen. Seit 2011 dürfen Babyflaschen bei uns kein BPA mehr enthalten. Damit sollen Babys zumindest bis zum 3. Lebensjahr geschützt werden. Da dieser Stoff aber auch auf die Fortpflanzungsorgane Einfluss haben kann, rät das Umweltbundesamt in Berlin, BPA-Produkte aus Vorsorgegründen zu meiden. Frankreich, Schweden und Dänemark arbeiten bereits an einem Totalverbot von  BPA.

Alles Plastik: Plastikmüll in allen Meeren

Alles, was nicht recycelt oder verbrannt wird, landet irgendwann einmal in den Flüssen, im Meer. 100 Millionen Tonnen "unkaputtbarer" Plastikmüll dümpelt in den Ozeanen.

Am 12. März 2013 strandete ein Pottwal in Spanien: In seinem Inneren fanden sich insgesamt 30 Quadratmeter Plastikfolien! Allein in der Nordsee sind 20.000 Tonnen Müll, 75 Prozent davon sind Plastikteile.

Haltbares Plastik überall: Gefahr durch Mikroplastik

Die großen Plastikteile, die in allen Weltmeeren auf oder kurz unter der Wasseroberfläche schwimmen, sind für den Tod von unzähligen Vögeln und Wassertieren verantwortlich. Aber sie bergen noch ein anderes großes Risiko: Mikroplastik. Mikroplastik entsteht, wenn die großen Plastikteile durch thermische und andere Umweltfaktoren "zerfallen".

In jedem Fisch, in jeder Auster aus dem Meer finden sich mehr oder weniger viele Mikroplastikteilchen (man spricht von Mikroplastikteilchen bis zu einer Größe von 5 Millimetern), die in der Nahrungskette und damit wieder auf unseren Tellern landen.

Und was hat Zähneputzen mit dem katastrophalen Fischsterben in den Weltmeeren zu tun? Was hat ein Wohlfühl-Peeling der Haut mit den gigantischen Plastikwirbeln im Nord- und Südpazifik zu tun? Und warum bekommen wir das alles wieder auf den Tisch, was wir durch den Abfluss gespült haben? Ursache für diesen unheilvollen Kreislauf ist ebenfalls Plastik und Mikroplastik. Denn damit die Zähne strahlend weiß werden und die Haut von alten Hautschüppchen befreit wird, setzt die Industrie solchen Produkten Mikroplastikteilchen zu, die diese gewünschten Effekte erzielen.

Alles Plastik: Was kann jeder dagegen tun?

Eine Ente aus Plastik | Bild: BR zum Artikel Plastik ohne Ende? Moderne Kunststoffe im Alltag

Ob Plastikspielzeug, Babywindel oder Fahrradhelm - Kunststoffe gibt es überall, denn sie sind praktisch und für vieles zu gebrauchen. Aber sie belasten auch unsere Umwelt. Sind Biokunststoffe eine sinnvolle Alternative? [mehr]

Es gibt bereits Kunststoffe, deren Inhaltssubstanzen neu definiert werden, das heißt: Schädliche und gesundheitsbedenkliche Stoffe werden durch unbedenkliche ersetzt. Das kostet natürlich Zeit und Geld und die Industrie muss sich darauf einlassen. Ein deutsches Chemieunternehmen zum Beispiel entwickelte einen Ersatz-Weichmacher für das mittlerweile verbotene DEHP. Dieser neue Weichmacher, DINCH, erhielt 2006 die Zulassung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Er wird nun in Kinderspielzeugen, Medizinprodukten und für Kunststoffverpackungen von Lebensmitteln eingesetzt. Dieses Beispiel zeigt: Es geht.

Der Film: Alles Plastik - alles gut?

Die Fernsehdokumentation "Alles Plastik - Alles gut?" beschreibt, wie fatal Plastik für unser Leben und unsere Gesundheit ist.
Der Film begleitet eine Familie mit drei Töchtern durch ihren "Plastik-Alltag", untersucht, wo und wie die einzelnen Familienmitglieder mit Plastik in Berührung kommen.

Aber die Dokumentation beklagt nicht nur die "Ist-Situation", sondern sucht nach neuen, intelligenten Konzepten und ihren Protagonisten: Professor Michael Braungart beispielsweise erfindet neue, gesundheitlich unbedenkliche Materialien, die entweder wieder in technische oder in biologische Kreisläufe zurückgeführt werden können.

Dies zeigt anhand von Beispielen, wie das erste Plüschtier, das ohne bedenkliche Substanzen auskommt, dem kompostierbaren Turnschuh und einem Bürostuhl, der in 5 Minuten zerlegt und dessen Materialien alle wieder zu neuen Produkten verarbeitet werden können. Dass man Sportbekleidung aus schadstofffreien PET-Flaschen schneidern kann und diese nach dem Gebrauch wieder in anderen Produkten weiterverwendet werden können, beschreibt der Film "Alles Plastik - Alles gut?".


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