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Herpes-Virus Das hilft gegen die lästigen Lippenbläschen

Es kribbelt und juckt, brennt, spannt und schmerzt. Der Übeltäter: Lippenherpes. Rund 90 Prozent aller Deutschen tragen den Auslöser, das Herpes-simplex-Virus, in sich. Bei zwölf Millionen kommt es regelmäßig zum Ausbruch.

Von: Julia Richter

Stand: 13.01.2016

Die Symptome bei Lippenherpes sind fast immer gleich. Bemerken wir ein Jucken, Schmerzen oder Brennen, ist es meist schon zu spät. Doch wie entsteht Herpes überhaupt? Verursacht wird Lippenherpes meist durch den Herpes-simplex-Virus Typ 1 – sehr selten durch den Typ 2, den sogenannten Genitalherpes.

Den Virus trägt man ein Leben lang in sich

Die meisten stecken sich bereits im Kleinkindalter an. Das Virus wird durch Speichelkontakt oder Schmierinfektionen erworben. Es gelangt über die Schleimhautzellen in den Körper, wandert an den Nervenbahnen entlang und setzt sich in den Nervenknoten fest - den sogenannten Ganglien. Dort schlummert es ein Leben lang. Auslöser für eine Reaktivierung können Infekte, Stress oder starke Sonneneinstrahlung sein.

So entstehen die Bläschen auf der Lippe

Das Virus wandert dann von den Nervenzellen in eine gesunde Hautzelle, meist in Lippennähe. Hier schleust es sein Erbgut ein und übernimmt deren Funktion. Neue Herpes-Viren werden produziert - bis die gesunde Hautzelle schließlich zerstört ist. Diese neuen Herpes-Viren suchen sich dann neue Wirtszellen: Das Ganze beginnt von vorne. Die unansehnlichen Lippenbläschen sind die Folge.

Herpes – das betrifft fast jeden!

Neun von zehn Menschen tragen das Herpes-Virus in sich.

Lippenherpes ist ein Volksleiden! Fast 90 Prozent der Menschen tragen das Virus in sich. Etwa 40 Prozent der Erwachsenen erleben mindestens einmal in ihrem Leben eine Reaktivierung, die sich in Form der Bläschen zeigt. Bei gut zwölf Millionen Menschen bricht es regelmäßig aus.

Die Langzeitprognose sieht gut aus. In der Fachliteratur heißt es: Jenseits des 35. Lebensjahres werden die Rezidive im Allgemeinen seltener. Bekommt man den Herpes ungewöhnlich häufig – also mehr als sechs Mal pro Jahr - oder hält er sich besonders hartnäckig – länger als zehn Tage pro Episode - dann sollte man auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen.

Herpes: Helfen Hausmittel und Medikamente?

Was gegen Herpes wirklich hilft!

Zahnpasta?

Ein uralter Trick ist Zahnpasta - sie soll die Bläschen austrocknen und schneller zur Abheilung führen. Viele schwören auf Alkohol - der desinfiziert und soll austrocknen. Der Dermatologe Gerd Gauglitz warnt vor diesen Hausmitteln.

Das meint der Arzt dazu:
"Diese Substanzen trocknen aus. Dadurch kann es auch mal dazu kommen, dass Krusten frühzeitig abfallen. Es kommt zu einer Besiedlung von anderen Keimen und dadurch kann der Heilungsverlauf sogar verlängert sein. Insofern von unserer Seite aus nicht zu empfehlen." meint PD Dr. med. Gerd Gauglitz, Dermatologe, LMU, München

Teebaumöl

Ein Geheimtipp vieler Herpes-Geplagter ist Teebaumöl. Manche behaupten, das wirke besser als jedes Medikament. Doch was ist dran?

Das meint der Arzt dazu:
"Teebaumöl ist in der Tat desinfizierend wirksam, es ist teilweise auch gegen Keime und gegen Pilze wirksam. Allerdings hat es ein hohes Risiko, allergische Reaktionen hervorzurufen. Insofern sollte es gerade im sensiblen Lippenbereich bei Herpes nicht angewendet werden." PD Dr. med. Gerd Gauglitz, Dermatologe, LMU, München

Honig oder Melisse

In der Volksheilkunde heißt es, Kompressen mit Honig oder Melissentinktur lindern die Symptome. Einfach Honig oder Melisse auf eine Mullbinde träufeln und mehrfach täglich auf den Herpes auflegen.

Das meint der Arzt dazu:
Auch wenn manche subjektiv eine Verbesserung verspüren, kann man das nicht explizit empfehlen, so Gerd Gauglitz. Die Anwendung sei zwar nicht schädlich für die Haut, aber die Studienlage für beides ist den Angaben zufolge alles andere als eindeutig. Eine Wirksamkeit gegen Herpes ist also nicht belegt.

Zink

Zinksulfat oder Zinkoxid in Form von Cremes oder Gels zum Auftragen auf die Haut sollen die Wundheilung fördern.

Aber Vorsicht:
Auch hier besteht die Gefahr, dass die Haut zu sehr ausgetrocknet wird. Man sollte es mit der Zinksalbe daher nicht übertreiben. Und: Gegen die Herpes-Viren selbst wirkt Zink nicht.

Herpes-Pflaster

Transparente Herpes-Pflaster - sogenannte Patches - sind für viele eine Erleichterung, da sie den Herpes kaschieren. Zwar werden die Bläschen nicht unsichtbar, aber durch das Pflaster fallen sie weniger auf. Manche empfinden es als angenehm, dass der Herpes abgedeckt ist, da die betroffene Stelle beim Essen und Trinken nicht gereizt wird.

Das meint der Arzt dazu:
"Die Herpes-Patches, die momentan auf dem Markt sind, sind selber nicht antiviral - also nicht gegen die Viren selber tätig. Sie haben aber den Wirkmechanismus, dass sie die Wundheilung verbessern und zwar mittels einer feuchten Kammer, die sie unter diesem Pflaster schaffen. Das kann in vielen Fällen zu einer beschleunigten Abheilung führen." PD Dr. med. Gerd Gauglitz, Dermatologe, LMU, München

Herpes-Cremes: Die Wirkstoffe Aciclovir und Penciclovir

Auf dem Markt sind verschiedene frei verkäufliche Cremes mit den Wirkstoffen Aciclovir und Penciclovir - das sind sogenannte Virostatika, die direkt in die Virenvermehrung eingreifen. Was kann man von denen erwarten?


Das meint der Arzt dazu:
"Beide Wirkstoffe hemmen die Virusvermehrung, das heißt, sie wirken wirklich als einzige Produkte in diesem Feld gegen den Virus selber. Sie sind in vielen Studien getestet worden, sind wirksam und reduzieren, also verkürzen, die Krankheitsdauer um durchschnittlich ein bis zwei Tage." PD Dr. med. Gerd Gauglitz, Dermatologe, LMU, München

Unser Fazit:

Virostatika sind die einzigen Mittel, die wirklich gegen das Virus selbst aktiv sind und somit wissenschaftlich nachgewiesen die Erkrankungsdauer verkürzen - zumindest um ein bis zwei Tage. Wichtig ist, die Präparate sofort bei den ersten Anzeichen aufzutragen - und das konsequent alle paar Stunden zu wiederholen. Die Creme sollte nie mit den Händen, sondern immer mit dem Wattestäbchen aufgetragen werden.

Herpes: Sie können vorbeugen!

Stressfaktoren meiden

Der Zahnarztbesuch kann den Ausbruch von Herpes begünstigen.

Es gibt bestimmte Risikofaktoren, die eine Herpes-Erkrankung begünstigen können, wie

  • Stress,
  • eine starke Reizung der Haut,
  • intensive Sonneneinstrahlung oder auch eine
  • zahnärztliche Behandlung.

Wer weiß, auf was er empfindlich reagiert, sollte die Faktoren meiden, indem er zum Beispiel einen extra hohen Sonnenschutz auf die Lippen aufträgt. Bei Zahnarztbehandlungen können gegebenenfalls Virostatika auf die Lippen aufgetragen werden.

Ernährung und Bewegung

Der beste Schutz aber ist ein starkes Immunsystem. Wer sich gesund ernährt, sich ausreichend bewegt und genügend schläft, stärkt die Abwehrkräfte. Der Herpes hat dann umso seltener eine Chance.

Hygiene

Händewaschen verhindert, dass man das Virus auf andere Köperareale überträgt.

Durchschnittlich fasst sich jeder von uns mehrere hundert Mal pro Tag unbewusst ins Gesicht. Regelmäßiges Händewaschen hilft daher, die Infektion nicht auf andere Körperareale oder unsere Mitmenschen zu übertragen.
Apropos Hygiene: Das Virus ist hochansteckend – bis die Wunde vollständig mit Schorf gedeckt ist. Gläser, Besteck und Handtücher sollten während einer akuten Infektion deshalb auf keinen Fall mit anderen geteilt werden.

Arzt aufsuchen

Außerdem gilt: Auch wenn es juckt und einem in den Fingern kribbelt: Hände weg vom Herpes! Das Virus kann auf andere Körperteile übertragen werden, mit teilweise gefährlichen Folgen. Sind zum Beispiel die Augen betroffen, droht die Gefahr, das Augenlicht zu verlieren. Nicht nur hier besteht dringender Handlungsbedarf:

"Der Patient sollte in jedem Fall einen Arzt aufsuchen, wenn er weiß, dass sein Immunsystem langfristig geschwächt ist oder wenn er sieht, dass der Lippenherpes auf umliegende Körperareale umgreift. Auch wenn er zum Beispiel eine schwere Neurodermitis hat, weil auch hier sich der Herpesvirus auf die geschwächte Haut setzen kann."

PD Dr. med. Gerd Gauglitz, Dermatologe, LMU, München

Aber auch Säuglinge, Schwangere oder ältere Menschen sind bei Herpes ein Fall für den Dermatologen. Auch bei ungewöhnlichem Verlauf, ständig wiederkehrender Herpeserkrankung oder Komplikationen wie Lähmungserscheinungen im Gesicht sollten Betroffene zum Arzt.

Sonderfall – Tablettentherapie

Gegebenenfalls muss eine Herpes-Infektion dann nicht nur lokal, sondern auch systemisch behandelt werden. Das ist vor allem bei Patienten mit schweren und häufigen Rezidiven der Fall oder auch bei Menschen mit Immunschwäche. Hier werden die Virostatika oral – das heißt in Form von Tabletten – eingenommen.

Gibt es bald eine Impfung?

Impfung gegen Lippenherpes bald in Sicht?

Es wird an einem Impfstoff geforscht. Im Tierversuch hat sich ein Wirkstoff bereits bewährt. Allerdings ist man noch nicht so weit, einen entsprechenden Impfstoff für den Menschen auf den Markt zu bringen. Derzeit steht also noch kein entsprechendes Präparat zur Verfügung.


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