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Schmerzmittel in der Hausapotheke Welches Medikament ist das Richtige?

Medikamente gegen Schmerzen gibt es viele. Die bekanntesten Wirkstoffe sind Acetylsalicylsäure (ASS), Paracetamol und Ibuprofen. Doch Schmerzmittel ist nicht gleich Schmerzmittel! Je nach Art des Schmerzes hilft das eine besser als das andere. Und: Nebenwirkungen gibt es auch.

Von: Andrea Feilen

Stand: 10.01.2012

Sprudelnde Aspirintablette | Bild: picture-alliance/dpa

Acetylsalicylsäure, Ibuprofen und Paracetamol sind beliebte Wirkstoffe, um mäßige Schmerzen zu lindern. Aber es kann Gründe geben, eine dieser Substanzen zu bevorzugen.

Wann was einnehmen?

Wer bei akuten Schmerzen zu rezeptfreien Medikamenten (wie ASS, Ibuprofen oder Paracetamol) greift, sollte wissen, dass nicht jeder Wirkstoff gleich gut geeignet ist, um die Beschwerden zu lindern. Es kommt auf Art und Ursache der Schmerzen und ebenso auf Alter und Vorgeschichte des Patienten an.

ASS ist nicht immer das Mittel der besten Wahl

Egal, ob der Kopf wehtut, der Rücken schmerzt oder die Regelblutung Beschwerden verursacht. Gegen akute Schmerzen kann ein rezeptfreies Medikament aus der Hausapotheke helfen. Die meisten Leidgeplagten greifen zum Klassiker Acetylsalicylsäure, kurz ASS. Immerhin ist das Mittel schon über 100 Jahre auf dem Markt und seine Wirkungen sowie Nebenwirkungen sind überliefert.

Doch Vorsicht! Der Apotheker Maximilian Mikli weiß, dass Acetylsalicylsäure zwar für die meisten, aber eben nicht für alle Patienten geeignet ist:

"Kinder unter zwölf Jahre und Schwangere dürfen auf keinen Fall ASS erhalten. Auch älteren Patienten raten wir von ASS wegen der blutverdünnenden Wirkung ab. Bei Zahnschmerzen ist ASS ebenfalls nicht zu empfehlen. Denn bei einem eventuell notwendigen Eingriff kann die Blutungsgefahr problematisch werden."

Maximilian Mikli, Apotheker

Die erhöhte Blutungsneigung kann nach Einnahme von ASS sogar bis zu drei Tagen anhalten. Außerdem schlägt der Wirkstoff ASS bei längerer und regelmäßiger Einnahme auf den Magen. ASS kann Blutungen und Geschwüre auslösen. Azetylsalizylsäure ist also heute nicht in jedem Fall das Schmerzmittel der besten Wahl.

Auch die Wirkstoffe Ibuprofen und Paracetamol sind ohne Rezept in der Apotheke erhältlich und wirken zuverlässig gegen Schmerzen. Doch aus welchen Gründen sollte ein Patient eine bestimmte Substanz bevorzugen?

Achtung, ASS-Intoleranz

Menschen mit ASS-Intoleranz reagieren allergisch auf Acetylsalicylsäure (ASS). Bei ihnen kann ASS Entzündungen der oberen und unteren Atemwege, der Magen- und Darmschleimhaut sowie der Haut auslösen, zum Beispiel auch Asthma und Nasen-Polypen. Behandelt wird die ASS-Intoleranz in drei Schritten: Zuerst einer Nasenpflege kombiniert mit einem leichten Cortisonspray. Dann einer Operation, bei der die Nasenwand begradigt wird sowie der Zugang zu den Nasennebenhöhlen, der Kiefer- und der Stirnhöhle geöffnet wird. Zuletzt kommt eine Desensibilisierung, bei der die tägliche Einnahme von Aspirin langfristig von 5 auf 300 Milligramm erhöht wird.

Eine salicylsäurearme Ernährung bringt dagegen eher wenig Besserung. Das hat eine Studie der Universitätsklinik Erlangen ergeben. Salicylsäure ist in vielen Fertiggerichten und Lebensmittel enthalten, beispielsweise in Ananas, Erdbeeren, Marmelade, Tomaten, Zuccini, Rettich und Radieschen.

Mit Paracetamol gegen den Schmerz

Paracetamol ist vor allem im Zusammenhang mit Erkältungen und grippalem Infekt beliebt. Es lindert Kopf- und Gliederschmerzen und senkt das Fieber. Paracetamol ist für Kinder und ältere Patienten gut geeignet. Ärzte verordnen es auch in der Schwangerschaft.

Wichtig bei der Einnahme: Auf die exakte Dosierung achten. Denn bei Paracetamol liegen die Menge, die zur vollen Wirkung notwendig ist, und die, ab der es giftig wirkt, sehr nah beieinander. Für Kinder oder Menschen mit gestörter Leber- oder Nierenfunktion kann Paracetamol pures Gift sein, wenn der Wirkstoff nicht exakt dosiert ist. Grundsätzlich gilt: Wer regelmäßig Alkohol trinkt, sollte Paracetamol nicht einnehmen. Auch bei einem Katerkopfschmerz - wenn die Leber noch mit Alkoholabbau beschäftigt ist - ist Paracetamol nicht geeignet.

Weitere Einschränkung: Paracetamol besitzt keine entzündungshemmende Wirkung. Doch gerade Zahnschmerzen und Gelenkbeschwerden gehen oft mit Entzündungsreaktionen einher.

Die dritte Alternative: Ibuprofen

Im Gegensatz zu Paracetamol ist Ibuprofen gut geeignet bei Entzündungen. Es lindert leichte bis mäßig starke Schmerzen und wirkt fiebersenkend. Als Saft oder Zäpfchen hilft Ibuprofen auch Kindern.

Einschränkung: Schwangere sollten lieber auf die Einnahme von Ibuprofen verzichten. Der Grund: Beim Kind kann sich die Hauptverbindung zwischen Haupt- und Lungenschlagader vorzeitig schließen. Das überlastet den Kreislauf des Kindes. Außerdem kann die Schwangere Wasser im Gewebe einlagern (Ödeme). Zudem können die Wehen gehemmt werden und so die Geburt des Kindes verzögern.

Für alle anderen gilt: Das Medikament in möglichst geringer Dosierung anwenden. Bei Erwachsenen beträgt die maximale Tagesration an Ibuprofen 1.200 Milligramm. Mehr dämpft Schmerzen nicht besser und senkt Fieber nicht wesentlich schneller. Belastet aber den Körper zusätzlich. Älteren Menschen genügt sogar noch weniger. Ihr Stoffwechsel arbeitet nicht so schnell. Dadurch behalten sie das Schmerzmittel länger im Körper.

Falsche Versprechungen durch Kombinationspräparate

Manche Präparate kombinieren sogar mehrere Wirkstoffe gegen Schmerzen - wie ASS zusammen mit Paracetamol. Mitunter wird auch Koffein beigesetzt. Ob die Kombinationspräparate besser gegen Schmerzen helfen als die Monopräparate, ist nicht immer wissenschaftlich belegt.

"Die Kombination verschiedener Schmerzmittel wirkt nicht besser schmerzstillend als ein Einzelmittel. Sie können aber das Risiko für unerwünschte Nebenwirkungen steigern. Manchen Migräne-Patienten hilft die Kombination mit Koffein. Bei allen anderen akuten Schmerzen ist die Kombination mit Koffein überflüssig. Sie verbessern die Wirksamkeit kaum. Vielmehr kann die belebende Wirkung des Koffein dazu verleiten, das Mittel länger als notwenig einzunehmen. Es besteht Suchtgefahr! Und beim Koffein-Entzug drohen wieder Kopfschmerzen - ein Teufelskreis, der fast nur bei Kombinationspräparaten beobachtet wird."

Maximilian Mikli, Apotheker

Tipps für die Selbstbehandlung

Ob Azetylsalizylsäure, Paracetamol oder Ibuprofen: Grundsätzlich gelten bei allen drei Präparaten gleich hohe Risiken wie Störung der Nierenfunktion oder allergische Reaktionen. Trotzdem: Im Vergleich mit Azetylsalizylsäure und Paracetamol zeigt Ibuprofen weniger Nebenwirkungen in Magen und Darm und bei der Blutgerinnung.

Grundsätzlich gilt::

  • Mittel mit nur einem Wirkstoff sind immer besser als Kombinationspräparate.
  • Von Schmerzmitteln, die zusätzlich belebend wirkendes Koffein enthalten, ist abzuraten.
  • Um Magen-Darm Beschwerden zu vermeiden, sollte man Schmerzmittel gemeinsam mit Nahrung einnehmen.
  • Rezeptfreie Schmerzmittel in Eigenregie nur über drei, maximal vier Tage hinweg anwenden. Die dauerhafte Einnahme kann abhängig machen.
  • Tabletten immer mit viel Wasser schlucken. Vor allem bei ASS sind Brausetabletten empfehlenswert, weil der Wirkstoff dann nicht so konzentriert in den Magen gelangt. Außerdem wirken Brausetabletten am schnellsten.

Noch ein Tipp: Sollten Ihre Schmerzen länger als drei Tage andauern, oder benötigen Sie öfter als zehn Tage im Monat Schmerzmittel, dann sollten Sie in jedem Fall einen Arzt zu Rate ziehen.

Alternativen gegen Schmerzen

Es geht aber auch anders. Gegen leichte Beschwerden können einfache Mittel aus der Naturheilkunde helfen. So kann ein Spaziergang an der frischen Luft oder Ruhe in einem dunklen Raum die Kopfschmerzen lindern. Gegen Kopfschmerzen hat sich auch das Einreiben der Schläfen mit Franzbranntwein oder Pfefferminzöl bewährt. Gegen Zahnschmerzen helfen kalte Umschlage. Wer unter Regelschmerzen leidet, kann es als Alternative zum Schmerzmittel mit einem heißen Bad oder einer Wärmflasche versuchen. Vielleicht schaffen Sie es sogar, mit einer dieser Alternativen Ihre übliche Schmerzmitteldosis zu senken? In diesem Sinne: Schmerz lass nach und Gute Besserung.


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