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Mythos Müsli Fett und Zucker in Fertigmüslis

Nüsse, getrocknetes Obst, Hafer- oder Dinkelflocken – das Müsli ist der Inbegriff gesunder Ernährung. Doch stimmt das wirklich? Gesundheit! nimmt Müsli-Mischungen unter die Lupe – von manchen sollte man lieber die Finger lassen.

Von: Katrin Frink

Stand: 03.03.2016

Müsli ist sehr beliebt zum Frühstück oder als Zwischenmahlzeit. Es liefert Kohlenhydrate, Vitamine, Mineral- und Ballaststoffe. Doch es ist gar nicht so einfach, ein gesundes Müsli zu finden. In den Supermarktregalen finden sich vermehrt Fertigmüslis, in denen sich neben gesunden Haferflocken Kalorienbomben verstecken, die nicht immer sofort erkennbar sind. Was gehört in ein gesundes Müsli, was besser nicht?

Zu viel Zucker in Fertigmüslis

Vielen Fertigmüslis wird Zucker zugesetzt. Das Problem daran: Zucker liefert zwar schnell Energie, lässt aber den Blutzuckerspiegel rapide wieder sinken. Nach kurzer Zeit kommt der Hunger wieder. So stecken zum Beispiel in 100 g vieler Früchte-Müslis im Schnitt 36 g Zucker, das sind 12 Stück Würfelzucker. Eine Heißhungerattacke ist programmiert. Die Ernährungsberaterin Susanne Demmeler rät, vor dem Kauf immer auf die Zutatenliste schauen.

"Nachdem mittlerweile jeder weiß, dass Zucker gemieden werden sollte, gibt es Tricks auf den Etiketten, wie man Zucker verschleiern kann. Was man wissen sollte als Verbraucher: Hinter Begriffen, die auf -ose enden, versteckt sich Zucker."

Susanne Demmeler, Ernährungsberaterin, München

Zum Beispiel Dextrose, Glucose, Fruktose, Saccharose, aber auch hinter Namen wie Invertzuckersirup, Gerstenmalzextrakt oder Maltodextrin verbirgt sich Zucker. Auf der Verpackung steht genau, wie viel Zucker pro 100 Gramm enthalten ist. 

Crunch-Müslis enthalten sehr viel Fett

Ein weiteres Problem: zu viel Fett. So werden alle Knuspermüslis in Fett gebacken, damit sie zusammenkleben und knusprig schmecken.

"Gerade in Crunch-Müslis steckt zu viel Fett. Grob gesehen ist alles, was knackt oder knusprig ist und es sich nicht um Nüsse oder Kerne handelt, ein Indiz dafür, dass viel Fett drin steckt."

Susanne Demmeler, Ernährungsberaterin, München

Sind Light-Müslis sinnvoll?

Wer Zucker und Fett einsparen möchte, für den erscheinen die Light-Müslis in den Regalen ideal. Hier gibt es Angebote mit 30 Prozent weniger Fett und 30 Prozent weniger Zucker. Hauptsächlich handelt es sich um reduzierte Knusper- oder Schokoladenmüslis. Aber ist das sinnvoll?  Gesundheit hat sich drei Schokoladenmüslis von einem Hersteller angeschaut: ein normales Schokomüsli, ein Schokomüsli mit 30 Prozent weniger Zucker und ein Schokomüsli mit 30 Prozent weniger Fett. Der Blick auf die Kalorientabelle erstaunt. 

Das normale Schokoladenmüsli hat 406 kcal/100 Gramm. Das Light-Müsli mit 30 Prozent weniger Zucker 398 kcal/100 Gramm und das Light-Müsli  mit 30 Prozent weniger Fett 409 kcal, sogar mehr Kalorien als im Original. Die Werte sind fast identisch.

"Bei fettreduzierten Artikeln ist es in der Regel so, dass der Zuckeranteil dann sogar steigt. Bei zuckerreduzierten Produkten werden einfach andere Mehrfachzucker verwendet oder auch Zuckeraustauschstoffe, was aber nicht gleichzeitig bedeutet, dass man tatsächlich Kalorien spart."

Susanne Demmeler, Ernährungsberaterin, München

Was gehört in ein gesundes Müsli?

Besonders beliebt sind Haferflocken.

Die wichtigste Zutat im Müsli sind Getreideflocken. Besonders beliebt sind  Haferflocken. Sie enthalten viele Kohlenhydrate, Eiweiß, ungesättigte Fettsäuren, Ballaststoffe, Vitamine, Zink, Eisen und Calcium. Auch Flocken aus Gerste, Roggen oder Dinkel gibt es zu kaufen. Wichtig ist: Es sollte Vollkorn auf der Verpackung oder in der Zutatenliste stehen. Nur dann sind die wertvollen Stoffe auch enthalten, weil die Randschicht des vollen Korns und der Keimling noch existieren. Bei gepufftem Getreide hingegen wird die Schale vom Korn entfernt. Vitamine und Ballaststoffe gehen so verloren.

Eine weitere gesunde Zutat: Nüsse und Samen. Nüsse sind zwar kalorienreich, machen aber lange satt und enthalten viel Eiweiß, Kalium, Eisen und ungesättigte Fettsäuren. Für viele ein Muss: Früchte. Doch hier stellt sich die Frage, Trockenobst oder Frischobst? Nach dem Trocknen enthalten die Früchte noch wertvolle Mineralien, wie Kalium, Phosphor und Vitamine. Das Vitamin C geht allerdings beim Trocknen teilweise verloren. Und Trockenobst ist nicht gleich Trockenobst: Einige Hersteller zuckern es zusätzlich. Ein Blick auf die Zutatenliste hilft, dort ist vermerkt, wenn das Trockenobst gezuckert beziehungsweise kandiert wurde. Frisches Obst hat ganz klar die Nase vorn, rät die Ernährungsberaterin Susanne Demmeler.

"Im frischen Obst sind alle wichtigen Bestandteile, und es hat mehr Wassergehalt, was dann auch, für viele interessant, eine Möglichkeit ist, Kalorien zu sparen."

Susanne Demmeler, Ernährungsberaterin, München

Ein Beispiel: Rosinen sind besonders zuckrig und enthalten viermal so viele Kalorien wie das natürliche Produkt, die Trauben.

Wie viel darf ich essen?

Lieber Beeren statt Bananen

Einige  Hersteller geben auf den Verpackungen winzige Portionsgrößen an: zum Beispiel 40 g Müsli und 60 ml fettarme Milch. Das sind gerade mal 3 bis 4 Esslöffel Müsli.  So rechnen sie die Kalorienangaben klein. Der Verbraucher wird in die Irre geführt, denn diese Portionsgröße ist unrealistisch. Ein bisschen mehr darf es schon sein. Wer auf die Gesamtkalorien schaut, für den hat Susanne Demmeler noch einen Tipp: 

"Ich würde mich beim Müsli etwas zurückhalten, 3 bis 5 Esslöffel Müsli, aber dafür reichlich gesundes Beiwerk, das kalorienarm ist. Naturjoghurt, Quark, frisches Obst und dann am besten zuckerarme Arten. Nicht die Banane, Ananas oder Mango, sondern lieber Beeren, Apfel oder Zitrusfrüchte."

Susanne Demmeler, Ernährungsberaterin, München

Denn letztendlich nimmt man ab, wenn der Energieverbrauch dauerhaft über der Energiezufuhr liegt. Ein gesundes Müsli kann beim Abnehmen unterstützen.

Am besten selber mischen

Im Reformhaus oder im Supermarkt kann man auch die einzelnen Zutaten kaufen und sich sein Müsli nach eigenem Geschmack zusammenmischen. Viel teurer ist das, natürlich je nach Zutaten, auch nicht. Das Beste: So weiß man wirklich, was drin steckt.


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