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Schlafprobleme Schlafstörungen: Eine Frage der Einstellung?

Den richtigen Schlaf finden, für viele ist das ein Wunschtraum. Etwa jeder Zehnte in Deutschland leidet an ernsthaften Schlafproblemen. Rund 90 verschiedene Erkrankungen - psychische und physische - kommen als Grund in Frage. Den im Einzelfall herauszufinden ist keine leichte Aufgabe.

Von: Katharina Kerzdörfer

Stand: 24.10.2016

Die Ursache der Schlafstörungen festzustellen ist wichtig, um die richtige Therapie beginnen zu können. Professor Thomas Pollmächer vom Klinikum Ingolstadt beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema Schlafstörungen.

"Der eine Block sind psychiatrische Erkrankungen, die Schlafstörungen verursachen, insbesondere Angststörungen und Depressionen. Der zweite Block sind die nächtlichen Atemstörungen, die von Patienten aus gesehen, weniger zur nächtlichen Störung des Schlafes, als zu erhöhter Tagesmüdigkeit führen und zur Gruppe mit erhöhter Tagesmüdigkeit gehört dann natürlich auch die Narkolepsie und schließlich gibt es einen kleineren Teil von Patienten, die eine genuine Ein- und Durchschlafstörung haben, die man dann als primäre Insomnie bezeichnet."

Prof. Dr. med. Thomas Pollmächer, Somnologe, Zentrum für psychische Gesundheit, Klinikum Ingolstadt

Schlafstörungen: Untersuchung im Schlaflabor

Schlafprobleme: Eine Untersuchung im Schlaflabor kann helfen, die Ursachen zu finden.

Experten raten dann einen Arzt aufzusuchen, wenn die Schlafprobleme über mehrere Wochen andauern und sie die Leistungsfähigkeit wie zum Beispiel die Konzentration negativ beeinflussen. Der Weg zum Hausarzt kann dann sinnvoll sein.
Bei schwereren Problemen verweisen Ärzte an Schlaflabore. Dort können wichtige Hinweise über die Gründe der Schlaflosigkeit herausgefunden werden. Die Experten können so sehen, ob körperliche oder vielleicht eher psychische Ursachen vorliegen.

Körperliche Ursache: Narkolepsie

Schlafprobleme: Die Wachphasen während der Nacht sind grün gekennzeichnet.

Die Narkolepsie ist eine nicht-heilbare, neurologische Erkrankung. Experten gehen davon aus, dass es sich um eine Autoimmunerkrankung handelt. Nach den Angaben der Deutschen Narkolepsie-Gesellschaft sind hierzulande etwa 40.000 Menschen betroffen, wobei die Dunkelziffer hoch ist. Nicht selten wird die Krankheit erst spät erkannt, weil sie selten ist. Narkolepsie-Patienten schlafen nachts in der Regel schlecht und haben eine hohe Tagesschläfrigkeit. Ein Hauptsymptom sind so genannte Kataplexien, die häufig bei emotionalen Reaktionen, wie Lachen ausgelöst werden können. Dabei handelt es sich um den vorübergehenden Verlust der Muskelspannung.  

Mithilfe von Medikamenten können viele Patienten ihren Alltag gut bewältigen. Das klappt aber nicht bei allen Narkolepsie-Patienten.

"Bei 80 Prozent der Patienten erreicht man mit einer vernünftigen leitliniengerechten Therapie eine gute Lebensqualität, die Möglichkeiten der Teilnahme am Arbeitsleben etc. Bei etwa 20 Prozent der Patienten kann das dauerhaft  nicht wieder hergestellt werden, selbst unter Anwendung aller zur Verfügung stehenden therapeutischen Mittel."

Prof. Dr. med. Thomas Pollmächer, Somnologe, Zentrum für psychische Gesundheit, Klinikum Ingolstadt

Schlafschule und Insomniegruppen

Nicht immer ist eine medikamentöse Therapie das Richtige. Oft ist der Weg, das eigene Verhalten zu ändern und neue Handlungen zu erlernen, wie es Patienten bei Psychologin Andrea Zahl am Zentrum für psychische Gesundheit lernen können; zum Beispiel dann, wenn Depressionen die Schlafstörungen auslösen. Grundsätzlich gibt es aber auch die Möglichkeit, dass eine Insomnie Schlafprobleme verursacht.

"Natürlich soll sich der Schlaf verbessern, auch objektiv, was er meist auch tut, aber vielleicht nicht unbedingt in dem Ausmaß, das sich viele Patienten wünschen. Da ist es dann letzten Endes wirklich so, dass die Patienten einen anderen Umgang mit dem Schlaf erlernen, dass sie eine andere Selbstwahrnehmung bekommen und der Schlafstörung deutlich weniger Bedeutung zumessen."

Andrea Zahl, Psychologin, Zentrum für psychische Gesundheit, Klinikum Ingolstadt

Generelle Einschlaftipps

Vor dem Schlafengehen:

Am besten nicht zu lange das Handy oder Tablet benutzen, denn das blaue Licht hält wach.

Immer dann aufstehen, ...

... wenn man anfängt, sich über das „Nicht-Schlafen-Können“ zu ärgern. Am besten eine nicht allzu aktivierende Tätigkeit ausüben, zum Beispiel ein Buch lesen oder ein Kreuzworträtsel lösen. 

Außerdem kann helfen, ...

... jeden Morgen (auch am Wochenende) zur gleichen Zeit aufzustehen.


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