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Restless Legs Syndrom Mehr als harmloses Zucken in den Beinen

In Deutschland leben schätzungsweise bis zu zehn Prozent mit dem Restless Legs Syndrom, kurz RLS. Die Ursachen dieser neurologischen Erkrankung sind noch nicht vollständig geklärt. Obwohl RLS nicht selten ist, vergehen manchmal Jahre, bis Patienten die richtige Diagnose erhalten.

Von: Katharina Kerzdörfer

Stand: 21.01.2017

Bei vielen Patienten gehen die Beschwerden abends los, vor dem Schlafengehen. Betroffene beschreiben sie als Ziehen, Brennen oder auch sehr unangenehme Schmerzen.

RLS: Schlafstörung durch Probleme in der Nacht

Erst durch Bewegung werden die Beschwerden besser. Nachts haben die Patienten in der Regel periodische Beinbewegungen, die den Schlaf negativ beeinflussen können. Das alles ist typisch für Menschen, die am Restless Legs Syndrom erkrankt sind; auch „unruhige Beine“ genannt.

An der Universität Regensburg behandelt Professor Thomas-Christian Wetter viele Patienten mit RLS. Dass sie Schlafprobleme wegen der abendlichen Beschwerden haben, ist die Regel. Aber nicht immer sind die Symptome eindeutig.

"Die Diagnose wird vornehmlich durch das Gespräch mit dem Patienten gestellt. Also eine klinische Diagnose. Bei manchen Patienten ist die Diagnose klar und ergibt sich aus den Schilderungen des Patienten. Bei anderen Patienten kann es sehr viel schwieriger sein, weil sich die Symptome mit anderen Krankheitsbildern überlappen. Da muss man nochmal genauer nachfragen und möglicherweise zusätzliche Untersuchungen durchführen, da kommen vor allem Laboruntersuchungen in Frage."

Prof. Dr. med. Thomas-Christian Wetter, medbo-Somnologe, Universität Regensburg

In manchen Fällen ist auch eine ausführliche Untersuchung im Schlaflabor nötig, um die richtige Diagnose stellen zu können.

Restless Legs Syndrom: Ursachen bislang nicht geklärt

Restless Legs Syndrom: Ziehen, Brennen oder Schmerzen in den Beinen

Grundsätzlich geht man davon aus, dass der Stoffwechsel des Botenstoffs Dopamin gestört ist. Auch eine genetische Veranlagung spielt eine Rolle oder andere Grunderkrankungen, zum Beispiel eine Niereninsuffizienz oder ein Eisenmangel. Nicht zuletzt können verschiedene Medikamente das Restless Legs Syndrom auslösen.

RLS: Therapie nicht immer Medikamente

RLS, Restless Legs Syndrom: Medikamente sind nicht immer die geeignete Therapie.

Nur wenn Patienten regelmäßig an „unruhigen Beinen“ leiden und einen großen Leidensdruck haben, raten Experten zu Tabletten.

"Zur medikamentösen Behandlung raten wir nur dann, wenn das RLS sehr schwer ausgeprägt ist, häufig auftritt und ein ausgeprägter Leidensdruck da ist. Hier wirken Substanzen sehr gut, die in den Dopaminhaushalt eingreifen und zu einer deutlichen Symptomlinderung führen. Wir müssen aber auch immer bedenken, dass das RLS durch eine Grunderkrankung mitbedingt sein kann, zum Beispiel Eisenmangel. Und hier ist die Substitution mit Eisen ganz wichtig."

Prof. Dr. med. Thomas-Christian Wetter, medbo-Somnologe, Universität Regensburg

Besonders schwer erkrankten Menschen können Opioide helfen. Aber hier besteht ein gewisses Suchtpotenzial.

Restless Legs: Schlafhygiene nicht unterschätzen

Es gibt aber auch viele nicht-medikamentöse Therapien. Zum Beispiel eine konsequente Schlafhygiene; das sind Maßnahmen, die allen Menschen mit Schlafproblemen helfen können:

Schlafhygiene für RLS-Patienten:

  • Vor dem Schlafengehen sollten Patienten nicht mehr lange auf das Handy oder Tablet sehen. Denn das blaue Licht hält wach.
  • Das Schlafzimmer sollte ruhig liegen und ein Fernseher ist tabu.
  • Außerdem hilft ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus. Also an jedem Morgen, auch am Wochenende, sollte der Wecker zur gleichen Zeit klingeln.

Restless Legs: Was hilft noch?

RLS: Es gibt weitere, nicht-medikamentöse Therapien, die weniger schwer Betroffenen helfen können; oder auch bei den Patienten unterstützend wirken, die wegen RLS Medikamente einnehmen müssen.

"Nicht-medikamentöse hilfreiche Maßnahmen sind Bewegung, sind Dehnübungen, sind leichte Spaziergänge, sind Weglassen von Substanzen wie beispielsweise Koffein, Alkohol oder Tabak."

Prof. Dr. med. Thomas-Christian Wetter, medbo-Somnologe, Universität Regensburg


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