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Wirkstoffpflaster Medizin zum Kleben: Was muss man beachten?

Auf Arm, Bauch oder Rücken kleben – fertig. Pflaster mit Arzneistoffen oder lokal wirksamen Inhaltsstoffen sind durchaus praktisch. Ob Herpes-Patch, Wärme- oder Hormonpflaster – die Anwendungsgebiete sind vielfältig. Pflaster haben ein sanftes Image; aber stimmt das auch? Und was muss man bei der Anwendung beachten? "Gesundheit!" gibt Tipps rund ums "richtige Kleben".

Von: Julia Richter

Stand: 10.02.2016

Welche Pflastertypen gibt es? Viele frei verkäufliche Pflaster wirken lokal, das heißt, sie enthalten keinen richtigen Arzneistoff, sondern örtlich wirksame Inhaltsstoffe oder sie wirken aufgrund der Materialeigenschaft. Daneben gibt es richtige Arzneipflaster, die wie Medikamente wirken.

Lokal wirksame Pflaster

Lokal wirksame Pflaster gibt es für unterschiedliche Zwecke – für Wunden oder für Schmerzen.

Pflaster, die die feuchte Wundheilung fördern

Nach diesem Prinzip funktionieren die transparenten kleinen Herpes-Pflaster. Helfen die?

"Diese Pflaster haben einen Hydrokolloid-Kern, der speichert Flüssigkeit oder gibt die Flüssigkeit wieder ab, wenn es notwendig ist, die stellen dem Körper also das optimale Milieu zur Verfügung, bei dem Wundheilungs- und Regenerationsvorgänge ablaufen können. Und dadurch hat man speziell auf die Herpesinfektion bezogen den Vorteil, dass die Wunden schneller abheilen, als wenn man es offen lässt."

Dr. med. Till Geimer, Dermatologe und Experte für Wundheilung an der LMU, München

Einen antiviralen Wirkstoff beinhalten diese Pflaster also nicht.
Wichtig dabei:

  • Nicht Pflaster und Herpescreme parallel benutzen.
  • Das Pflaster so lange drauflassen, bis es sich von selbst ablöst.

Im Alltag ist so ein Herpes-Patch durchaus praktisch, weil es die Wunde schützt und schmerzlindernd wirkt. Ähnlich funktioniert das bei unangenehmen Blasen – auch hier unterstützen Hydrokolloid-Pflaster die Wundheilung. Und auch hier gilt: Auf keinen Fall vorzeitig entfernen.

Frei verkäufliche Schmerzpflaster

Manfred Wimmer schwört auf die klassischen Wärmepflaster, wenn ihm der Rücken weh tut. Der 67-Jährige ist sehr aktiv und sportlich. Hat er mal wieder zu viel gemacht, sind Wärme-Pflaster für ihn eine gute Alternative zu Tabletten und Creme.

"Mit zunehmendem Alter passiert es natürlich schon einmal, dass man sich ein bisschen verzwickt am Kreuz. Dann zwickt es einmal hier, dann zwickt es einmal da. Ich muss sagen, ich nehme die Pflaster sehr gerne, weil sie einfach nicht so störend sind wie z. B. eine Wärmflasche, wenn man sich die ins Bett reinlegt. Man kann die Pflaster acht Stunden lang drauf haben und hat eine angenehme Wärme. Man geht ja nicht wegen jedem Ziehen gleich zum Arzt."

Manfred Wimmer

Wärmepflaster können einem verspannten Rücken wohltun.

Das klassische Wärmepflaster enthält Capsaicin - also Cayennepfeffer-Extrakt. Es fördert die Durchblutung der Haut und hat eine schmerzstillende Wirkung. Vier bis maximal zwölf Stunden sollte es aufgeklebt bleiben.
Wichtig: Nach dem Aufkleben unbedingt Hände waschen! Apotheker Dr. Peter Sandmann rät:

"Das brennt ganz schön, dieses Capsaicin-Pflaster, deswegen muss man natürlich aufpassen, dass man nicht noch zusätzliche Wärme einbringt, also keine Sauna oder Badewanne oder Ähnliches. Was auch passieren kann, ist, dass man leicht allergisch entweder auf den Kleber oder die Substanz reagiert. Dann fängt das Jucken an und dann bitte sofort das Pflaster runter machen."

Dr. Peter Sandmann, Apotheker, München

Vorteile von lokal wirksamen Pflastern

Andere lokale Schmerz-Pflaster enthalten entzündungshemmende Wirkstoffe – wie Diclofenac. Sie können zum Beispiel bei Sportverletzungen oder Überlastung helfen. Der Vorteil gegenüber Tabletten: Sie wirken örtlich begrenzt, haben weniger Nebenwirkungen. Im Gegensatz zur Creme halten sie jedoch meist deutlich länger.

Arzneipflaster

Grundsätzlich werden bei den Arznei- oder transdermalen Pflastern zwei Techniken unterschieden, das Matrix- und das Membranpflaster. Am häufigsten sind heutzutage die Matrixpflaster mit Wirkstoff. Die meisten dieser Pflaster sind verschreibungspflichtig, bis auf die Nikotinpflaster.

Anwendungen Arzneipflaster

Sie werden unter anderem eingesetzt:

  • gegen Reisekrankheit,
  • in der Alzheimerbehandlung
  • bei starken Schmerzen
  • zur Hormonbehandlung
  • gegen Angina Pectoris
  • bei Parkinsonerkrankungen

Der Wirkstoff gelangt in den gesamten Blutkreislauf – wirkt also überall.

Im Kern besteht so ein Pflaster aus einer Haftschicht, der Wirkstoff-Matrix mit dem Arzneistoff und einer Rückschicht. Der Wirkstoff gelangt in kontrollierten Mengen aus der Matrix über die Hautoberfläche in die tieferen Hautschichten, wird von den Blutgefäßen aufgenommen und an den gesamten Blutkreislauf abgegeben. Er wirkt also im ganzen Körper, nicht nur örtlich.

Arzneipflaster – nicht alle Wirkstoffe sind geeignet

Bisher sind etwa 20 Arzneistoffe bekannt, die überhaupt als transdermales Pflastersystem zu verabreichen sind. Die Wirkstoffe müssen von der Molekülgröße her sehr klein, hochpotent und fettlöslich sein, damit sie transdermal, also über die Haut, aufgenommen werden können. Das erklärt, warum es nicht möglich ist, z. B. Impfstoffe oder Insulin per Pflaster zu verabreichen.

Nikotinpflaster zur Rauchentwöhnung

Nikotinpflaster – Hoffnung für starke Raucher.

Ihm hat es geholfen, mit dem Rauchen aufzuhören: Detlef Oelrich war starker Suchtraucher – bis zu 30 Zigaretten hat er am Tag gequalmt. Ein Leben ohne Zigaretten war für ihn lange unvorstellbar.

"Mit dem Pflaster habe ich eigentlich positive Erfahrungen gemacht. Nachdem ich es beim ersten Mal ohne probiert habe, also nur mit reinem Willen, aber das ging überhaupt nicht gut, weil man ja dieses Suchtverlangen hat. Und mit dem Pflaster hat es insofern gut funktioniert, dass dieses Suchtverhalten nach acht bis zehn Tagen abgestellt war. Also man hat wirklich nicht mehr morgens das Gefühl gehabt, ich muss erst mal zur Zigarettenschachtel laufen und eine rauchen, das war komplett weg."

Detlef Oelrich

Nikotin-Pflaster gibt es in unterschiedlichen Konzentrationen. Sie sind vor allem für starke Raucher gedacht, um einen regelmäßigen Nikotinspiegel zu erreichen. Für Gelegenheitsraucher werden sie nicht empfohlen, hier können Kaugummis sinnvoller sein.

Verschreibungspflichtige Schmerzpflaster

Dabei handelt es sich um Opiate – in unterschiedlichen Stärken. Sie sind zum Teil bis zu 100 Mal stärker als Morphium und werden bei sehr starken Schmerzen verschrieben. Der bekannteste Wirkstoff ist Fentanyl. Das Problem: Mögliche Nebenwirkungen, wie Benommenheit oder sogar Atemstillstand, werden von vielen unterschätzt.

Auf keinen Fall unterschätzen!

"Das ist eine große Gefahr bei den Pflastern, dass viele – teilweise ja sogar Kollegen – denken, das wäre etwas Harmloses, weil es ja über die Haut appliziert wird und da kann ja nicht so viel passieren. Das ist eben ein großer Irrtum. Das sind hochwirksame Medikamente! Und natürlich entstehen eben die klassischen Nebenwirkungen gerade auch bei den Pflastersystemen durchaus stark - je nach Wirkstärke."

Dr. med. Wolfang Luppa, Schmerzexperte, München

Vorteile der Arzneipflaster

Generell kann ein transdermales Pflaster ein bis maximal sieben Tage auf der Haut bleiben, bis es gewechselt werden muss. Für viele ist es durchaus praktisch, nicht jeden Tag oder gar mehrmals täglich an eine Tablette denken zu müssen.
Geeignet sind Pflaster vor allem für Patienten, die keine Tabletten schlucken können, weil sie z. B. einen trockenen Mund haben oder weil sie es aus medizinischen Gründen nicht mehr können. Auch bei älteren, dementen Patienten, kann das nützlich sein, weil sie ihre Medikamente oft vergessen.

"Die Vorteile von Pflastern sind auf jeden Fall die konstanten Wirkstoffspiegel. Pflaster setzen über einen längeren Zeitraum, also in der Regel einen bis drei Tage den Wirkstoff sehr definiert frei. Und dadurch können diese ups and downs in den Blutspiegeln, wie sie bei Tabletten natürlich immer auftreten, vermieden werden. Ein weiterer Vorteil von einem Pflaster ist, dass das Magen-Darm-System weitgehend umgangen wird und ich dadurch weniger Nebenwirkungen habe - wie z. B. Verstopfung oder Magenbeschwerden oder Müdigkeit."

Dr. med. Peter Sandmann, Apotheker, München

Nachteile der Arzneipflaster

Ihr Vorteil ist auch ihr Nachteil: Denn für akute Fälle sind Pflaster gar nicht geeignet, weil sie zu lange brauchen, um zu wirken. Bis die volle Wirkung einsetzt, dauert es etwa zwölf bis 24 Stunden.
Ein weiter Nachteil: Pflaster können unbemerkt abgehen oder Allergien auslösen.

Wirkstoffplaster: Tipps fürs richtige Kleben

Nicht zerschneiden!

  • Das Pflaster immer vorsichtig herausnehmen – nie zerschneiden, sonst kann die Wirkstoff-Matrix beschädigt werden und die Dosierung stimmt nicht mehr

Haut vorbereiten

  • Die Haut sollte immer sauber, trocken, glatt und haarfrei sein. Aber: Nie direkt vor dem Aufkleben rasieren, weil dadurch die Haut leicht verletzt wird. Immer die in der Packungsbeilage angegebene Stelle zum Aufkleben nutzen, zum Beispiel Rücken oder Oberarm, da sind die Produkte getestet.

Das Anbringen

  • Nachdem die Schutzfolie entfernt wurde, die Klebeschicht nicht berühren.
  • Das Pflaster aufkleben und 30 Sekunden andrücken.

Sonne, Baden und Co.

  • Baden und Duschen sind erlaubt, aber Vorsicht: Zu viel Wärme sorgt für eine schnellere Wirkstoffabgabe. Nie direkt in die Sonne oder ins Solarium gehen mit bestimmten Pflastern.

Hautirritationen

  • Kommt es an einer Stelle zu Hautirritationen – einfach die Seite wechseln.

Entsorgung

  • Starke Schmerzpflaster nicht in den Hausmüll geben, sondern in einer Apotheke abgeben.

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