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Stress, Bauchfett, Diabetes Risiko-Check: Gefahr Metabolisches Syndrom

Zu viel Bauchfett, Bluthochdruck, erhöhte Blutfett- und Blutzuckerwerte. Kommen diese Risikofaktoren zusammen, dann spricht man vom Metabolischen Syndrom. Bisweilen wird es auch „tödliches Quartett“ genannt, denn jedes dieser vier Symptome oder Krankheitsbilder kann die Blutgefäße schädigen und steigert damit die Wahrscheinlichkeit für Herzinfarkt und Schlaganfall. "Gesundheit!" zeigt, wie jeder gegensteuern kann.

Von: Antje Maly-Samiralow

Stand: 18.03.2017

Das Metabolische Syndrom gilt als eine der häufigsten Ursachen für Herzinfarkt und Schlaganfall. Doch so weit muss es nicht kommen, wenn man rechtzeitig vorbeugt.

Das Metabolisches Syndrom, auch "tödliches Quartett" genannt, beschreibt eine Kombination verschiedener Gesundheitsrisiken. Schon jede für sich alleine genommen, kann gefährliche Folgen haben. Das Tückische: Das Metabolische Syndrom wirkt oft wie ein Teufelskreis, wodurch das Risiko für die Gesundheit insgesamt immer bedrohlicher wird.

Metabolisches Syndrom, "tödliches Quartett"

1. Gesundheitsrisiko: Erhöhter Bauchumfang

Für Frauen gilt: bis 80 cm gilt der Bauchumfang als unbedenklich. Darüber wird es schon kritisch, und ab 88 cm ist eindeutig Gefahr in Verzug.

Für Männer gilt: bis 94 cm gilt der Bauch als unproblematisch. Jeder Zentimeter, der darüber hinaus wächst, sollte jedoch die Alarmglocken läuten lassen. Spätestens mit 102 cm Bauchumfang ist das Maß voll. Dann heißt es abspecken und zwar möglichst bald. Denn je länger Mann oder Frau ihren Bauch pflegen, desto größer ist die Gefahr, weitere Krankheitsbilder zu entwickeln.

2. Gesundheitsrisiko: Bluthochdruck

Bluthochdruck kann auf Dauer eine Arteriosklerose nach sich ziehen, das heißt eine krankhafte Veränderung der Gefäßinnenwände. Die sind in der Folge weniger flexibel und werden brüchig. Chronischer Bluthochdruck gilt auch als Ursache für Schädigungen des Herzmuskels und in der Folge für Herzrhythmusstörungen sowie Herzvorhofflimmern.

3. Gesundheitsrisiko: Erhöhte Blutfettwerte

Auch eine chronische Erhöhung der Triglyzeride, bei gleichzeitig erniedrigtem HDL-Cholesterin kann auf Dauer dazu führen, dass  beispielsweise LDL-Cholesterin oxidiert und sich in den Gefäßinnenwänden ablagert, was einer Arteriosklerose weiteren Vorschub leistet.

4. Gesundheitsrisiko: Erhöhte Blutzuckerwerte

Dem Diabetes Typ 2  geht in der Regel eine Insulinresistenz voraus. Dies bedeutet, dass die Körperzellen ihre Insulinsensitivität verloren haben. Die Folgen sind hohe Blutzuckerwerte sowie eine erhöhte Insulinkonzentration.

Für eine bestimmte Zeit kann die Bauchspeicheldrüse durch eine vermehrte Insulinausschüttung die verminderte Sensitivität der Körperzellen ausgleichen, sodass der Blutzucker abgebaut werden kann. Auf Dauer führt eine Insulinresistenz der Zellen zu einem Diabetes mit weitreichenden Folgen für die Gesundheit.

Professor Dr. Günter K. Stalla, Endokrinologe und Diabetologe vom Max-Planck-Insitut für Psychiatrie in München weist darauf hin, dass schon bei den Vorstufen eines Diabetes, bei einem sogenannten Prädiabetes, davon ausgegangen werden muss, dass die Blutgefäße geschädigt werden. Das verschlechtert die Prognose einer Arteriosklerose und steigert im Endeffekt das Risiko für einen Herzinfarkt beziehungsweise einen Schlaganfall.

Risiko viszerales Bauchfett: hoch aktiv und gefährlich

Risiko Bauchumfang: Besonders gefährlich ist das innere, viszerale Bauchfett. Es ist hoch aktiv wie ein Organ.

Als initialer Risikofaktor gilt ein erhöhter Bauchumfang. Bauchfett, das auch als braunes Fett oder viszerales Fett bezeichnet wird, ist deshalb so gefährlich, weil es die im Bauchraum liegenden Organe gewissermaßen verfettet und Störungen im Fett- und Zuckerstoffwechsel verursacht.

"Viszerales Fett ist biologisch hoch aktives Gewebe. Es ist assoziiert mit verschiedenen Erkrankungen wie Krebs, Depressionen, dem Schlafapnoesyndrom sowie chronischen Entzündungen."

Prof. Dr. med. Günter K. Stalla, Endokrinologe und Diabetologe, Max-Planck-Institut für Psychiatrie, München

Metabolisches Syndrom: Lebensstil als Risiko und Chance

Metabolisches Syndrom: Mit Abnehmen vorbeugen

Der Lebensstil ist gewissermaßen Teil des Problems, aber – und das ist die gute Nachricht – auch Teil der Lösung. Wer dauerhaft zu viel isst und sich zu wenig bewegt, setzt konsequenterweise Fett an. Solange sich die Pölsterchen an Beinen oder Po ansammeln beziehungszweise unter der Bauchhaut, also subkutanes- oder Unterhautfettgewebe bilden, ist dies im metabolischen Sinne vernachlässigbar. Als pathologisch relevant und gefährlich gilt Fett, das sich im Bauchraum ansammelt und die inneren Organe verfettet.

Des Weiteren hat Stress einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Entstehung von viszeralem Fett, insbesondere das Stresshormon Cortisol.

"Viele Studien haben uns gezeigt, wenn man den Schlaf verkürzt oder auch schlecht schläft, dass wir eine Zunahme des Stresshormons Cortisol haben, was wiederum die Zunahme des viszeralen Fettes, auch den Anstieg des Blutzuckers nach sich zieht."

Prof. Dr. med. Günter K. Stalla, Endokrinologe und Diabetologe, Max-Planck-Institut für Psychiatrie, München

Nun ist Schlafmangel lediglich eine Ursache für erhöhten Stress und damit einhergehende hohe Cortisolspiegel. Jeder weiß vermutlich für sich und sein Leben betrachtet am besten, in welchen Situationen man ungünstigen Stresssituationen ausgesetzt ist beziehungsweise mit übertriebenen Stressantworten reagiert.

Metabolisches Syndrom: Vorbeugen ist möglich

Wer bereits einen erhöhten Bauchumfang hat, sollte in jedem Fall sein Gewicht reduzieren, damit der Bauchumfang bei Männern unter 94 cm und bei Frauen unter die kritische Marke von 80 cm rutscht.

Lebensstil & Ernährung: Dauerhafte Umstellung bringt den Erfolg

Metabolisches Syndrom: Durch eine dauerhafte Umstellung des Lebensstils lassen sich alle vier Risikobereiche positiv beeinflussen.

Blitzdiäten bringen in der Regel nur kurzfristige Erfolge, die häufig von Rückschlägen – dem sogenannten Jo-Jo-Effekt – zunichte gemacht werden. Wer sein Gesundheitsrisiko langfristig minimieren will, kommt um eine Lebensstiländerung nicht umhin. Die Ernährungsmedizinerin Dr. Monika Pirlet-Gottwald empfiehlt daher, die Ernährung dauerhaft umzustellen.

"Zur Gewichtsreduktion und zur Prävention des Metabolischen Syndroms hat sich eine kohlenhydratärmere Kost bewährt. Es geht hier nicht um eine Diät, sondern es geht um eine kohlenhydratreduzierte Kost, bestehend aus Fleisch, Fisch, Eiern und Milchprodukten mit Beilagen aus Gemüse, Kartoffeln, Reis, aber wenig Getreideprodukten."

Dr. med. Monika Pirlet-Gottwald, München

Lebensstil & Bewegung: Mit Ausdauersport gegen Stress

Metabolisches Syndrom: Moderates Ausdauertraining hilft auch beim Stressabbau.

Ausreichend Bewegung fördert nicht nur den Grundumsatz und damit den Abbau der Fettpölsterchen. Vor allem Ausdauersport ist ein probates Mittel, um Stressspitzen auszugleichen. Wer regelmäßig moderat trainiert, schlägt gewissermaßen mehrere Fliegen mit einer Klappe. Moderat heißt, nicht an seine Leistungsgrenzen zu gehen, sondern bei 60 bis 70 Prozent der individuellen Belastbarkeit zu trainieren. Wer wissen möchte, wo die eigenen Grenzen verlaufen, kann sich in einer kardiologischen Praxis einem Belastungstest unterziehen.

Weiterführende Informationen zum Metabolischen Syndrom:


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