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Kräuter, Tee, Rezepte Frauenkräuter: Hilfe für Frauen in allen Lebenslagen

Auf den Spuren von typischen Frauenheilkräutern macht sich Kräuterfrau Patricia Lipp auf zu einem abgelegenen Hochtal in den Allgäuer Alpen. Hier gibt es ein Dorf, in dem alles noch so ist, wie früher: Gerstruben. Dort findet Patricia Lipp die typischen Frauenkräuter Frauenmantel, Silbermantel, Melisse oder Salbei und zeigt uns traditionelle Anwendungen.

Von: Isabel Hertweck-Stücken

Stand: 24.07.2017

Ein Spaziergang wird das heute nicht, eher eine Bergtour. Kräuterfrau Patricia Lipp will in ein abgelegenes Hochtal in den Allgäuer Alpen, um einen alten Kräutergarten anzuschauen.

"Also mich interessiert’s,  weil meine Vorfahrinnen auch in den Tälern zuhause waren. Da war oft der Arzt bis zu zwei Stunden Fußmarsch entfernt. Sie mussten sich einfach selbst helfen können und hatten deshalb ein sehr fundiertes Kräuterwissen."

Patricia Lipp, Kräuterfrau

Es wird also eine Reise in die Vergangenheit auf den Spuren von typischen Frauenkräutern: Hilfe aus der Natur für Frauen in allen Lebenslagen.

Frauenkräuter: Alpen-Silbermantel für Bindegewebe und Beckenboden

Der Alpen-Silbermantel hat positive Wirkungen auf Bindegewebe und Beckenboden.

Eins findet sich gleich auf dem Weg. Es wächst ab circa 1.000 Metern Höhe. Im Allgäu heißt es, der Alpen-Silbermantel hilft einer Frau, sobald sich die ersten silbernen Fäden in ihrem Haar zeigen. So silbern wie die Unterseite der Blätter.

"Der Alpen-Silbermantel hat ganz viele Gerbstoffe, ganz viele Bitterstoffe, die wirken zusammenziehend. Sie wirken auch auf den Beckenboden der Frauen - es soll ja auch alles gefestigt bleiben."

Patricia Lipp, Kräuterfrau

Nur einige wenige Blätter nimmt Patricia Lipp mit, denn der Alpen-Silbermantel gilt als extrem selten.

Frauenkräuter aus dem Kräutergarten von Gerstruben

Die Bauernhäuser in Gerstruben wurden Ende des 19. Jahrhunderts von ihren Einwohnern verlassen.

Endlich, ein paar anstrengende Höhenmeter später, ist das Ziel in Sicht. Das Hochtal von Gerstruben liegt auf 1.145 Metern Höhe. Hier sollte im Jahr 1892 ein Staudamm gebaut werden. Alle Einwohner verkauften ihre Häuser und verließen das Tal. Aus dem Projekt wurde nichts, aber die Bewohner kamen nicht in das karge Hochtal zurück. Heute kümmert  sich der Verein der Oberstdorfer Rechtler um die alten Bauernhäuser und um einen alten Bauerngarten.

Günther Schweikart hat den Bauerngarten so angelegt, wie er vor 100 Jahren schon ausgesehen haben könnte - um den Besuchern zu zeigen, wie ein typischer Selbstversorger-Garten angelegt war. Neben vielen Nahrungspflanzen finden sich dort auch Kräuter.

Kräuter für Wundheilung und gegen Hitzewallungen

Salbei hilft gegen Hitzewallungen.

Zitronenmelisse ist ein typisches Frauenkraut: Sie soll Leichtigkeit geben in schwierigen Phasen. Patricia Lipp findet auch Salbei, das traditionelle Mittel gegen Hitzewallungen. Und natürlich den Frauenmantel.

"Frauenmantel hat viele pflanzliche Hormone und auch Salizylsäure, verdünnt also auch ein wenig das Blut. Er ist wundheilend - man kann zum Beispiel Sitzbäder machen - absolut ein Frauenkraut."

Patricia Lipp, Kräuterfrau

Nicht nur Viehfutter, sondern auch ein Frauenkraut ist der Rotklee.

Ein weiteres, wichtiges Frauenkraut wächst auf der ehemaligen Viehweide neben dem Haus. Die meisten kennen die Pflanze nur als Viehfutter: den Rotklee. Er enthält Isoflavone, die den Östrogenen ähnlich sind. Diese hormonelle Wirkung kennen Bauern schon lange.

"Jeder Bauer ist froh, wenn er Rotklee in der Wiese hat, weil der auch milchbildend ist."

Patricia Lipp, Kräuterfrau

Der Klee mit den weißen Blüten hat diese Eigenschaft übrigens nicht.

Mehr Ausgeglichenheit mit Frauenkräutern

Aber wie haben die Frauen hier die Kräuter wohl angewendet? Mit welchen Alltagsproblemen und Krankheiten hatten sie zu tun? Wie die ehemaligen Einwohnerinnen von Gerstruben gelebt haben, darüber hat Patricia Lipp schon vieles gehört.

"Es heißt, sie haben die Wechseljahre ganz unkompliziert genommen. Weil sie gewusst haben, was man zur richtigen Zeit tut."

Patricia Lipp, Kräuterfrau

Patricia Lipp genießt einen Frauenkräuter-Tee

Am besten schmeckt Patricia Lipp Tee, wenn er frisch aufgegossen wird. Bevor sie sich an die Abfahrt macht, gießt sie sich eine Tasse aus Kräutern aus dem Kräutergarten und den wilden Kräutern auf, die sie gesammelt hat. Bei der Zusammenstellung  geht sie nach  Gefühl: Je nachdem, was sie in ihrer Lebenslage und Laune gerade braucht, was ihr gerade gut tut.

Bergabfahren tut auch gut, aber für manche Kräuter legt die Kräuterfrau gerne auch eine Vollbremsung hin. Dazu gehört das Zinnkraut, eine Pflanze, die viele auch als Ackerschachtelhalm kennen. Dieses Kraut macht schön. Aber dazu später mehr.

Tee aus Frauenkräutern: „Freude am Wechsel“ und „Mädelstee“

Tee aus Kräutern

Zuhause bereitet Patricia Lipp aus getrockneten Frauenkräutern nach alter Tradition und nach ihren persönlichen Kräutererfahrungen Teemischungen zu. Eine nennt sie zum Beispiel „Freude am Wechsel“

"Freude am Wechsel"-Tee

  • Frauenmantel,
  • Silbermantel,
  • Rotkleeblüten und
  • Salbei

Diese Teemischung hilft gegen Hitzewallungen. Damit der Salbei kühlend wirkt, muss der Tee übrigens unbedingt lauwarm oder kalt getrunken werden. Denn wenn Salbeitee heiß getrunken wird, hat er eher die gegenteilige, also schweißtreibende Wirkung.

Bei ihrer Frauenteemischung nimmt die Kräuterfrau dann nur Frauenmantel und Silbermantel. Beim Mischen ist sie ganz behutsam, denn die trockenen Blätter verlieren beim Zerbrechen viel von ihren ätherischen Ölen. Beim „Mädelstee“ für ihre Töchter kombiniert Patricia Lipp getrockneten Frauenmantel mit frischer Melisse.

"Melisse ist sehr ausgleichend, sie macht sehr glücklich, und gerade die Mädels in der Pubertät versuchen wir ja „auf die Welle“ zu bringen… und da ist die einfach total schön."

Patricia Lipp, Kräuterfrau

"Mädelstee"

  • getrockneter Frauenmantel
  • frische Melisse

Zinnkraut: Frauenkraut zur Schönheitskur

Eine Kur mit diesem Frauenkraut verhilft nicht nur Zinn zu neuem Glanz: das Zinnkraut.

Als letztes, wie versprochen, das Schönheitsrezept mit Zinnkraut. Beim Sammeln sollte man aufpassen, damit man es nicht mit dem Sumpfschachtelhalm verwechselt. Der ist nämlich giftig. Für die Unterscheidung kennt Patricia Lipp einen alten Merkspruch. Den Sumpfschachtelhalm erkennt man daran, „wenn der Bauer den Kürzeren zieht.“

Auch für Bauern ist es wichtig, die Arten unterscheiden zu können, da der Sumpfschachtelhalm sogar noch im Heu das Vieh krank machen kann. Stiel und Seitentriebe der Schachtelhalmgewächse sind in Segmente unterteilt oder ineinander „geschachtelt“. Ein gutes Unterscheidungskriterium zwischen Ackerschachtelhalm und Sumpfschachtelhalm ist ein Vergleich der Länge der Segmente.

Das Frauenkraut Zinnkraut kann leicht mit dem giftigen Sumpfschachtelhalm verwechselt werden.

Beim Ackerschachtelhalm ist das Segment, an dem die Seitentriebe ansetzen, kürzer als die ersten Segmente der Seitentriebe. Beim Sumpfschachtelhalm sind dagegen die Segmente der Seitentriebe kürzer oder gleich lang wie das Stielsegment.

Frauenkräuter-Kur mit Zinnkraut

Bei der Anwendung ist die richtige Temperatur besonders wichtig:
Das Zinnkraut kalt ansetzen, ein bis zwei Stunden ziehen lassen und dann 20 Minuten erwärmen, aber nicht kochen. Funktioniert mit frischem oder mit getrocknetem Zinnkraut.

Wer gelernt hat, das Kraut richtig zu bestimmen, wird mit vielen Vorteilen der Pflanze belohnt. Das Zinnkraut hat seinen Namen daher, dass man die Pflanze früher benutzte, um Zinn zu polieren. Patricia Lipp nimmt sie auch einfach als Pfannenriebele, zum Spülen. Dass sie so hart und kratzig ist, liegt an ihrem hohen Gehalt an Kieselsäure.

"Kieselsäure ist im Körper verantwortlich für Haut, für Haare - das festigt alles, bringt auch das Bindegewebe in Schwung. Ich mache meistens im Frühjahr eine Kur, dann trinke ich drei Wochen Zinnkraut als Tee. Da merkt man dann oft schon nach einer Woche, wenn man eine Tasse pro Tag trinkt, dass einfach die Nägel wieder fester werden, und  die Haare anfangen zu glänzen."

Patricia Lipp, Kräuterfrau

Frauenkräuter im eigenen Garten: immer verfügbar, immer frisch

Die meisten Frauenkräuter hat Patricia Lipp sich übrigens in ihren Garten geholt, sogar den Alpen-Silbermantel. Den hat sie aus einer speziellen Kräutergärtnerei. Das alles ersetzt natürlich nicht die Frauenärztin, aber es sorgt für ein bisschen mehr Ausgeglichenheit im anstrengenden Frauenleben.

Frauentee

  • Frauenmantel
  • Silbermantel

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