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Verspannter Nacken? Kissen-Check: Das perfekte Kopfkissen

Wie man sich bettet, so liegt man: Das gilt nicht nur für die Matratze, auch das richtige Kopfkissen ist entscheidend für einen erholsamen, guten Schlaf. Mehr als ein Drittel unseres Lebens verbringen wir im Bett. Ein gutes Kissen ist deshalb aktive Gesundheitsvorsorge! Welches Kissen passt zu wem? "Gesundheit!" macht den Kissen-Check.

Von: Julia Richter

Stand: 18.03.2017

Ob hart, weich, groß oder klein, Latex oder Feder, ob klassisch oder exotisch. Beim perfekten Kopfkissen scheiden sich die Geister. Kein Wunder, das Angebot ist riesig, mehr als 400 verschiedene Kissen gibt es.

Das richtige Kopfkissen: Riesiges Angebot, doch wie wählen?

Aber der Klassiker ist immer noch das Daunen- beziehungsweise Federkissen in der Größe 80 x 80 cm, weiß die TÜV-Süd geprüfte Schlafberaterin Tanja Dressel-Marquart. Das liege vor allem daran, dass die Standardbettwäsche in der Größe zu kaufen ist, sagt sie. Aus ergonomischer Sicht sind solche Modelle aber nicht zu empfehlen, besser sind schmalere Kissen in der Größe 40 x 80 beziehungsweise 60 x 80 cm.

"Ein gutes Kopfkissen sollte in der Lage sein, den Nacken zu stützen, um den Hohlraum, der zwischen Schulter und Wirbelsäule entsteht, auszufüllen. Ein schlechtes Kissen hat leider den Nachteil, dass man einfach Probleme mit der Halsmuskulatur kriegen kann, mit Nackenverspannungen aufsteht und im schlimmsten Fall einen Bandscheibenvorfall bekommt."

Tanja Dressel-Marquart, Schlafberaterin

Kissenwahl: Entscheidend ist die Schlafposition

Unsere beiden Testpersonen Alexandra und Martin probieren verschiedene Modelle. Alexandra ist eher zierlich, schläft meist auf der Seite und nimmt ein flaches Kissen in der Größe 80 x 80 cm. Morgens wacht sie manchmal mit Nackenverspannungen auf. Was sagt die Schlafberaterin dazu?

"Als Erstes muss man immer schauen: Liegt der Kopf gerade und ist der Nacken abgestützt? Oder bildet sich ein Hohlraum zwischen Kissen und Nacken? Dann muss nachgebessert werden, dann passt das Kissen nicht gut."

Tanja Dressel-Marquart, Schlafberaterin

Das ist bei Alexandra der Fall. Die Expertin empfiehlt ihr ein schmales, aber höheres Kissen. Für Alexandra eignet sich zum Beispiel ein spezielles Seitenschläfer-Kissen mit Aussparung für die Schulter.

Wer mit dem Nacken Probleme hat, kann Modelle mit etwas mehr Stützkraft ausprobieren, zum Beispiel Keilkissen. Sie sind rechteckig, vorne etwas höher und laufen dann verjüngend zu. So ein Modell passt bei Alexandra perfekt. Der Hohlraum ist ausgefüllt - der Nacken gestützt.

Kopfkissen und Seitenlage: Gerade Linie vom Hals bis zum Becken

Generell gilt: In der Seitenlage muss der Kopf so gestützt werden, dass die Wirbelsäule eine gerade Linie bildet vom Hals bis zum Becken. Nase und Bauchnabel liegen auf einer Linie. Ob man wirklich richtig liegt, kann nur eine zweite Person sehen.
Martin liegt auf einem Kissenberg aus mindestens zwei Kissen. Er ist Rückenschläfer, hat es gerne kuschelig. Ein typischer Fehler ...

"Das ist für uns eigentlich mit das Schlimmste. Der komplette Oberkörper liegt auf dem Kissen. Dann liegt man schräg, der Kopf neigt sich zur Brust. Und genau das wollen wir eigentlich nicht sehen, wenn wir von einer ergonomisch richtigen Lagerung sprechen. Aber das ist eine ganz typische Lage."

Tanja Dressel-Marquart, Schlafberaterin

Ihr Tipp: Alle überflüssigen Kissen raus aus dem Bett, denn man braucht keine Kuschelpartner, sondern EIN passendes Kissen.

In der Rückenlage eignen sich Nackenstützkissen: Die erhöhten Ränder stabilisieren den Nacken – der Hinterkopf kann in der Mitte, also der Mulde, weich einsinken. Im Trend liegen weiche, höhenverstellbare Modelle zum Beispiel aus Latex, die sich individuell einstellen lassen.

"Ganz wichtig ist beim Nackenstützkissen: Die hohe Seite des Kissens muss unter den Nacken. Wenn das Kinn frei liegt, die Nasenspitze zur Decke zeigt und wir eine gerade Linie haben, wenn wir liegen, als würden wir stehen, dann haben wir ergonomisch die perfekte Lage."

Tanja Dressel-Marquart, Schlafberaterin

Kopfkissen: Wie hart oder weich soll es sein?

Wichtig bei Nackenstützkissen: Sie dürfen nicht zu hart sein und müssen in der Höhe passen, denn ein Nackenstützkissen bedeutet nicht per se, dass der Nacken wirklich optimal gestützt wird.

Generell gilt: In der Rückenlage muss der Kopf so liegen, dass die natürliche Form der Wirbelsäule unterstützt wird. Der Kopf darf nicht abknicken und nicht überstrecken.

Kopfkissen: Rücken-, Seiten- oder Mischschläfer?

Reine Rücken- oder Seitenschläfer gibt es eigentlich nicht. Die meisten Menschen sind Mischschläfer. Ein gutes Kissen macht den Positionswechsel mit.

Am schlimmsten – aus ergonomischer Sicht – ist die Bauchlage. Der Tipp unserer Expertin: Bauchschläfer sollten ihre Matratze überprüfen: Denn meistens schläft man deswegen auf dem Bauch, weil die Matratze zu hart ist. Wenn man sich die Bauchlage gar nicht abgewöhnen kann, sollte man ein flaches oder gar kein Kissen nehmen.

Tipps: So wählen Sie das passende Kissen

Kopfkissen: Der Körperbau beeinflusst die Auswahl

Das richtige Kissen hängt nicht nur von der bevorzugten Schlafposition ab, auch der Körperbau spielt eine Rolle.

Als Faustregel gilt: Je breiter die Schultern, desto höher sollte das Kissen sein - je schmaler die Schultern, desto niedriger.

Kissen und Matratze gehören zusammen

Das richtige Kissen hängt immer auch von der Unterlage ab, auf der man liegt.

Die Faustregel lautet: Je härter die Matratze ist, desto höher sollte das Kissen sein. Je weicher sie ist, desto niedriger.

Kopfkissen: Welche Füllung ist die beste?

Ob das Kissen passt, hängt auch vom Material ab, beziehungsweise von dem, was man braucht.

- Kissenfüllung Körner ...

... haben zum Beispiel keine gute Stützkraft, die Körner rieseln beim Umdrehen ständig weg, bei Nackenproblemen sind solche Kissen besonders ungeeignet. Außerdem können die Geräusche stören.

- Auch Daunen ...

... haben keine besonders gute Stützkraft - der Kopf sinkt ein. Federn sind außerdem nicht allergikerfreundlich.

- Kalt- oder Latexschaum ...

... ist hygienisch und hat eine gute Stützkraft; Nachteil für viele: Sie sind nicht so kuschelig.

- Besonders beliebt: synthetische Fasern

Sie sind allergikerfreundlich und lassen sich besonders gut pflegen. Hier sollte man allerdings in Qualität investieren, weil minderwertige Fasern beim Waschen schnell klumpen.

Kissen und Raumtemperatur

Auch die Schlaftemperatur beeinflusst die Auswahl: In besonders kalten Schlafzimmern können einige Materialien schwierig werden, weil sie sich nicht genug anpassen, zum Beispiel Viscoschaum.

Das Kissen und die richtige Pflege

Ein hochwertiges Kissen will gepflegt werden. Im Fall von Federn oder Daunen heißt das: Das Kissen jeden Morgen nach dem Schlafen aufschütteln. Generell sollte das Kissen regelmäßig - am besten täglich - gelüftet werden, weil man im Schlaf viel Flüssigkeit verliert.

Wenn möglich, das Kissen oder zumindest den äußeren Bezug spätestens alle 6 Monate waschen. Nach etwa 3 Jahren muss auch das beste Kissen erneuert werden.

Kissenkauf: Tipps für die Suche vor Ort

  • Ein Kissen immer in Ruhe testen, am besten morgens, wenn man ausgeruht ist. Abends ist man so müde, dass man (fast) alle Modelle bequem findet.
  • Man sollte sich im Fachgeschäft beraten lassen und alle Daten zur Matratze mitbringen. So findet man am besten das optimale Modell.
  • Geduld ist wichtig: Ein neues Kissen kann anfangs ungewohnt sein, gerade wenn man von einem Daunen- auf ein Nackenstützkissen wechselt. In den ersten Tagen kann man sogar eine Art Muskelkater verspüren, 2-3 Wochen muss man einplanen, bis das neue Kissen optimal „passt“.

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