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Mit OPs und Patienten Ein Krankenhaus zieht um

Herkulesaufgabe Umzug: Schuften, Spannung, Stress! Eine ganze Klinik, die Sana Klinik Sendling, zieht um. Und das an einem Wochenende, in nur drei Tagen! 50 Patienten müssen verlegt werden, viele davon frisch operiert. Gesundheit! Reporterin Veronika Keller ist mitten drin im Umzugstrubel.

Von: Bernd Thomas

Stand: 26.06.2017

Die alte Klinik ist noch in Betrieb, der Neubau noch fast leer. Jeder weiß, wie anstrengend ein Umzug ist. Aber wenn ein ganzes Krankenhaus umzieht, dann wird´s richtig kompliziert. Vor allem dann, wenn das in gerade einmal drei Tagen passieren soll. 

Neues Klinikgebäude gegenüber

Zwei Jahre Planung, über 45 Millionen Euro Kosten, drei Jahre Bauzeit: Im Münchner Süden entstand eine neue Fachklinik für orthopädische Chirurgie. Der Gesundheitscampus bietet Platz für rund 200 Patienten und steht nur einen Katzensprung von der alten Klinik entfernt, auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Ein Tunnel verbindet beide Gebäude.

Logistische Herausforderung: Klappt der Neustart reibungslos?

Die Vorbereitungen laufen seit Monaten. In den sechs Hightech-OP-Sälen des neuen Gebäudes sollen Hüften, Knie und Wirbelsäulen operiert werden, nach modernsten Standards. Aber Gesundheit! Reporterin Veronika Keller kann noch nicht richtig dran glauben.

"Irgendwie ist es hier noch wahnsinnig leer und es riecht auch noch gar nicht nach Krankenhaus. Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, dass schon in drei Tagen hier die ersten Operationen stattfinden sollen. Aber das ist der Plan."

Gesundheit! Reporterin Veronika Keller

Im alten Bau gegenüber läuft der Betrieb auf allen sieben Stationen noch ganz normal. Patientin Traute Böhm ist sogar gerade erst angekommen. Sie wird noch vor dem Umzug am Knie operiert. Schon am nächsten Tag steht dann der Umzug an.  

"Ich bin schon gespannt, wie es in der neuen Klinik drüben ist. Wenn ich gewusst hätte, dass das so schnell geht, hätte ich die OP noch um eine Woche verschoben, dass ich in der neuen Klinik operiert werde."

Traute Böhm, Patientin

Minutiöse Planung, nervöse Spannung

Umzugsfeeling überall. Anpacken heißt die Devise. Auch in der Verwaltung und selbst für den Chef, Elmar Simon. Auch er muss nicht nur in seinem Büro selbst Hand anlegen, sondern ist zusätzlich fest für den Umzug verplant.

"Ich bin von meinem Team eingesetzt worden für´s Bettenschieben. Das wird körperlich bestimmt anstrengend. Schließlich ist es ja eine andere Tätigkeit als die, die ich sonst hier habe in meinem Job."

Elmar Simon, Geschäftsführer, Sana Gesundheitscampus München 

Abschied: Die letzte Operation

Dann ist es soweit. Traute Böhm ist die letzte Patientin im alten OP. Und bei dem geplanten Eingriff handelt es sich nicht etwa um eine Kleinigkeit, sondern auch für den Spezialisten Professor Robert Hube um einen anspruchsvollen Eingriff.   

"Bei Frau Böhm wird eine schmerzhafte Knie-Endoprothese ausgewechselt, ein großer komplexer Eingriff. Aber es spielt keine große Rolle, dass es die letzte OP hier im Altbau ist. Wenn man operiert, dann konzentriert man sich nur auf den Fall. Der Umzug betrifft eigentlich mehr das Drumherum."

Prof. Dr. med. Robert Hube, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Spezielle Orthopädische Chirurgie, Chirotherapie

Schnell, professionell und routiniert verläuft der Eingriff. In etwas über einer Stunde ist alles vorbei. OP-Leiterin Ingrid Weinberger geht der Abschied aber doch nahe.   

"Wir versuchen  alle, uns drüben etwas Neues zu schaffen. Aber ich muss trotzdem sagen:  Das hier war die Heimat."

Ingrid Weinberger, OP-Leitung, Sana Gesundheitscampus München

Geplantes Chaos: Packen im OP

Und dann geht´s los: Alles in den OPs muss verpackt und gekennzeichnet werden, damit es im Neubau an die richtigen Plätze kommt. Von Röntgen- über Blutstillgeräte, den Knie- und Hüftgelenken bis zu den Wirbelsäulenimplantaten.

"Die Gerätschaften an erster Stelle, die werden nach drüben gebracht, weil die dann abgenommen werden müssen von der Medizintechnik."

Ingrid Weinberger, OP-Leitung, Sana Gesundheitscampus München

Um das Pensum in der kurzen Zeit überhaupt zu schaffen, werden alle gebraucht. Was aussieht wie ein chaotisches Durcheinander, ist bis ins kleinste Detail minutiös geplant. Schließlich sind OP-Säle hygienisch hochsensible Bereiche, nichts darf schiefgehen.  

"Das ist die Ruhe vor dem Sturm. Ich stehe gerade im Verbindungstunnel zwischen dem alten Krankenhaus und dem neuen. Es darf nämlich nichts aus hygienischen Gründen über die Straße transportiert werden und deswegen wird gleich alles durch den unterirdischen Tunnel aus dem alten Gebäude rüber ins neue rollen."

Gesundheit! Reporterin Veronika Keller

Risiko Umzug – die heiße, sensible Phase

Ein ganzes Krankenhaus setzt sich in Bewegung und damit werden buchstäblich auch große Werte verschoben. Alle Helfer tragen deshalb einheitliche blaue T-Shirts – aus Sicherheitsgründen. Denn bei einem vergleichbaren Umzug in Schweden sollen wertvolle medizinische Geräte von vermeintlichen Helfern aus dem Haus bugsiert worden sein. Sie kamen nie an ihrem Bestimmungsort an. Das will hier natürlich niemand erleben.

Karawane unter Tage: Umzug der Patienten

Rund fünfzig Patienten, mehr als ursprünglich geplant, sind noch auf den Stationen und ziehen jetzt mit Sack und Pack um ins neue Gebäude. Aus versicherungstechnischen Gründen dürfen die Patienten nicht selbst gehen. Wer sitzen kann, wird im Rollstuhl gefahren. Viele erleben den Umzug aber im Bett, begleitet von kleinen Teams, die vorwiegend aus Mitarbeitern der Verwaltung bestehen. Alles läuft glatt, bis auf eine kleine Panne beim OP-Umzug.

"Wir haben festgestellt, dass noch fünfzig Kartons fehlen. Die sind noch nicht abgeholt von drüben und eigentlich zieht das restliche Haus schon um, auch die Verwaltung und wir sollten fertig sein."

Ingrid Weinberger, OP-Leitung, Sana Gesundheitscampus München

Während der Umzug der Verwaltung - fast ganz normal - erst durch die Fenster, dann über die Straße verläuft, passieren die Patienten im Tunnel eine Etage tiefer, die Grenze zwischen altem und neuem Haus. Auch Traute Böhm ist wieder leidlich fit und wird vom Chef persönlich ins neue Haus geschoben!       

"Ich habe nicht gedacht, dass es aufregend wird, aber jetzt ist es das doch. Mir ist richtig warm, aber ich habe ein schönes Zimmer. Und herzlichen Dank nochmal für die nette Begleitung!"

Traute Böhm, Patientin

Vor dem ersten Mal: Räumen und Großputz im OP

Auch die letzten fünfzig Kartons sind angekommen. Aber  die Schufterei ist noch nicht zu Ende. Alles muss griffbereit auf die vorgesehenen Plätze. Die meiste Arbeit hat die Abteilung Zentrale Sterilisation. Fehler darf es hier keine geben. Kann bei so einem Umzug die Hygiene überhaupt gewährleistet werden?

"Ja natürlich, dafür sind wir ja alle da, dass das alles passt und stimmt. Am Montag geht es los, und wir gehen am Montag gleich in Echtbetrieb, mit zehn bis zwölf OPs. Das ist auch für uns eine große Herausforderung."

Caroline Röder-Drenkard, Leitung ZVSA, Sana Gesundheitscampus München

Montagmorgen, 7.00 Uhr: Die Spannung steigt!

Die OPs sind gereinigt und hygienisch einwandfrei, die Stationen funktionieren. Die Spannung im OP-Team steigt: Drei der sechs Säle gehen gleich in Betrieb, der erste Patient ist bereits in der Anästhesie. Professor Hube war schon am Abend da und hat sich umgeschaut.

"Alles ist noch ein bisschen ungewohnt.  Es ist hell und neu, aber macht einen guten Eindruck."

Prof. Dr. med. Robert Hube, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Spezielle Orthopädische Chirurgie, Chirotherapie

OP: Neue Umgebung fordert Teamgeist

Für die Operateure und ihre Teams sind neue Räumlichkeiten immer eine besondere Herausforderung. Selbst wenn sie, wie hier, den Luxus Tageslicht genießen können: Schon kleine Veränderungen bedeuten, dass eingespielte Arbeitsabläufe nicht mehr funktionieren und neu eingeübt werden müssen. Das erfordert besonders dann Konzentration, wenn es schnell gehen muss. Bei Operationen ist das so gut wie immer so. Kein Wunder, dass Geschäftsführer Elmar Simon eine unruhige Nacht hinter sich hat.

"Die Nacht war natürlich noch ein bisschen unruhig, heute vor dem ersten Tag. Aber so wie es ausschaut, sind die Ärzte zufrieden. Es gibt noch hier und da ein paar Kleinigkeiten, aber nichts mehr, was kritisch oder schwierig wäre."

Elmar Simon, Geschäftsführer, Sana Gesundheitscampus München 

Alle drei OPs laufen, Professor Hube ist auch schon mit der neuen Software vertraut, die der Verwaltung das Arbeiten erleichtert und - alles funktioniert.  

"Die erste OP war schon ein bisschen aufregend. Aber alles hat gut geklappt und alles ist so, wie es sein soll."

Prof. Dr. med. Robert Hube, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Spezielle Orthopädische Chirurgie, Chirotherapie

Geschafft, das Umzugsteam kann aufatmen. Die Herkulesaufgabe ist gestemmt. Die kritische erste Zeit ist zwar noch lange nicht vorbei, aber der Betrieb läuft.


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