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Hantavirus Gefahr durch Mäuse

Der Sommer kommt und Hantaviren breiten sich aus – die Zeichen deuten auf ein besonders hartes Hanta-Jahr hin. Hanta-Infektionen verlaufen meist harmlos, doch in einigen Fällen kann es zu schweren Komplikationen bis hin zum Nierenversagen kommen.

Von: Florian Heinhold

Stand: 08.05.2017

Im ganzen süddeutschen Raum registrieren Experten zur Zeit steigende Hanta-Infektionszahlen. Dr. Jörg Latus vom Klinikum Stuttgart erforscht die Viruserkrankung seit Jahren. Neben der schwäbischen Alb gelten auch Niederbayern und Unterfranken als Hanta-Hotspots.

"Klassischerweise haben die Patienten ganz viele Symptome, sie leiden unter hohem Fieber, haben Bauchschmerzen, Rückenschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, viele haben auch Kopfschmerzen, Seestörungen. Es handelt sich also um ganz unspezifische Symptome, die sich anfühlen wie eine schwere Grippe."

PD Dr. med. Jörg Latus, Nephrologe, Klinikum Stuttgart

Dabei ist der Verlauf sehr unterschiedlich. Einige Patienten werden wieder gesund, ohne in die Klinik zu müssen.

Doch Hanta kann auch zu schweren Komplikationen bis hin zum kompletten Nierenversagen führen – dann droht die Dialyse.

"Wenn das Nierenversagen so schlimm ist, dass zum Beispiel keine Urinausscheidung mehr ist, dann überwässert der Körper und dann muss man letztlich Wasser durch die Maschine entfernen, bis die Niere sich wieder erholt."

Prof. Dr. med. Vedat Schwenger, Nephrologe, Klinikum Stuttgart

"Ich konnte nur noch liegen"

Johannes Stassen hat es im Jahr 2012 erwischt. Wie viele Patienten hatte er zuvor von dem Virus noch nie gehört.

"Ich hatte erst den Verdacht: Magen-Darm, weil ich hatte sonst noch nie irgendwas. Ich hatte keine Kraft mehr, ich war saft- und kraftlos, ich konnte nur noch liegen."

Johannes Stassen, Patient

Er entging knapp der Dialyse. Wie oft bei Hantainfektionen, ist auch bei ihm nicht klar, wo er sich das Virus geholt hat.

Übertragung durch Mäusekot

Die Gefahr geht vor allem von Rötelmäusen aus, aber auch andere Mäusearten können das Virus übertragen. Die Tiere selbst erkranken nicht, scheiden aber große Mengen des Erregers im Kot und Speichel aus.

Das Gemeine: Man muss nicht einmal direkt damit in Berührung kommen.

"Wenn die Ausscheidungen eingetrocknet sind, bilden sich Stäube, diese Stäube können infektiös sein. Und wenn diese aufgewirbelt werden, kann man sie einatmen und sich daran infizieren."

PD Dr. med. Reinhard Hoffmann, Facharzt für Mikrobiologie, Klinikum Augsburg

Das Team um Dr. Reinhard Hoffman vom Klinikum Augsburg zeigt in Gesundheit!, wie man Hanta-Infektion über den Bluttest nachweist. Zeit ist ein wichtiger Faktor, auch wenn der Körper mit dem Virus alleine fertig werden muss. 

"Je schneller wir die Erkrankung erkennen, desto schneller können wir als Ärzte auch eingreifen, auch wenn wir keine spezifische Therapie gegen das Hantavirus haben, sondern letztlich auch nur an den Symptomen herumdoktern, die Symptome symptomatisch therapieren, verbessert es doch die Prognose, wenn wir das schnell tun können."

PD Dr. med. Reinhard Hoffmann

Tipps zur Prävention

Besser ist es, sich gar nicht erst zu infizieren. Viele Bayern bringen gerade ihre Gärten auf Vordermann. Vor allem wenn man nach dem Winter Geräteschuppen und Gartenhäuschen aufräumt, ist Vorsicht geboten. Um sich vor den Mäusen – oder besser den Viren, die sie übertragen - zu schützen, gilt es ein paar Tipps zu beachten. Zum Beispiel: Sauber machen immer mit feuchten Tüchern, um Staub zu vermeiden. Spezialreiniger braucht es nicht unbedingt, ganz normale Seife genügt.

"Benetzen Sie den Boden mit Wasser oder einem normalen Reinigungsmittel. Die Hanta-Viren sind empfindlich gegenüber normalen Reinigungsmitteln, gegenüber Seifen."

PD Dr. med. Reinhard Hoffmann

Handschuhe verhindern den direkten Kontakt zu Ausscheidungen der Krankheitsüberträger, denn auch durch Schmierinfektion oder über kleine Verletzungen an der Hand kann man sich anstecken. Und wenn man den Verdacht hat, dass Mäuse vor Ort waren, ist sogar Mundschutz ratsam.

Um Nagetiere gar nicht erst anzulocken, sollte man Lebensmittelabfälle vom Haus fernhalten und Müll für Nagetiere unzugänglich aufbewahren.


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