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150 Jahre Dr. Bircher-Benner Rohkost-Test und gepimptes Bircher-Müsli

Bircher-Müsli ist weltbekannt. Und wer hat’s erfunden? Die Schweizer. Der Namensgeber Dr. Bircher-Benner ist aber nicht nur für sein Müsli bekannt. Er war auch ein wahrer Pionier der Rohkost-Ernährung. Unsere Reporterin Veronika Keller macht eine Woche lang den Selbsttest: Sie isst ausschließlich roh.

Von: Julia Grantner, Robert Grantner

Stand: 24.07.2017

Der Schweizer Arzt Maximilian Bircher-Benner ist der Erfinder des Bircher-Müsli. Am 22. August vor 150 Jahren wurde er geboren. Mittlerweile gibt es verschiedenste Variationen des Müslis, die mit dem Originalrezept nicht mehr so viel zu tun haben. Traditionell dürrfen nur rein: Haferflocken, Apfel, Nüsse, Zitronensaft und Kondensmilch.

Was bedeutet Bircher-Müsli für die Schweizer?

"Also für mich ist das Kindheitserinnerung! Das hat es immer bei meiner Oma zum Abendessen gegeben, also z’Nacht, sagt man bei uns. Das ist ganz traditionell, dass man das am Abend ist."

Sharon, Schweizerin

Rokhost - eine Woche lang

Neben dem Bircher-Müsli steht der Erfinder Dr. Maximilian Bircher-Benner aber auch für einen ganz besonderen Ernährungsstil: Rohkost. Vor knapp 130 Jahren startete er damit eine wahre Revolution. Er setzte vorrangig auf eine vollwertige, vegetarische Ernährung mit einem sehr hohen Rohkostanteil. Doch wie aktuell sind Bircher-Benners Ideen heute noch? Veronika Keller macht den Selbsttest: Eine Woche lang will sie sich ausschließlich von Rohkost ernähren.

Rohkost in die Ernährung einzubauen, ist gesund - das weiß man heutzutage. Dr. med. Gert Bischoff warnt davor, sich ausschließlich von Rohkost zu ernähren.

"Wenn man auf Rohkost umsteigen möchte, muss man sehr bewusst auf seine Ernährung achten, weil es eben Nährstoffe sind, die sehr kritisch sind. Zum Beispiel Eisen nehmen die meisten Rohkostler relativ wenig zu sich. Auch Calcium und Vitamin D sind Stoffe, bei denen wir sowieso häufig einen Mangel haben."

Dr. med. Gert Bischoff, Ärztlicher Leiter des Zentrums für Ernährungsmedizin und Prävention (ZEP), Krankenhaus der Barmherzigen Brüder, München

Mangelerscheinungen - ist Rohkost also gar nicht gesund? Was passiert im Körper genau, wenn man auf Rohkost setzt?

"Nach einer Woche werden Sie merken, dass sich die Veränderung vor allem auf die Verdauung auswirkt. Wir nehmen viel Faserstoffe zu uns, das beansprucht die Verdauung sehr stark. Man wird einen Blähbauch bekommen, aber ungesund oder schädlich ist das sicher nicht, wenn Sie das ausgewogen machen."

Dr. med. Gert Bischoff, Ärztlicher Leiter des Zentrums für Ernährungsmedizin und Prävention (ZEP), Krankenhaus der Barmherzigen Brüder, München

Rohkost-Test: Tag 1

Der Rohkost-Selbsttest: Veronika Keller verzichtet eine Woche lang auf alles, was auf mehr als 40 Grad erhitzt wurde.

"Da ich sehr gerne Salat esse, sehe ich kein Problem. Ich mache mir heute einen bunten Salat. Worauf ich verzichten muss: Brot, weil das ist ja erhitzt worden. Ansonsten bleibt der Ofen aus."

Veronika Keller, Reporterin

Der Start scheint noch recht leicht zu sein. Aber ob das so bleibt?

Rohkost-Test: Tag 3

"Bisher fehlt mir gar nicht so viel, weil es draußen so heiß ist. Salat und frisches Obst ist sowieso das, worauf ich Lust habe."

Veronika Keller, Reporterin

Die Rohkost-Ernährung hat auch Auswirkungen auf andere Bereiche des Lebens. Veronika Keller macht sich einen Shake, obwohl sie jetzt so gerne Eis essen gehen würde.

"Ich falle gerade ins tiefste Nachmittagsloch! Eis essen wäre wahrscheinlich ein bisschen geselliger, aber so ist es halt im Rohkost-Leben."

Veronika Keller, Reporterin

Ob sie es wirklich eine ganze Woche lang durchhält?

Rohkost-Test: Tag 4

Vier Tage ernährt sich Veronika Keller mittlerweile schon von Rohkost. Ein Selbsttest mit Höhen und Tiefen.

"Ich habe mir gerade Zucchini gehobelt, ganz dünn. Die werde ich jetzt einlegen, damit es nach etwas schmeckt. Und dazu gibt es wahrscheinlich wieder Salat - was sonst. Ehrlich gesagt, kann ich langsam keinen Salat mehr sehen. Aber da muss ich jetzt durch."

Veronika Keller, Reporterin

Da helfen nur noch Rohkost-Tipps vom Profi: Nergiz Eschenbacher ernährt sich seit fünf Jahren rohköstlich. Zusammen bereiten die beiden ein Gourmet-Rohkost-Menü zu.

Gourmet-Rohkost-Menü


Gurken-Basilikum-Gazpacho
Zucchini-Röllchen mit Pesto
Roher Schoko-Kuchen

Mehr Energie, weniger Schlaf

Rohkost hat für Nergiz Eschenbacher nichts mit Verzicht zu tun, sie fühlt sich besser durch ihre Ernährung.

"Am Anfang hatte ich anderthalb Wochen lang Entgiftungserscheinungen. Mir war ständig übel und ich habe auch dauernd Hautausschläge bekommen. Als das überwunden war und ich den Nutzen der Rohkost sehen konnte - das war dann echt Wahnsinn! Ich habe viel mehr Energie und ich brauche weniger Schlaf."

Nergiz Eschenbacher, Rohköstlerin

Schmeckt das Gourmet-Menü?

Ihr wichtigstes Küchengerät: der Mixer. Und fertig ist das Gurken-Basilikum-Gazpacho. Veronika Keller schmeckt es. Bei der Hauptspeise, Zucchini-Röllchen mit Pesto, äußert unsere Reporterin Bedenken: So viele rohe Sachen sind nicht gerade leicht verdaulich, oder?

"Es ist wichtig, dass man auf sich acht gibt. Also nicht sofort von 0 auf 100, nicht von jetzt auf gleich 100 Prozent Rohkost, sondern dass sich das langsam steigert."

Nergiz Eschenbacher, Rohköstlerin

Und – die Zucchini-Röllchen schmecken tatsächlich, sehr intensiv – so das Fazit von Veronika Keller. Bei der Nachspeise setzt Nergiz Eschenbacher noch einen drauf: Es gibt rohen Schoko-Kuchen.

"Also dieses Rohkost-Menü hat mich echt beeindruckt! Damit könnte ich meine Woche als Bircher-Anhängerin echt überstehen. Mal schauen!"

Veronika Keller, Reporterin

Leben ohne Pasta?

Doch gegen Ende der Rohkost-Woche hat Veronika Keller mal wieder Lust auf was Warmes.

"Bin ich froh, dass die Woche langsam rum ist. So ein bisschen Salat zwischendurch finde ich ja toll, aber ein Leben ohne Nudeln macht mich einfach nicht glücklich!"

Veronika Keller, Reporterin

Bircher-Müsli modern

Wie sieht nun eine moderne Variation des Bircher-Müslis aus? Neben den Basics sind da zum Beispiel auch Früchte der Saison erlaubt. Schon besser, als immer nur Äpfel. Auch von der Kondensmilch sind die Schweizer längst weg.

Pimp my Bircher-Müsli ist das Motto! Die moderne Variante sieht sehr lecker aus - und das Ganze bleibt ja trotzdem ein Schweizer Nationalgericht.


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