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Galle, Gallenkolik Gallensteine: Kleine Steine – große Schmerzen

Manche sind nur wenige Millimeter – andere mehrere Zentimeter groß: Die Rede ist von Gallensteinen. Etwa 15 Prozent der Menschen in Deutschland entwickeln diese im Laufe ihres Lebens. Die Mehrheit merkt von ihnen nichts. Doch bei etwa einem Viertel kommt es zu Koliken und die sind in der Regel sehr schmerzhaft.

Von: Katharina Kerzdörfer

Stand: 18.12.2017

Als Risikofaktoren für Gallensteine gelten die so genannten 6 Fs:

  • Female: also weiblich, weil Frauen etwa doppelt so häufig betroffen sind
  • Fertile: also fruchtbar, bedeutet, dass eine Schwangerschaft das Risiko erhöhen kann
  • Fat: also Übergewicht kann auch dazu führen
  • Forty: 40, das bezieht sich auf das Alter. Denn die Beschwerden treten häufig bei Patienten mittleren Alters auf
  • Fair: steht für blond, also hellhäutige Menschen
  • Family: also Familie, für die genetische Veranlagung

Doch warum sind es gerade diese sechs Risikofaktoren? Welche Erkenntnisse es dazu gibt, erklärt Professorin Julia Mayerle vom Klinikum der Universität München.

"Wir haben keine Belege dafür, warum diese sechs Faktoren das Risiko erhöhen, mit einer Ausnahme: Das sind die genetischen Prädispositionen, da wissen wir Veränderungen in den Genen für die Gallentransporter ein erhöhtes Risiko darstellen. Für alle andere Faktoren haben wir keine Erklärung, außer, dass wir über Jahrhunderte beobachtet haben, dass ein erhöhtes Risiko besteht."

Prof. Dr. med. Julia Mayerle, Internistin, Klinikum der Universität München

Wozu braucht es eine Gallenblase?

Gallenkolik: Gallensteine versperren und blockieren den Gallengang

Die Gallenblase ist ein Speicherorgan. In ihr sammelt sich Gallenflüssigkeit, die von der Leber produziert wird, dieser Saft, die Galle, gelangt über den Gallengang in den Zwölffingerdarm und hilft dort Fette aus der Nahrung zu verdauen. Manchmal ist das Gleichgewicht der Gallenflüssigkeit gestört, dann bilden sich Gallensteine. Verstopfen sie das Abfließen der Galle in den Gallengang, kommt es zu einer Kolik.

Zur Diagnose veranlassen Ärzte in der Regel Labortests und checken die Blutwerte. Außerdem gibt eine Ultraschalluntersuchung Aufschluss darüber, ob Patienten Gallensteine haben. Doch was ist die richtige Therapie?

"Initial wollen Sie natürlich die akuten Schmerzen lindern und das machen Sie über eine Schmerzmedikation. Wenn das nicht ausreichend ist, dann empfehlen wir unseren Patienten eine minimalinvasive Entfernung der Gallenblase durch unsere chirurgischen Kollegen, weil wir über die Jahre gelernt haben, dass Medikamente, die die Gallensteine auflösen, eigentlich nur sehr kurzfristig wirksam sind und das Zertrümmern der Steine von außen keinen langfristigen Erfolg bringt."

Prof. Dr. med. Julia Mayerle, Internistin, Klinikum der Universität München

Entfernung der Galle in einer minimalinvasiven OP

Bei einer Operation werden in der Regel minimalinvasiv, mit wenigen kleinen Schnitten an der Bauchdecke, die Gallensteine samt Gallenblase entfernt. Patienten ohne Gallenblase können ganz normal weiterleben, ohne Einschränkungen.

"Wenn Sie sich nicht operieren lassen wollen, dann kann das entweder zu einer Entzündung der Gallenblase führen und dann zu einer Operation in der Akutsituation oder aber, wenn sehr große Gallensteine entstehen oder die ganze Gallenblase ausgemauert wird mit Kalk, dann kann das das Tumorrisiko erhöhen."

Prof. Dr. med. Julia Mayerle, Internistin, Klinikum der Universität München

Weihnachtszeit gleich Kolikzeit?

Risiko für Gallenkoliken: fettreiche Ernährung

Plätzchen, Stollen oder Ente – zur Weihnachtszeit ist viel fettiges und süßes Essen im Angebot. Die Galle wird dann besonders beansprucht, weil sie dabei hilft, Fette aus der Nahrung abzubauen. Ist die Weihnachtszeit somit auch eine Risikozeit für Gallenkoliken?

"Wenn Sie sich fettärmer ernähren, ist die Gefahr, dass sie eine Gallenkolik erleiden geringer, ähnliches gilt zum Beispiel für Kaffee. Wenn Sie Kaffee trinken, führt das auch zur Kontraktion der Gallenblase und das kann wiederum eine Kolik begünstigen."

Prof. Dr. med. Julia Mayerle, Internistin, Klinikum der Universität München

Fettarme Ernährung und kein Kaffee sind aber keine Garantie, dass Gallenkoliken ausbleiben – vor allem für die, die eine genetische Veranlagung oder andere Risikofaktoren haben.


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