BR Fernsehen - Gesundheit!


0

Diabetes Wie kann man Diabetes stoppen?

6,7 Millionen Diabetiker gibt es in Deutschland, das sind fast acht Prozent der Bevölkerung. Die meisten, rund 90 Prozent, erkranken an der Zivilisationskrankheit Diabetes Typ 2. Und es werden immer mehr. Bis 2030 wird mit mindestens 8 Millionen Betroffenen gerechnet. Dabei kann jeder viel dagegen tun.

Von: Tom Fleckenstein

Stand: 04.12.2016

Rund 10.000 Kilometer radelt Herbert Hielscher-Uhl aus München pro Jahr. Der 47jährige Banker hat einen guten Grund, sich fit zu halten: Er ist Diabetiker Typ 2. Noch vor drei Jahren war er permanent erkältet und todmüde. Heute ist das anders, sagt er:

"Das ist ein ganz ein anderes Lebensgefühl, das Gewicht ist jetzt so, wie ich es mit 16 das letzte Mal hatte, eigentlich fühl ich mich ja so wie 16."

Herbert Hielscher-Uhl, Diabetespatient

Diabetes: Ursache Fehlernährung

Zu fett, zu süß: Fehlernährung ist ein Risikofaktor für Diabetets

Und das führte zu seiner Erkrankung. Die Todsünden der Ernährung: Zu süß, zu fett, zu viel Alkohol am Abend. Das Ergebnis: Noch vor drei Jahren wog er über 100 Kilo.

Diabetes: Ursache Übergewicht

Diabetesrisiko: Gefährliche Kombination aus Fehlernährung, Bewegungsmangel und Übergewicht

Übergewicht ist die Hauptursache für Diabetes Typ 2. Auch Isa Terwiesche hatte über 30 Kilo zu viel auf den Rippen, weil sie sich nach einem schweren Unfall nicht mehr bewegen konnte. In der Folge erkrankte die Atem- und Sprechtherapeutin an Diabetes und muss seither täglich ihren Blutzucker messen und Insulin spritzen. Ein massiver Einschnitt im Leben.

"Das ist zunächst ein Schock. Ich hatte am meisten Angst vor Unterzuckerung, vor Spritzen. Dass man denkt, man kommt damit nicht zu Rande."

Isa Terwiesche, Diabetespatientin

Diabetes: Dramatische Zahlen

6,7 Millionen Menschen haben Diabetes, Tendenz steigend

Insgesamt gibt es in Deutschland 6,7 Mio Diabetiker. Das sind bereits fast acht  Prozent der Bevölkerung. Die wenigsten – nur 10 Prozent -  haben Diabetes Typ 1, eine Autoimmunerkrankung, die angeboren ist. Die meisten – 90 Prozent - leiden an der Zivilisationskrankheit Diabetes Typ 2. Und es werden immer mehr. Bis 2030 wird mit mindestens 8 Millionen Betroffenen gerechnet.

Volkskrankheit Diabetes: Dramatische Folgen

Die möglichen Folgen von Diabetes können lebensgefährlich sein: Chronische Wunden bis hin zu Herz- und Nierenversagen. Schon jetzt kostet die Volkskrankheit Diabetes den Steuerzahler 35 Milliarden Euro pro Jahr.

Prävention: Nationale Strategie gegen Diabetes gefordert

Die Deutsche Diabetesgesellschaft fordert daher eine nationale Strategie, um Diabetes bereits früh zu bekämpfen.

Die wichtigsten Punkte der geforderten Strategie gegen Diabetes:  

  • Täglich eine Stunde Sport in Schulen und Kindergärten
  • Eine Qualitätsoffensive bei der Pausenverpflegung
  • Werbeverbote für zuckerhaltige Lebensmittel
  • Eine Zucker/Fettsteuer: Das heißt, Nahrungsmittel, die zu viel Zucker und Fett enthalten, sollten höher besteuert werden. Lebensmittel, die sich positiv auf die Ernährung auswirken, könnten subventioniert werden.

"Wenn die Strategie nicht kommt mit konkreten Maßnahmen, dann werden wir sehen, dass wir weiterhin viele Herzinfarkte, Amputationen, und dialysepflichtige Patienten haben – durch Diabetes."

Professor Dr. med. Robert Ritzel, Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Suchtmedizin, Städtisches Klinikum München

Warten auf den Diabetesplan ...

Kampf gegen Diabetes: England, Chile und Mexiko haben bereits eine Zuckersteuer eingeführt – mit Erfolg!

Warum passiert so wenig in Berlin, obwohl der Bundesrat bereits 2014 grünes Licht für einen nationalen Diabetesplan gab? Wir haken nach. Doch das Bundesministerium für Ernährung hält nichts von einer Zuckersteuer. Es gebe noch keine fundierten Studien. Ignoriert wird, dass in England, Chile oder Mexiko die Zuckersteuer den Konsum zuckerhaltiger Getränke reduzierte. In Deutschland wird stattdessen auf die Verantwortung der Wirtschaft vertraut. Und das Gesundheitsministerium setzt darauf, dass die Konsumenten nach Infokampagnen von selbst einsichtiger werden.

Die Bundesregierung setzt im Kampf gegen  Diabetes auf:

  • Das Präventionsgesetz, das 2015 verabschiedet wurde. "Mit dem Präventionsgesetz stärken wir die Gesundheitsförderung direkt im Lebensumfeld - in der Kita, der Schule, am Arbeitsplatz und im Pflegeheim. Außerdem werden die Früherkennungsuntersuchungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene weiterentwickelt, und der Impfschutz wird verbessert. Ziel ist, Krankheiten zu vermeiden, bevor sie entstehen", so die parlamentarische Staatssekretärin Ingrid Fischbach.
  • Das Robert Koch Institut wird mit dem Aufbau eines Diabetes-Überwachungssystems sowie der Erhebung von Daten beauftragt.
  • Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung soll eine Informationskampagne starten

Doch reicht das aus? Die Zeitbombe „Zucker“ tickt. Herbert Hielscher-Uhl muss regelmäßig seine Gefäße checken lassen. Dreiviertel aller Menschen mit Diabetes sterben an Herzinfarkt oder Schlaganfall. Nach Ansicht von Dr. Christoph Neumann, Vorsitzender der niedergelassenen Diabetologen in Bayern, passiert zu wenig.

"Es ist merkwürdig, warum nichts passiert, weil der Zusammenhang zwischen Fehlernährung, Übergewicht und Diabetes ist klar belegt. Insofern ist unverständlich, warum da nicht mehr umgesetzt wird."

Dr. med. Christoph Neumann, Internist, Diabetologe, Diabetologe DDG

Außerdem kritisiert Christoph Neumann, dass in Bayern die Kassen die Kosten für den Standard-Blutzuckertest nicht übernehmen. Stattdessen sollen die Praxen den Test jetzt mit einem Pulver selbst anrühren.

"Ein hohes Risiko für Fehldiagnosen, und juristisch ist da kein Arzt mehr abgesichert."

Dr. med. Christoph Neumann, Internist, Diabetologe, Diabetologe DDG

Das führe dazu, dass die Motivation, frühzeitig auf Diabetes zu untersuchen, vor allem bei den Hausärzten sinkt.   

Diabetes: Hohe Dunkelziffer – Mach den Test!

Diabetes Selbsttest: Schnell und einfach Risiken erkennen

Im Gesundheitscheck der Deutschen Diabetesstiftung kann jeder sein persönliches Diabetes-Risiko einschätzen. Das Tückische ist: Zwei Millionen Menschen in Deutschland wissen gar nicht, dass sie Diabetes haben. Dabei wäre die frühzeitige Erkennung wichtig, um die Folgen der Krankheit einzudämmen. 

Isa Terwiesche aus München hat auf die Krankheit konsequent reagiert. Sie hat ihre Ernährung umgestellt. Der Blutdruck hat sich normalisiert. Die Fettstoffwerte stimmen. Jetzt hat sie mehr Energie für ihren Beruf.

"Ich hab mich in vielen Dingen anders orientiert. Und es geht mir besser als vorher, obwohl ich Diabetes habe."

Isa Terwiesche, Diabetespatientin

Diabetes stoppen | Bild: BR zum Artikel Gesund und hilfreich Sport und Diabetes

Zuckerkrankheit bedeutet keinen Verzicht auf Sport. Im Gegenteil. Sport ist sogar gesund für Diabetiker. [mehr]

Die freiberufliche Atemtherapeutin lebt diszipliniert. Den Sport hat sie fest in ihren Tagesablauf integriert. Auch Herbert Hielscher-Uhl lebt jetzt viel gesünder. Der wöchentliche Einkauf auf dem Grünen Markt zählt für ihn zur Lebensqualität. Abends lässt er die Kohlenhydrate weg und isst dafür umso mehr Gemüse. Seine Blutzuckerwerte sind exzellent und er kommt sogar ganz ohne Insulin aus.

"Diabetes hat mich sehr viel bewusster leben lassen. Seitdem achte ich auf Sport, Bewegung, aber auch Stress , sich entlasten , bei allen Schwierigkeiten, die Diabetes bereitet, hat es dazu geführt, dass ich besser lebe als vorher."

Herbert Hielscher-Uhl, Diabetespatient

Richtige Ernährung, Bewegung und Willenskraft. Die drei besten Rezepte im Kampf gegen Diabetes.   


0