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Botox und Co Faltenbehandlung - wie gefährlich ist das?

Jünger und frischer auszusehen, das scheint heute unkompliziert möglich zu sein: Mit Botox und Dermal-Fillern lassen sich Falten einfach wegspritzen. Doch welche Komplikationen kann es geben?

Von: Katrin Frink

Stand: 11.03.2016

Falten weg mit Botox und Fillern - ein Risiko?

Jeder Mensch bekommt im Laufe des Lebens Falten. Sie entstehen durch die natürliche Hautalterung, durch die Betätigung der Gesichtsmuskeln, aber auch durch äußere Einflüsse wie Rauchen oder zu viel Sonnenbaden. Manche Menschen empfinden die Falten als sehr störend und lassen sich behandeln. Besonders beliebt sind Botulinumtoxin A, kurz Botox, und die Behandlung mit Fillern. Beide Faltenbehandlungen sind unter den TOP 5 der ästhetisch-plastischen Behandlungen. Doch nicht immer verlaufen sie ganz ohne Komplikationen: Es kann zu Entzündungen, Lähmungen und Knotenbildung kommen. Wie riskant sind Botox und Filler also?

Nur ein Pikser?

Ines Rodestock ist begeistert von Botox und Fillern. Es reichen ein paar Spritzen ihres Arztes und ihre Falten verschwinden für einen gewissen Zeitraum.

"Ich sehe danach frischer und positiv aus. Das Wichtigste ist für mich, dass ich mein Gesicht morgens jung und relaxed im Spiegel sehe und da fängt der Tag gut an."

Ines Rodestock

Ines Rodestock lässt sich seit mehreren Jahren schon Botox spritzen. Das Nervengift hemmt die Ausschüttung des Botenstoffes Acetylcholin, wodurch die Reizübertragung vom Nerv zum Muskel blockiert wird. Die Muskeln werden sozusagen gelähmt. Es wird vor allem bei mimisch bedingten Falten im oberen Gesichtsdrittel, wie an Augen und Stirn, angewendet. Vor allem die sogenannten „Sorgenfalten “, „Zornesfalte“ oder die „Krähenfüße“ werden damit behandelt.

"Die Mimikfalten lassen sich sehr gut mit Botulinumtoxin behandeln, aufgrund der Tatsache, wenn man eben die Aktivität dieser Mimikmuskeln reduziert, kommt es zu einem Verstreichen dieser ganz feinen Fältchen und das gibt dann, auch wenn das häufig anders kommuniziert wird, meiner Meinung nach durchaus einen natürlichen Effekt, wenn man es eben nicht übertreibt."

PD Dr. med. Gerd Gauglitz, Leiter Abteilung Ästhetische Dermatologie, LMU München

Die Behandlung wird ambulant durchgeführt und dauert etwa zehn bis 30 Minuten. Die Kosten liegen zwischen 300 und 500 EUR. Die Wirkung des Botox setzt nach ein paar Tagen ein und erreicht nach circa zehn Tagen den Höhepunkt. Insgesamt wirkt Botox etwa vier bis fünf Monate, dann hat der Körper es abgebaut und der Muskel arbeitet wieder normal.

Komplikationen durch Botox

Bei Botoxbehandlungen sind Komplikationen nicht ganz ausgeschlossen. In manchen Fällen kann es zu Rötungen, blauen Flecken oder Juckreiz an der Einstichstelle kommen.

Botox dürfen zwar nur Ärzte spritzen, dennoch sollte man als Patient einen Arzt mit Erfahrung aufsuchen. Denn wählt der Arzt eine zu hohe Dosierung oder spritzt falsch, kann es zum klassischen ausdruckslosen „Maskengesicht“ kommen oder zu Lähmungen im Gesichtsfeld.

"Wenn wir in den Stirnmuskel, der die Augenbraue mit nach oben zieht, zu viel spritzen, haben wir das Problem, dass die Augenbraue hängen kann. Das kann entweder auf beiden Seiten passieren oder eben nur auf einer Seite. Das ist für die Patienten ärgerlich, sieht unschön aus und ist meistens noch von einem  Schweregefühl dieses Stirnmuskels begleitet. Das heißt, es führt nicht selten auch zu Kopfschmerzen."

PD Dr. med. Gerd Gauglitz, Leiter Abteilung Ästhetische Dermatologie, LMU München

Die Erfahrung mit einer solchen Lähmung hat Anja Meichsner gemacht. Jahrelang ließ sie sich Botox spritzen, ohne Komplikationen. Im letzten Sommer gab ihre damals behandelnde Ärztin eine Einheit zu viel. Die Folge: eine hängende Augenbraue.  

"Das war ein sehr unangenehmes Gefühl, weil ich bin aufgewacht, das Auge ging nicht richtig auf, ich hatte Kopfschmerzen und ich war sehr verunsichert, weil ich im ersten Moment nicht gewusst habe, von was es kommt, woher es kommt und ob es wieder weg geht."

 Anja Meichsner

Die Lähmungen durch Botox  verschwinden allerdings spätestens nach drei bis vier Monaten, da die Wirkung des Nervengiftes nur zeitlich begrenzt hält. Anja Meichsners hängende Augenbraue war nach zwei Wochen wieder verschwunden. Generell sind die winzigen Mengen an Botox, die bei der Faltenbehandlung eingesetzt werden, harmlos. Eine Vergiftung des Körpers ist nicht möglich.

"Wir haben Erfahrungen über mindestens 25 Jahre mit Botox und sehen, dass es keine Langzeitnebenwirkungen gibt. Daher bin ich angstfrei, diesen Behandlungsansatz Patienten zu empfehlen."

  PD Dr. med. Gerd Gauglitz, Leiter Abteilung Ästhetische Dermatologie, LMU München

Filler polstern Falten auf

Anders als Botox funktionieren Filler. Die Faltenauffüllung mit Fillern ergibt Sinn, wenn sich der Patient an einzelnen tiefen Falten stört, z. B. an der Nasolabialfalte. Es gibt verschiedene Füllmaterialien, die Unterspritzung aber ist identisch. Die Falte wird unterfüttert, angehoben und verschwindet für einen gewissen Zeitraum, abhängig vom Füllmaterial. Die Behandlung dauert wenige Minuten bis zu einer halben Stunde, danach muss die Region gekühlt werden.

Der Markt ist schwer überschaubar

In Deutschland werden als Füllmaterialien hauptsächlich Hyaluronsäure, Calciumhydroxylapatit und Milchsäure verwendet. Für den Patienten ist der Markt allerdings schlecht überschaubar, denn es gibt ca. 160 Filler. Das Problem: Anders als Arzneimittel sind die Filler nicht zulassungspflichtig. Sie gelten als Medizinprodukte. Die strengen Anforderungen wie bei Medikamenten gibt es also nicht. Welches Präparat ein Arzt anwendet, liegt in seiner Hand. Für den Patienten heißt das, gut informieren und notfalls eine Zweitmeinung einholen. Es sollten nur gut erforschte Präparate verwendet werden.

Vorteil von Hyaluronsäure

An der Uniklinik Tübingen ist Dr. Claudia Borelli Expertin für Behandlungen mit Botox und Fillern. Sie benutzt vorwiegend Filler mit abbaubarer Hyaluronsäure. Der Vorteil: Hyaluronsäure kommt auch von Natur aus im Körper vor. Nach zwölf bis achtzehn Monaten ist das Füllmaterial im Körper abgebaut. 

"Wir wollen ja, dass das Füllmaterial wieder abgebaut wird vom Körper und da ist Hyaluronsäure ein ideales Produkt. Zum anderen gibt es bei der Hyaluronsäure, wenn man zu viel einspritzt, ein Mittel, mit dem man die Hyaluronsäure  wieder auflösen kann. Das unterscheidet sie von den anderen Fillern oder Füllmaterialien, wo das nicht möglich ist."

PD Dr. med. Claudia Borelli, Leiterin Einheit für Ästhetische Dermatologie, Uniklinikum Tübingen

Ärzte warnen vor den sogenannten Permanentfillern, die nicht abbaubar sind. Sie haben in der Vergangenheit  besonders häufig zur Knotenbildung geführt und  kommen daher auch kaum noch zum Einsatz. Im Prinzip kann aber jede Filler-Behandlung Probleme bereiten, wie Rötungen, Schwellungen, blaue Flecken oder Knotenbildung.

"Wenn sehr oberflächlich oder zu oberflächlich eingespritzt wird mit Hyaluronsäure, kann es zu Verfärbungen der Haut kommen: einer leichten Blauverfärbung oder einer Weißverfärbung. Und dann ist die gravierendste langfristige Nebenwirkung die Granulombildung, also dass sich Knoten in dem Areal, wo der Filler eingespritzt wurde, bilden."

PD Dr. med. Claudia Borelli, Leiterin Einheit für Ästhetische Dermatologie, Uniklinikum Tübingen

Lassen sich die Knoten nicht medikamentös behandeln, müssen sie im schlimmsten Fall operativ entfernt werden.

Unser Tipp: Entscheiden Sie sich bei einer Faltenbehandlung mit Fillern für Materialien, die auch für den Gesichtsbereich erforscht sind, den Sie behandeln lassen möchten. Wenden Sie sich am besten an erfahrene Dermatologen oder Plastisch-Ästhetische Chirurgen. Beide Berufsgruppen kennen die Anatomie des Gesichtes genau.  

Ines Rodestock hat bisher übrigens keine negativen Erfahrungen mit Fillern und Botox gemacht. Angst vor Nebenwirkungen hat sie nicht.


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