BR Fernsehen - Frankenschau


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Lost Places in Franken Charme der Einsamkeit

Für die einen runtergekommene Ruinen, für die anderen nostalgisches Kopfkino. So genannte "Lost Places" - verlassene Orte sind der neue Trend unter Hobbyfotografen. Auch Marcel Hempfling und Christian Jakob erkunden regelmäßig leer stehende Gebäude.

Stand: 17.10.2016

Menschenleer, unberührt und verlassen - solche Plätze ziehen Marcel (25) und Christian (19) magisch an. Stillgelegte Industrieanlagen, alte Hotels und verlassene Krankenhäuser sind Ziele ihrer Entdeckungstouren. Fast jedes Wochenende suchen sie nach neuen Motiven für ihre Fotos. Dafür fahren sie quer durch Franken - um die 300 Kilometer im Monat. Die Leidenschaft für Geschichte und die Hoffnung, verloren geglaubte Orte vor die Linse zu bekommen, treiben die jungen Männer an. Dabei ist die moderne Spurensuche oft ein Glücksspiel.

"Dieses Gefühl, wenn du allein in diesem Ort stehst,  ist einfach der Wahnsinn. Es fasziniert mich, wie unberührt und gut erhalten manche Gebäude sind. Als wäre die Zeit stehen geblieben. Und doch ist ihr Schicksal besiegelt. Denn die Natur holt sich alles irgendwie von alleine zurück, da wachsen Bäume durch die kaputten  Fenster oder die Decke stürzt ein. Alles ist vergänglich."

Marcel Hempfling

Angefangen hat die Leidenschaft schon vor fünf Jahren. Seitdem haben die beiden Hobbyfotografen aus Kronach über 200 verlassene Orte dokumentiert. Es gibt genug Bauwerke, die nicht einfach spurlos verschwinden, sondern langsam verfallen. Das Aufspüren von "Lost Places" ist eine Kunst für sich. Marcel und Christian recherchieren im Internet, sichten alte Zeitungsartikel oder bekommen Tipps. Wenn es geht, nehmen sie vorher mit dem Besitzer des jeweiligen Anwesens Kontakt auf. Doch oft genug bewegen sie sich mit ihren Erkundungstouren auch mal am Rande der Legalität.

Schönheit des Morbiden

Im Gebäude selbst gibt es klare Regeln. "Nimm nichts mit außer Bilder und hinterlasse nichts außer Fußspuren." Dieser Ehrenkodex gilt in der gesamten Szene. "Urban Explorer" nennen sie sich - Stadtforscher. Ein Dutzend davon gibt es hierzulande. Dazu gehören Marcel und Christian. Sie fassen nichts an. Sie nehmen nichts mit. Sie machen nur Fotos. Die Motive aus längst vergangenen Tagen laden sie auf Facebook. Dort teilen sie mit ihren Fans die gemeinsame Leidenschaft für die Schönheit des Morbiden.


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