BR Fernsehen - Faszination Wissen


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Recycling Neue Chancen für alte Stoffe?

Deutsche gelten als die "Könige des Recyclings". Wie gut sind wir dabei wirklich? Wann ist Recycling sinnvoll und wann nicht? Faszination Wissen rückt ein paar Mythen zurecht.

Stand: 22.04.2014

Ein Film von Susanne Delonge

Wie viel unseres Mülls wird recycelt?

Mehr als 60 Prozent des Hausmülls in Deutschland wird recycelt.

Das ist doch toll, oder?

Schaut man sich die Wiederverwertungsquoten von Papier und Glas an, sind wir recht erfolgreich. Bei vielen anderen Stoffen, Plastikmüll und Kleidung zum Beispiel, sieht die Sache schon wieder anders aus.

Warum sind Plastikmüll und Kleidung schwerer wiederzuverwerten?

Das Problem bei Plastikmüll, besonders bei Verpackungen, ist, dass viele unterschiedliche Kunststoffarten verwendet werden, die sich schlecht voneinander trennen lassen. Nur 20 Prozent des gesammelten Plastikmülls werden recycelt. Der Rest endet als Brennstoff, wird "thermisch verwertet", wie Fachleute das nennen.

Was passiert mit Kleidung, wenn man sie in den Container geworfen hat?

Was dagegen mit Kleidung aus dem Altkleider-Container passiert, kann man nicht Recycling nennen. Mehr als die Hälfte der gebrauchten Kleidung wird ins Ausland, meist Osteuropa oder Afrika, verkauft und weiterverwendet - statt wiederverwertet. Der Rest taugt nur noch für weniger aufwändige Stoffe wie zum Beispiel Putzlappen, Autoinnenverkleidungen oder Malerfilze. Dazu müssen Stoffe aufwändig bearbeitet werden: Nach Material und Farben sortiert, dann meist gereinigt oder entfärbt und von Knöpfen und Reißverschlüssen befreit werden, bevor sie in den Schredder geworfen werden können. Nach dem Schreddern sind die Fasern dann zu kurz und zu grob, um wieder T-Shirts oder Hosen aus dem entstandenen Material zu produzieren. Nur Schnittreste eignen sich noch zur Wiederverwertung.

Warum ist es nicht sinnvoll, PET-Flaschen zu Kunstfasern zu verarbeiten?

PET-Flaschen kann man zu Kunstfasern verarbeiten.

Kunststofffasern kann man aus alten PET-Flaschen herstellen, allerdings müssen die Flaschen vorher mit viel Energieaufwand eingeschmolzen werden. Meist passiert das in Asien. Da PET-Flaschen dort aber inzwischen knapp werden, müssen die Flaschen aus Europa und Amerika per Schiff importiert und die fertigen Kunstfasern dann wieder nach Europa und Amerika exportiert werden.

Kann man Autoreifen recyceln?

Das muss man seit 2006 sogar in der EU. Allerdings funktioniert das in der Praxis noch nicht so effektiv, wie es wünschenswert wäre. Derzeit sieht Recycling von Reifen etwa so aus: Bei einem Altreifenhändler in Weiden in der Oberpfalz werden jährlich rund 650.000 Tonnen Altreifen abgeliefert. Ein Drittel davon wird ins Ausland verkauft. Die Reifen können noch weiter benutzt werden, allerdings nicht in Deutschland - der strengen Vorschriften wegen. Zwei Drittel der Reifen werden recycelt, das heißt geschreddert und in Gummi(-granulat) und Fasern getrennt. Aus Gummigranulat kann man keine neuen Reifen machen, aber zum Beispiel Matten. Die Fasern können bisher noch nicht sinnvoll verwendet werden, Forscher arbeiten aber schon daran.

Fazit

Downcycling statt Recycling

Was wir Recycling nennen, ist oft Downcycling: Stoffe werden wiederaufbereitet, wobei minderwertigere Materialien entstehen, die nicht mehr wie die Ausgangsprodukte eingesetzt werden können. Aus unseren alten T-Shirts und Jeans werden also niemals neue T-Shirts und Jeans, sondern Dämmstoffe oder Putzlappen. Bei der Wiederaufbereitung von alten PET-Flaschen zu Kunstfasern, führt der Produktionsprozess den Recycling-Gedanken ad absurdum. Sinnvoller wäre es, PET-Flaschen zu verbrennen, um wenigstens die Energie, die bei der Herstellung verbraucht wurde, wieder zurück zu gewinnen, meint Kai Nebel von der Hochschule Reutlingen. Der endlose und damit effektive Kreislauf der Dinge muss erst noch erfunden werden. Man kann aber persönlich dazu beitragen, Ressourcen zu schonen, indem man bewusst und nachhaltig konsumiert.

Bewusster Konsum

Wer wirklich rohstoffschonend leben will, sollte:

  • Materialien verwenden, die mehrfach wiederaufbereitet werden können. Glas kann zum Beispiel zehnmal wieder eingeschmolzen und Papier fünfmal (mit Zugabe von Frischware) wiederverwendet werden.
  • Nur Kaufen, was man wirklich braucht.
  • Dinge erst dann entsorgen, wenn sie wirklich aufgetragen oder kaputt sind.

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