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Papier Wunderstoff oder reif für die Tonne?

Einst war Papier purer Luxus, heute ist es ein Allerweltsprodukt. Während wir es als Toilettenpapier schätzen, verfluchen wir es, wenn es sich daheim und in der Arbeit stapelt. Wie produziert man weniger Papiermüll?

Stand: 15.06.2016

Ein Film von Boris Geiger

Wie viel Papier verbrauchen wir?

22,5 Millionen Tonnen frisches Papier produziert Deutschland pro Jahr und ist damit der viertgrößte Produzent der Welt. Das müssen wir aber auch sein, denn der Verschleiß hierzulande ist vergleichsweise groß: Wir verwenden genauso viel Papier wie die Menschen in Afrika und Südamerika zusammengenommen. Pro Kopf und pro Jahr sind das rund 250 Kilogramm Papier.

Warum sollte man Papier sorgsam einsetzen?

Die Herstellung von Frischfaser-Kopierpapier verbraucht viel Energie.

Die Papierindustrie verschlingt viel wertvolle Rohstoffe (Holz, Wasser) und verbraucht viel Energie dabei. So ist beispielsweise für die Herstellung einer Tonne Frischfaser-Kopierpapier so viel Energie nötig wie für die Herstellung einer Tonne Stahl. In anderen Ländern wird dafür kostbarer Urwald abgeholzt - und wir importieren dieses Papierholz auch nach Deutschland.

Wie kann man Papier sparen?

Papier ist ein wertvolles Material und sollte nicht unnötig verschwendet werden. Hier ein paar Tipps, wie Sie Papier sparen können:

Papier-Spar-Tipps

Umweltsiegel

Umweltsiegel "Blauer Engel"

Kaufen Sie Recyclingpapier. Dessen Herstellung spart bis zu 60 Prozent Energie und 70 Prozent Wasser im Vergleich zu Frischfaserpapier. Achten Sie dabei auf Umweltsiegel. Evelyn Schönheit vom "Forum Ökologie & Papier" empfiehlt den "Blauen Engel" vom Umweltbundesamt. Nur dieses Siegel garantiert, dass Papierprodukte zu 100 Prozent aus Altpapier hergestellt wurden. Das FSC-Siegel steht zwar für nachhaltige Waldwirtschaft, aber Papier mit diesem Siegel wird in der Regel aus Frischfasern hergestellt - wenn nicht ausdrücklich Recyclingpapier dabeisteht. Siegel, bei denen die Vergabekriterien nicht klar sind, bringen gar nichts.

Briefkasten

Wer seinen Briefkasten leeren und gleichzeitig etwas fürs Klima tun möchte, der klebt einen Aufkleber gegen Werbe-Wurfsendung und Anzeigenblätter auf die Klappe. Den kann man selbst schreiben oder im Fachhandel kaufen.

Werbung

Ungefragt zugesandte Werbung einfach zurückschicken! Evelyn Schönheit vom "Forum Ökologie & Papier" erklärt, wie das geht: "Wenn man adressierte Werbung von Unternehmen bekommt, beispielsweise einen Katalog, den man nicht haben möchte, dann kann man einfach vorne darauf schreiben ‚Bitte zurück an den Absender' und die Sendung dann unfrankiert in den Briefkasten werfen. Damit ist das Thema erledigt."

Im Büro

Drucken Sie nur das Nötigste aus. Speichern Sie Wichtiges mit Sicherheitskopien und richten Sie eine Online-Ablage ein. Informieren Sie sich über das "papierlose Büro". Hier geht es zu einem spannenden Selbstversuch:

Pappbecher

Verzichten Sie auf den "Coffee to go" im Pappbecher. Immer! Der Umwelt zuliebe. Evelyn Schönheit hat immer einen eigenen Thermobecher dabei und bekommt damit manchmal sogar Rabatt. Mit den 4 Kilowattstunden Strom, die sie dabei im Jahr spart, kann sie 280 Tassen Kaffee kochen!

Geschenkpapier

Werden Sie kreativ und suchen Sie wiederverwendbare Produkte, mit denen Sie Geschenke einwickeln. Zum Beispiel: Tücher, Stoffbeutel, Kleidung, Tassen oder schicken Sie den Beschenkten auf eine Schnitzeljagd und verstecken Sie das Geschenk an einem ganz besonderen Ort. Den dann aber nicht vergessen.

Fazit

Es hat lange gedauert, bis Papier von so guter, beschreibbarer Qualität war wie heute. Dafür musste das Produkt durch viele Hände gehen, die es verfeinerten: Vor 2.000 Jahren hat es wohl ein Chinese namens Tsai Lun erfunden. Dann gelangte es über die Jahrhunderte nach Japan, Arabien, Spanien und 1390 nach Nürnberg. Früher war Papier Luxus, jetzt ist es ein Allerweltsmaterial, das aber trotzdem ein hohes Ansehen verdient hat - und Schutz! Denn die Herstellung von Papier verbraucht immens viel Holz und Energie. Papier sollte deshalb sinnvoll eingesetzt werden.

Zum Beispiel, um Wissen zu archivieren und für alle zugänglich zu machen. Oder, um Menschen zu schützen. Wie das gehen soll? Die Technische Universität Darmstadt zeigt, was für ein wertvoller und vielseitiger Werkstoff Papier ist und hat Prototypen für ein Haus aus Pappe entwickelt. Das Haus, "Instant Home" genannt, kann komplett zusammengefaltet versandt und am Zielort einfach wie ein Origami-Kunstwerk ausgeklappt werden - mit Inneneinrichtung! Die dicke Wabenpappe kann je nach Bedarf beschichtet werden: wasserabweisend, hitzebeständig oder antibakteriell. Wozu das gut sein soll? In Krisengebieten könnte dieses mobile Heim aus Pappe ein stabiles, wetterfestes und umweltfreundliches Eigenheim sein, das mehr Schutz und Privatsphäre bietet als ein Zelt.


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