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Schrott mit Ansage Warum Produkte immer früher kaputtgehen

Für Bastler ein Paradebeispiel: Ein Milchaufschäumer mit Schrauben und verklebtem Boden. Macht für Kunden keinen Sinn, aber für den Hersteller. Denn so lässt sich das Gerät nicht reparieren, ohne es zu zerstören - und ein neues kaufen zu müssen. Dahinter steckt System, vermuten Verbraucherschützer.

Stand: 09.12.2014

Ein Film von Tobias Hübner

Was heißt "geplante Obsoleszenz"?

Obsoleszenz heißt, dass Geräte altern. Das ist normal. Nicht normal ist die "geplante Obsoleszenz". Darunter versteht man, dass Geräte Sollbruchstellen enthalten und geplant frühzeitig kaputtgehen oder nicht repariert werden können.

Werden Geräte so gebaut, dass sie schneller altern?

Stefan Schridde, der lange Controller und Berater in Industrieunternehmen war, sagt: "Oh ja!". Auf der Internetseite www.murks-nein-danke.de sammelt er Berichte über Elektrogeräte, die kurz nach Ablauf der Garantiezeit kaputtgegangen sind. Auch Edbill Grote glaubt, dass es die "geplante Obsoleszenz" gibt. Er überprüft seit 25 Jahren im Auftrag von Herstellern elektronische Bauteile und vergibt ein Prüfsiegel.

Was sagt der VDE zur "geplanten Obsoleszenz"?

Jürgen Ripperger vom Prüfinstitut des Verbandes der Elektrotechnik (VDE) sagt, dass es die "geplante Obsoleszenz" von Geräten nicht gibt. Der Konkurrenzkampf auf dem Markt setze die Hersteller unter Druck. Das führe dazu, dass minderwertige Teile in Geräte eingebaut werden, weil diese immer kleiner, flacher und leichter werden sollen. Nicht die Hersteller bestimmten, was produziert wird und welche Qualität, sondern der Markt - das heißt also die Kunden.

Fazit

Ob es die "geplanten Obsoleszenz" von Geräten gibt, ist umstritten. Während die Kritiker Beweise sammeln, sagen Vertreter der Industrie, dass es keine "geplante Obsoleszenz" gibt, denn nicht die Hersteller bestimmen, was produziert wird und welche Qualität, sondern der Markt, also die Kunden.

Kunden können sich gegen "Schrott mit Ansage" wehren, indem sie keine Billiggeräte kaufen, auf Prüfsiegel und hochwertige Bauteile achten und alte Geräte reparieren oder reparieren lassen. Hilfe findet man zum Beispiel in sogenannten Repair-Cafés, in denen sich Ehrenamtliche vom Fach kaputte Geräte anschauen und - wenn noch möglich - bei der Reparatur helfen. Kundenfreundlich wäre es, wenn Hersteller angeben müssten, wie lange ein Gerät halten soll. Dann könnte jeder selbst entscheiden, ob er öfter ein billiges Gerät kaufen will oder einmal ein teures, das lange hält.

Link-Tipps

Mehr zu Repair-Cafés in Deutschland und die Homepage "Murks-nein-danke" finden Sie hier:


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