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Klimawandel Tiere und Pflanzen in den Alpen unter Druck

Ein Ausflug in den Alpen ist wie eine Wanderung von Bayern zum Polarkreis: Mit jedem Schritt, jedem Höhenmeter ändert sich das Klima. Die Alpen sind also eine Art Vergrößerungsglas für die Folgen des Klimawandels.

Stand: 23.11.2015

Ein Film von Christian Friedl

Warum sind die Pflanzen und Tiere in den Alpen so empfindlich?

Besser Bescheid wissen!

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Pro hundert Höhenmeter sinkt die Jahrestemperatur in den Alpen um ein halbes Grad. Um dasselbe in der Ebene zu erreichen, müsste man ganze 100 Kilometer nach Norden wandern. Das wiederum bedeutet: Schon kleine Temperaturveränderungen haben große Auswirkungen auf die Überlebensfähigkeit von Pflanzen und Tieren. Das Problem: Nicht alle Lebewesen des Alpenraums können so einfach nach oben "umziehen", nur weil es ihnen in ihrer ursprünglichen Höhe zu warm geworden ist.

Was bedeutet der Klimawandel für den Bergwald?

Der Borkenkäfer ist gefährlich für Fichten und zugleich ein Wegbereiter für den Mischwald.

Im Klimawandel haben die Fichtenmonokulturen der Alpen keine Chance. Wenn Stürme und Dürren zunehmen, werden die Bäume geschwächt: Sie sterben ab und kippen um. Dann kommt der Borkenkäfer und gibt den sterbenden Bäumen den Rest. Was bedrohlich klingt, ist eigentlich nicht schlimm. Denn so wird Platz geschaffen für einen neuen Wald, einen, der besser an die Höhe und auch den Klimawandel angepasst ist: ein Bergmischwald mit vielen Buchen, ein paar einzelnen Tannen und nur wenigen Fichten.

Welche Arten können in die Höhe klettern?

Grundsätzlich können viele Pflanzen vor der Wärme fliehen, sie brauchen nur genügend Zeit: Buchen zum Beispiel könnten in ein paar Jahrzehnten bis zu 400 Meter höher am Berg wachsen. Problematischer wird es für die Köcherfliegenlarven, Hakenkäfer oder Stelzmückenlarven. Das sind kleine Insekten, die in Bergquellen leben. Robuste Tiere aus tiefer gelegenen Fließgewässern könnten in Zukunft ihre Quellen besiedeln, doch sie können nicht weiter wandern. Weiter oben gibt es nämlich solche Quellen nicht mehr.

"Das bedeutet für die Quellen, dass da wahrscheinlich dramatische Änderungen vor sich gehen werden. Das Problem ist, dass die Temperaturschwankungen in den Quellen normalerweise zwei bis drei Grad betragen. Hier in diesem Gebiet haben wir ungefähr 800 Tierarten gefunden, wovon 250 Tierarten an diese Temperaturschwankungen angepasst sind. Die werden aussterben, wenn sich die Temperaturen um vier Grad erhöhen."

Helmut Franz, Biologe

Was passiert ganz oben am Berg?

Die gute Nachricht: Die Trockenperioden werden zunächst nur im Tal stärker. Die Almwirte, Tiere und Pflanzen, die weiter oben in den Alpen leben, werden auch in Zukunft genügend Wasser haben. Zum einen kommt hier noch mehr Wasser vom Gletscher an. Zum anderen verdunstet weniger, weil es hier oben kälter ist als im Tal.  

Problematisch wird es dennoch für einige Bewohner des obersten Stockwerks wie den Bayerischen Enzian, den Gletscher-Hahnenfuß oder den Moos-Steinbrech. Sie können nicht mehr weiter nach oben ziehen. Außerdem nehmen die Zuzügler von unten, die oft größer sind, das Licht. Einige werden wohl ganz aussterben.


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