BR Fernsehen - Faszination Wissen


43

Virtuelles Wasser Die versteckte Wasserverschwendung

Auch wenn wir beim Zähneputzen, Wäschewaschen oder Klospülen sparsam damit umgehen, wir verbrauchen viel mehr Wasser als wir denken. Denn jedes Alltagsprodukt hat einen Wasserfußabdruck, den wir nicht sehen.

Stand: 20.06.2014

Ein Film von Anja Hentschel und Monika Eder

Was ist virtuelles Wasser?

"Virtuelles Wasser" ist das Wasser, das beim Anbau oder bei der Herstellung von Produkten verbraucht oder verschmutzt wird.

Wie wird der "Wasserfußabdruck" ermittelt?

Der Wasserfußabdruck soll zeigen, wie viel Wasser wir insgesamt verbrauchen - aus der Leitung und virtuell. Erfunden hat ihn Arjen Hoekstra, Professor für Wassermanagement an der niederländischen Universität Twente. Arjen Hoekstra und sein Team erfassen alle Herstellungsschritte eines Produktes und analysieren dann den Wasserverbrauch und die Wasserverschmutzung in jedem Schritt der Produktions- und Lieferkette. Dazu durchforsten die Wissenschaftler Handelsbilanzen, Statistiken, nutzen Fernerkundungsdaten von Satelliten und vergleichen Produktionsarten.

Wieso kann Wasser "grün", "blau" oder "grau" sein?

Diese Farb-Palette hilft Wissenschaftlern dabei, Wasserverbrauch nach Schädlichkeit einzuteilen. "Grünes Wasser" heißt Regenwasser. Sein Verbrauch ist an sich nicht schädlich, kann aber zu Problemen führen, denn es macht einen Unterschied, ob man Regenwasser nutzt, um Essen für Menschen herzustellen, Pflanzen für Bioenergie anzubauen oder Futterpflanzen zu bewässern, die für den Export bestimmt sind.

"Blaues Wasser" steht für Wasser aus Flüssen, Seen und das Grundwasser. Was passiert, wenn "blaues Wasser" übermäßig verbraucht wird, zeigt der Aralsee: Er ist aufgrund des wasserintensiven Anbaus von Baumwolle in dieser trockenen Region inzwischen fast ganz ausgetrocknet. Als "Graues Wasser" wird Schmutzwasser bezeichnet, das die Wasserbilanz eines Produktes deutlich verschlechtert.

Was hilft wirklich beim Wassersparen?

Generell hilft es, weniger Fleisch zu essen, Lebensmittel saisonal sowie regional einzukaufen, weniger Kleidung zu kaufen und diese länger zu tragen, auf Biobaumwolle statt konventionell hergestellte Baumwolle zu setzen und auch mal gebrauchte Produkte zu kaufen.

Im Supermarkt wassersparsam einzukaufen, ist sogar für Wasserexperten schwierig. Hier ist die Politik gefragt, die den Konsumenten beim Überblick über den Wasserfußabdruck von Produkten helfen könnte - indem sie die Informationsmöglichkeiten verbessert, zum Beispiel durch ein Wasser-Siegel auf den Produkten. Ein Traum, aber bisher nur Wunschdenken, wäre eine internationale Strategie und eine weltweite Organisation, die sich damit beschäftigt, wie Wasser auf der Erde sinnvoll genutzt werden könnte.


43