BR Fernsehen - Faszination Wissen


24

ADHS Krankheit oder Konstrukt?

Immer mehr Kinder leiden angeblich an ADHS. Ihnen werden immer mehr Medikamente verschrieben, die ihnen helfen sollen, still zu sitzen. Dabei streiten Forscher und Ärzte, ob Hyperaktivität überhaupt eine Krankheit ist.

Stand: 16.10.2013

Ein Film von Tobias Hübner

Was heißt ADHS?

ADHS steht für Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung. In Deutschland sind heute angeblich circa 600.000 Kinder und Jugendliche betroffen. Sie fallen auf durch ihre Unkonzentriertheit, ihren starken Bewegungsdrang und ihre Impulsivität. Kommt Aggressivität dazu, eskalieren die Probleme. Viele von ihnen bekommen Medikamente, damit sie still sitzen. Dabei streiten Forscher und Ärzte noch, ob ADHS überhaupt eine Krankheit ist.

Woher kommt ADHS?

Die Schulmedizin sagt, dass ADHS vererbt wird. Falsch geschaltete Gene verursachen eine Funktionsstörung im Gehirn. Die Gegenmeinung: ADHS entsteht, wenn das Zusammenspiel zwischen Kind und Umfeld nicht richtig funktioniert. Jedes Kind hat sein eigenes Temperament. Die Familie und das soziale Umfeld brauchen Energie und die Ruhe, damit umzugehen. Klappt das nicht, lernt das Kind von niemandem, sein Temperament zu zügeln.

Wie wird ADHS behandelt?

In den vergangenen Jahrzehnten stieg die Zahl der Diagnosen schlagartig an. Es werden auch immer mehr Medikamente verschrieben. Experten weisen darauf hin, dass die Behandlung von ADHS mit Tabletten - unter ärztlicher Aufsicht - nur ein Teil der Therapie ist. Diese sollte mit einer Verhaltenstherapie kombiniert werden. Oder zum Beispiel mit Verfahren wie dem Neurofeedback, bei dem die Hirnströme von ADHS-Patienten gemessen und mit Konzentrationsstrategien in Balance gebracht werden sollen.

Was hilft Betroffenen wirklich?

ADHS lässt sich nicht klar abgrenzen: Der Übergang vom Zappelphilipp zum aggressiven Störenfried ist fließend. Bei jedem Kind trägt die Störung andere Züge. Obwohl das eine Früherkennung erschwert, wären Präventionsprogramme in Kindergärten sinnvoll. Sie könnten Menschen, die wirklich unter Aufmerksamkeitsstörungen leiden, schon frühzeitig das Leben erleichtern. Denn auch die Betroffenen leiden unter ihrem Anderssein, den Konflikten, die sie erzeugen und ihrem meist zwangsläufigen Außenseitertum. Menschen mit ADHS passen nicht ins System. Es hilft ihnen aber enorm, trotz ihrer Störung den Rücken gestärkt zu bekommen und Strategien zu lernen, mit ihren Konzentrationsstörungen umzugehen.


24