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Griechenland Invasion der Chinesen

Der Strand von Perissa ist einer der Hotspots auf Santorini. Schon Anfang Mai ist hier Badesaison. Besonders macht den Strand der schwarze vulkanische Sand.

Von: Christian Limpert

Stand: 28.05.2017 | Archiv

Santorini | Bild: BR

Tausende Europäer machen hier Urlaub: zwischen April und Oktober. Seit Jahrzehnten ist das so, allen Krisen zum Trotz. Ja, und jetzt kommt Verstärkung aus Fernost: Touristen aus China, 150.000 waren es allein 2016. Und ihre Zahl steigt um 20 Prozent pro Jahr. Drei Tage bleiben sie im Schnitt: Gucken, Fotografieren, Staunen, Heiraten, ja, auch heiraten.

"Es ist so wunderschön hier. In unserem Land können wir so etwas nicht sehen. Und für uns sind es hier unsere Flitterwochen. Ich denke, das hier ist einer der besten Plätze für die Flitterwochen."

Liu, Tourist aus China

Strandbar statt Sonnenbad: Um Kultur und Kulinarisches an den chinesischen Touristen zu bringen, verändert sich Santorini: Das Tagesmenü auf Chinesisch, begleitet von griechischen Gitarrenklängen. Restaurantbesitzer Giannis hat deutsche Wurzeln. 40 Prozent seiner Kunden sind inzwischen Chinesen. Gut fürs Geschäft sagt er, auch wenn sie beim Trinkgeld eher zurückhaltend sind.

"Die brauchen keine erlesenen Sachen. Die zeigen auf das Foto: 'Ich will das.' Und dann ist fertig! Und wenn du es bringst, dann passt das. Es ist nicht wie bei den Europäern: 'Kannst du mir das ändern?' 'Ich will’s nicht so.' 'Ich will das mit dieser Soße.' 'Ich will keine Pilze.'"

Giannis Georgakis, Besitzer Mermaid Perissa

Fira, die Hauptstadt von Santorini, berühmt für die Aussicht – für chinesische Paare der Ort um zu Heiraten. Ein Traum in Weiß ab 1500 Euro. Das Foto für Freunde und Familie ist im Standardpreis dabei.

Fast immer sind die Pärchen alleine hier, sagen Antonia Veskou und Dimitra Bratika. Die beiden Griechinnen haben sich auf Hochzeiten chinesischer Paare spezialisiert. Noch geht es den meisten nur um schöne Bilder, sagen sie. Bald aber könnten große chinesische Hochzeiten das große Geschäft bringen.

"Sie sind sehr offen für andere Kulturen und wollen besonders über die griechische Geschichte viel wissen. Aber in manchen Dingen sind sie ungeübt. Sie fragen immer nach ihrer eigenen Küche. Und auf den Ausflügen, die wir organisieren, möchten sie dann wieder ihre eigenen Sitten anwenden."

Antonia Veskou, Hochzeitsplanerin

Manolis Karamolegos

Chinesische Gewohnheiten! Das macht sich so bemerkbar: Überall auf der Insel gibt es jetzt China-Restaurants und Asia Food, auch hier Tendenz steigend. Toll, finden die chinesischen Touristen.
Hoteliers und Gastronomen wie Manolis Karamolegos sind in der Zwickmühle. Dank chinesischer Touristen laufe das Geschäft auf der Insel auch in den schwachen Wintermonaten gut, sagt er. Gleichzeitig sehe er, dass sich die Insel durch die chinesischen Touristen verändere:

"Unser Problem ist, wie wir als Gesellschaft und Unternehmer die Merkmale, die diese Insel bietet, bewahren können. Wir dürfen unser Angebot nicht auf nur eine Besuchernation ausrichten. Wir müssen darauf bestehen, das hervorzuheben, was uns besonders macht: Und das sind unsere lokalen Produkte, unsere Kultur, unsere Architektur, unsere Charakter."

Manolis Karamolegos, Vorsitzender der Hoteliers auf Santorini

Lan Xiao Cheng

Probleme, mit denen sich Lan Xiao Cheng nicht beschäftigt. Er hat in Athen ein Reisebüro nur für Kunden aus China eröffnet. Griechenland sei dort noch viel zu unbekannt, sagt er und will das ändern.

"Wir brauchen endlich bessere Promotion. Was immer noch fehlt: Griechenland-Werbung auf dem chinesischen Markt, damit sich noch mehr Chinesen für Griechenland und die Inseln hier interessieren."

Lan Xiao Cheng, Athens Silk Road Travel

Sonnenuntergang, das beliebteste Motiv, auch bei den chinesischen Touristen. 1,5 Millionen von ihnen könnten schon bald pro Jahr nach Griechenland kommen: Direktflüge von Peking nach Athen sollen das möglich machen. Santorini allerdings ist schon diesen Sommer komplett ausgebucht.


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