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Bayerns größter Justizirrtum Mollath - Und plötzlich bist du verrückt

Es war Bayerns bekanntester Justizskandal: Sechs Jahre nachdem Gustl Mollath in die Psychiatrie eingewiesen worden war, wurden Zweifel an der Rechtmäßigkeit und der Verhältnismäßigkeit seiner Unterbringung laut. Nach siebeneinhalb Jahren kam er schließlich als Folge des öffentlichen Drucks frei.

Stand: 13.07.2016

Mollath - Und plötzlich bist du verrückt | Bild: BR/Man on Mars Filmproduktion.

Es ist der wohl größte Justizskandal, der Bayern in den letzten Jahren erschüttert hat: Gustl Mollath, der Betreiber einer auf die Restaurierung von Oldtimern spezialisierten Kfz-Werkstatt, wurde nach der Trennung von seiner Frau wegen angeblicher körperlicher Gewalt und Sachbeschädigung in den „psychiatrischen Maßregelvollzug“ eingewiesen.

Gustl Mollath im Gerichtssaal

Doch nach sechs Jahren in der Psychiatrie wurden nach Recherchen von Journalisten zahlreiche Zweifel an den damaligen Vorwürfen und der Rechtsstaatlichkeit des Verfahrens laut. Obendrein hatte Mollath vor seiner Einweisung versucht, die Schwarzgeldgeschäfte seiner Frau aufzudecken – doch weil man ihn für unzurechnungsfähig hielt, wurde den Vorwürfen nicht nachgegangen.

Tatsächlich erwiesen sich diese später als wahr. Der Verdacht, man habe mit der Einweisung diese Schwarzgeldgeschäfte vertuschen wollen, machte Mollath zu einer öffentlichen Person, vom unzurechnungsfähigen Täter wurde er zum Opfer eines Justizirrtums und zum heldenhaften Märtyrer stilisiert. Sein Fall löste eine kontroverse Debatte über Schuld und Unschuld, die Staatsgewalt und die Unterbringung im psychiatrischen Maßregelvollzug aus.

Filminfo

Originalitel: Mollath - Und plötzlich bist du verrückt (D, 2015)
Regie: Annika Blendl und Leonie Stade
Darsteller: Gustl Mollath, Gerhard Strate, Otto Lapp, Beate Lakotta
Länge: 90 Min.
Audiodeskription, VT-UT, 16:9, stereo

Am 14.08.2014 wurde Gustl Mollath in einem Wiederaufnahmeverfahren freigesprochen. Doch die Begründung "Im Zweifel für den Angeklagten" reichte ihm nicht. Vertreten durch einen neuen Anwalt, legte er Revision ein, die der Bundesgerichtshof am 9. Dezember 2015 jedoch ablehnte.

Die Dokumentarfilmerinnen Annika Blendl und Leonie Stade fragten sich, wer der Mensch Mollath ist und begleiteten ihn nach seiner Freilassung bis zur Wiederaufnahme des Verfahrens mit der Kamera – und zeichnen ein intensives und differenziertes Porträt von ihm.

Mollath in Freiheit

„Wir wissen nicht, ob Gustl Mollath die Vergehen begangen hat, die ihm vorgeworfen wurden. Also sagen wir nichts darüber. Uns interessieren die Graustufen zwischen wahr und falsch", so die Regisseurinnen Annika Blendl und Leonie Stade. Sie begleiteten Gustl Mollath neben ihrem Studium in Dokumentarfilmregie an der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) München von seiner Freilassung bis zum Beginn des Wiederaufnahmeverfahrens.

Im Mittelpunkt ihrer Dokumentation stehen Mollaths erschütternde Schilderungen der Entmündigung und der Zeit in der Psychiatrie, aber auch seine mitunter skurril anmutende Weltsicht. Blendl und Stade lassen nicht nur Mollath zu Wort kommen, sondern besuchten Solidaritätskundgebungen, sprachen mit Freunden, Anwälten und Journalisten. Entstanden ist so nicht nur ein sehr facettenreiches Porträt des Menschen Gustl Mollath, sondern auch eine spannende Untersuchung der Dynamik öffentlicher Meinungsbildung.

"Mollath – Und plötzlich bist Du verrückt" entstand als Koproduktion mit dem Bayerischen Rundfunk.


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