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BR Tierischer Gottesdienst

Das Tiere auf Theaterbühnen und in Opernhäusern auftreten ist heutzutage nichts Besonderes mehr. Pfarrer Michael Gnan allerdings lässt seine Tauben in der Kirche musizieren.

Von: Markus Kampp

Stand: 21.05.2017 | Archiv

Tauben in der Kirche | Bild: BR

Tief im Bayerischen Wald, fast schon an der tschechischen Grenze liegt die kleine Gemeinde Grainet. Es ist Sonntagmorgen um Viertel nach neun. Alles geht seinen gewohnten Gang. In einer knappen Stunde beginnt der Gottesdienst in der Pfarrkirche Heilige Dreifaltigkeit. Soweit ist alles normal!

Pfarrer Michael Gnan

Nicht ganz! Unzählige Tauben belagern Pfarrer Michael Gnan und einige haben kleine Schellen im Gefieder. Sie werden heute wesentlicher Bestandteil des Gottesdienstes sein – klingt seltsam, ist aber auf keinen Fall neu.

"Es ist eine alte kirchliche Tradition: schon allein die Taube des heiligen Geistes ist ja über Jahrtausende in der Kirche als Symbolfigur bis heute noch verwendet. Es gibt sogar Nachweise in der Kirchengeschichte des Heiligen Eusebius, dass die Taube immer schon in die Gottesdienste integriert war."

Michael Gnan

Reinhold Deubelli

Dabei ist der Ursprung alles andere als christlich. Die Tauben mit den Schellen dienten in den orientalischen Wüsten als eine Art Signal, ähnlich einem Leuchtturm. Waren nach einem Sandsturm die Wege verweht, ließ man von den Oasen die Tauben aufsteigen, damit Wanderer wussten wo die Oase liegt. Das Anbringen der Schellen funktioniert heute genauso wie damals und ist für die Tiere garantiert schmerzfrei. Der mehrfache Taubenkunstflug-Europameister Reinhold Deubelli erklärt:

"Die Rolle, so wie wir es bezeichnen, ist eine ganz spezielle Ausführung, ist sehr leicht. Wir haben da ein Gewicht von 16 Gramm. Das trägt die Taube mit Leichtigkeit. Der Schwanz wird präpariert, indem man drei Federn mit Kabelbinder bindet. Das ist wie unser Haar. Die Taube spürt das gar nicht. Der Stil der Schelle wird durch das Gefieder durchgeschoben, wird von unten mit einem Ring gesichert und die Taube spürt das überhaupt nicht."

Reinhold Deubelli

Und das war dann auch schon alles!

Michael Gnan

Die Tauben, sogenannte Altorientalische Tümmler, sind spezielle Züchtungen. Über 1500 Taubenarten gibt es und auch Pfarrer Michael Gnan gehört zum Zuchtverband. In seinem Pfarrhof hat er neben ein paar Wildfasanen und den unvermeidlichen Brieftauben eben auch die Altorientalischen Tümmler. Am Anfang stand bei Gnan die Faszination für die Bedeutung der Taube in der Musik und der Liturgie. Der Schritt hin zum selber züchten war dann nur mehr ein ganz kleiner.

"Die Taube ist das älteste Kulturtier der Menschheit, neben dem Hund vielleicht. Sie hat mich schon als Kind fasziniert. Ich habe da eigentlich eine ganz große innere Verbindung zu den Tieren."

Michael Gnan

Kein Wunder also, dass vor allem er es war, der sich für den "Auftritt" der gefiederten Musikanten in seiner Kirche einsetzte. Beim Gottesdienst sind Chor, Orchester und Bläser zugegen und die Tauben. Die haben bei der sogenannten "Wandlung" ihren großen Auftritt: wird der Leib Christi gebrochen, sollen ihre Schellen erklingen.

Gleich nach dem Gottesdienst gibt es noch ein kleines Konzert: In Leopold Mozarts "Schlittenfahrt" spielen die Tiere dann tatsächlich eine musikalische Rolle.


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