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Flüchtlingsreportage Samir flieht

Samir ist auf der Flucht. Von Syrien über die Türkei nach Deutschland. Er hofft auf mehr Sicherheit und einen Studienplatz. Wir dokumentieren seine gefährliche illegale Reise in die EU.

Von: Gülseren Ölcüm und Salvan Joachim

Stand: 04.08.2015

Bis zum Krieg war alles gut: Samir ist 20 Jahre alt, er hat sein Abitur bestanden, er will Informatik studieren. Aber in Nordsyrien, da wo er herkommt, ist das durch den Bürgerkrieg nicht mehr möglich. Als einer der ersten seiner Familie flieht er in die Türkei und hält sich mit Aushilfsjobs erstmal über Wasser: im Internetcafé, an der Börek-Bude, als Parkplatzwächter. Zuletzt sieben Tage die Woche, 13 Stunden am Tag für umgerechnet 12 Euro. Kein Wochenende, kein Urlaub. So ergeht es vielen der zur Zeit zwei Millionen syrischen Flüchtlingen: prekäre Arbeitsverhältnisse, keine Zukunftsperspektive. Auch bei seinen Brüdern ist das so: Der eine war in Syrien Journalist. Jetzt jobbt er in einem türkischen Restaurant. Der andere arbeitete als Anwalt. Jetzt ist er gerade erst angekommen und sucht.

Zu Sechst auf 15 Quadratmetern

Nach und nach fliehen immer mehr von Samirs Verwandten nach Istanbul. Zuletzt leben sie zu Sechst auf 15 Quadratmetern in einem Kellerzimmer. Samir will nur noch fort, um sich uns seiner Familie ein besseres Leben zu ermöglichen. Der einzige Ausweg seiner Generation: die Flucht nach Europa.

Der Bruder warnt

Seine Familie ist sich nicht ganz einig über sein Vorhaben. Der große Bruder warnt ihn, dass Europa ja nicht das Paradies sei, dass er lieber bleiben solle bis der Krieg in Syrien vorbei ist. Seine Schwester dagegen findet den Plan gut, würde am liebsten selbst nach Europa – aber erstmal reist Samir allein. Ob dafür oder dagegen: alle Familienmitglieder geben ihr Geld für seine Reise.

Gefährliche Reise

Wir dokumentieren diese Reise. Sind ganz nah dran und live dabei: Probleme mit den anderen Flüchtlingen, mit dem Schlepper, bei der Überfahrt – es ist eine gefährliche Reise, bei der sich ständig alles ändert.


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