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Götz W. Werner Deutschlands prominentester BGE-Befürworter

Seit über zehn Jahren vertritt Götz W. Werner vehement die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens (BGE) in Deutschland. Und das als äußerst erfolgreicher Geschäftsmann: Er macht mit seiner Drogeriemarktkette 6 Milliarden Euro Umsatz im Jahr.

Von: Claudia Erl

Stand: 02.04.2014 | Archiv

Götz W. Werner | Bild: BR

In den 70er-Jahren gründete der gelernte Drogist seinen ersten dm-Drogeriemarkt. Heute ist er Träger des Bundesverdienstkreuzes. Selbst bezeichnet er sich am liebsten als Zahnpastaverkäufer. Er ist eben ein Querdenker. Noch heute ist der 70-Jährige selbst in seinen Filialen unterwegs – und das obwohl er sich aus dem operativen Geschäft längst zurückgezogen hat. Und er vertritt die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens – so vehement, dass er bereits den Spitznamen „Mr. GE“ verliehen bekommen hat.

"Nur so bin ich zum erfolgreichen Geschäftsmann geworden, weil ich immer auch in die Zukunft gedacht habe."

Götz Werner

Götz W. Werner im Gespräch mit Rainer Maria Jilg

Er ist sich sicher: In Deutschland wird heute schon so viel erwirtschaftet, dass alle überleben können. Außerdem würden heute schon alle Menschen mit Geld versorgt – entweder durch Einkommen, durch Vermögen oder durch Transferzahlungen. Das Geld ist laut Götz Werner also nicht das Problem. Was dann? Moderator Rainer Maria Jilg traf den Visionär auf einem seiner vielen Reisen – im Zug.

Überproduktion in unserer Gesellschaft

Versorgung

Nie zuvor in der Geschichte waren die Menschen in unserem Land so gut mit Gütern und Dienstleistungen versorgt wie heute.

Überproduktion

Die Märkte sind gesättigt, es herrscht sogar eine Überproduktion – und zudem braucht es immer weniger Menschen, um dieses Übermaß an Gütern zu produzieren.

Lebensmittel

In deutschen Privathaushalten landen jährlich rund 6,7 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. Das sind 82 Kilo pro Person im Jahr.

Altkleider

750.000 Tonnen Altkleider landen jährlich in Sammelcontainern - viel mehr als karitative Organisationen verwerten können.

Wohnungsüberschuss

Trotz der Wohnungsnot in manchen Ballungsräumen stehen in Deutschland circa eine Millionen  Wohnungen leer. Prognose: Auf dem Land und in verwahrlosten Städten werden bis 2030 rund 20 Prozent der Wohnungen leerstehen.

"Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe."

Götz Werner

Die Visionen des Mr. GE

1.000 bis 1.500 Euro sollte seiner Meinung nach jeder Deutsche monatlich zur Verfügung haben – egal ob Baby oder Greis. Doch würde da überhaupt noch jemand arbeiten gehen? Selbstverständlich, sagt Götz Werner. Jeder Mensch will grundsätzlich arbeiten, ist er sich sicher. Finanzierbar sei das durch die Anhebung der Mehrwert- bzw. Verbrauchersteuer auf bis zu 50 Prozent. Dafür sollen alle anderen Steuern komplett abgeschafft werden. Die Konsumgüter würden dadurch aber nicht wesentlich teurer, denn längst hätten die Betriebe ihre Gesamtausgaben – also auch ihre Steuerlast – auf die Produkte umgelegt. Das fiele dann weg.

"Die Visionen von heute sind die Realität von morgen."

Götz Werner

Ein paar Zahlen und Fakten ...

Erwerbstätige

Ende 2014 gab es 42,6 Millionen Erwerbstätige in Deutschland

Nicht erwerbstätig

Rund 40 Millionen Einwohner leben nicht von Erwerbsarbeit – sie beziehen ihr Einkommen aus Transferleistungen, wie etwa Zinsen, Dividenden, Mietzahlungen und/oder Sozialleistungen

Höhe des Grundeinkommens

Zwischen 400 Euro und 1.500 Euro monatliches bedingungsloses Grundeinkommen fordern die verschiedenen Befürworter pro Monat und Person.

Bayern

Neun Initiativen zum bedingungslosen Grundeinkommen gibt es derzeit in Bayern

Deutschland

109 Initiativen mit 3.650 Mitgliedern zum bedingungslosen Grundeinkommen gibt es in Deutschland

Weltweit

Auch weltweit sind die Fürsprecher vernetzt: Das Basic Income Earth Network (BIEN) ist ein Zusammenschluss aus etwa 20 verschiedenen Ländern


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