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Der Wasser- und Mühlenweg in der Oberpfalz Romantische Herbstwanderung im Land der 1000 Quellen

Mühlen haben von alters her etwas Poetisches an sich. Märchen ranken sich um das Mehl, Sagen erzählen von betrügerischen Müllern, Mythen sehen die Mühlräder als Mittler zwischen Himmel und Erde. Nirgendwo gibt es so viele Mühlen wie im „Land der tausend Quellen“ – im Oberpfälzer Jura.

Von: Christoph Thoma

Stand: 22.10.2016

Der Wasser- und Mühlenweg in der Oberpfalz  | Bild: BR; Christoph Thoma

Im tälerreichen Landkreis Neumarkt i. d. Oberpfalz gibt es noch über 50 Mühlen und Hammerwerke, die Mehl mahlen, Strom aus Wasserkraft erzeugen oder traditionelle Schleifmaschinen betreiben. Besonders reich an rhythmisch klappernden ober- oder unterschlächtigen Mühlrädern ist das Tal der Wissinger Laber zwischen dem markanten Pilgerort Petersberg und dem Markt Breitenbrunn bei Dietfurt. „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach“ und „Am Brunnen vor dem Tore, da steht ein Lindenbaum“. Die zwei bekanntesten deutschen Volkslieder könnten aus dem beschaulichen Tal der Wissinger Laber stammen, also aus der Oberpfalz.

Wallfahrtskirche auf dem Petersberg

Das Seubersdorfer Ortswappen zeigt Lindenblätter, die von Ittelhofen übernommen wurden, wo der Renaissance-Gelehrte Peter Apian ein Lehen hatte, der Vater des Kartographen Philipp Apian. Lindenblätter zierten schon das Familienwappen der Apians. Unsere Wanderung beginnt auf dem Petersberg mit der mehrfach erweiterten Wallfahrtskirche St. Peter und Paul, die ein kostbares barockes Altarbild schmückt.

Wasser- und Mühlenweg

Draußen sind noch Kühe auf der Weide – Kühe mit Hörnern, eine ganz spezielle Rasse: das Rote Höhenvieh. Es ist robust und genügsam und gehört von alters her zum Petersberg erzählt Agnes Hofmann beim Abstieg zur Wissinger Laber. Thymian und Prachtlibellen, seltene Magerrasenbereiche - der zwölf Kilometer lange Wasser- und Mühlenweg nach Breitenbrunn ist ein biologischer Lehrpfad. Natur-schutzrechtlich gilt die Wissinger Laber als deutscher Elitebach und steht somit unter besonderem Schutz.

Durchwegs vorbildliche Beschilderung

So vielfältig wie der Oberpfälzer Dialekt, mit Varianten in jedem der zahlreichen Täler, so vielstimmig ist auch das Wasser. Mal murmelt die Laber, mal wispert sie. Es sind die Wasserelemente wie Wehre, Staustufen oder Schleifmühlen, die für die Begleitmelodie sorgen. Aber der friedliche Fluss erhebt auch ganz kräftig seine Stimme, und er wird deutlich schneller, wenn sich sein schlangengleich durch die Wiesen mäandernder Lauf an einem Wehr oder auf eine Mühle zu verengt. Der Duft von frisch geschnittenem Holz aus einer Sägemühle dringt in die Nase. Dort surrt ein Generator. Fischteiche liegen am Wegrand, junge Forellen wuseln im Wasser. Als Rastplatz eignet sich eine mit Tischen und Bänken ausgestattete Brunnenanlage. Erfrischung zum Selberpumpen!

Wasser zum Hören und Schauen

Ein Paradies, vor allem auch für den Biber, ist das Heutal, das auf dem letzten Wegdrittel vor Breitenbrunn nur extensiv genutzt wird. Keine Stromleitung, kein Stallgebäude, nichts Technisches stört den Blick. Die zwölf Kilometer lange Wanderung auf dem Wasser- und Mühlenweg dauert knapp vier Stunden, weil es so viel zu sehen gibt. Aber die Zeit vergeht wie im Flug, denn die Wissinger Laaber hört nicht auf spannende Geschichten zu erzählen.

Die Wanderung auf dem „Wasser- und Mühlenweg“ im Tal der Wissinger Laber in der Oberpfalz ist auch im späten Herbst und sogar im Winter reizvoll. Breitenbrunn liegt im Bereich des Verkehrsverbundes Großraum Nürnberg und ist mit S-Bahn und Bus gut zu erreichen. Informationen und Karten gibt es im Landratsamt Neumarkt i. d. Oberpfalz unter www.tourismus-landkreis-neumarkt.de . Reizvoll ist auch ein Besuch im Altmühltaler Mühlenmuseum von Dietfurt, gleich neben Breitenbrunn (www.altmuehltalermuehle.de).

Markt Breitenbrunn


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