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Krimi-Winterwanderung im Bayerischen Wald Im Tiefschnee auf Verbrecher-Spuren bei St. Oswald-Riedlhütte

Eine Tour aus dem Krimi-Wanderführer Bayerischer Wald“ ist wirklich eine Mord(s)-Geschichte auf Schneeschuhen im Nationalpark Bayerischer Wald. Mörderische Geschichten aus einer kriminell schönen Region – genau darum geht es den beiden Thriller-Autoren Alexander Frimberger und Lothar Wandtner, die sich schon 2014 mit einem Waldler-Krimi-Festival mit über 30 Veranstaltungen in der Region einen Namen gemacht haben.

Von: Christoph Thoma

Stand: 12.01.2018

Auf den Spuren der Verbrecher bei St. Oswald | Bild: BR; Christoph Thoma

Das rege Autoren-Duo hat aber auch einen „Krimi-Wanderführer Bayerischer Wald“ herausgebracht, mit 33 ausgewählten Touren und gewürzt mit mörderischen Geschichten. Zum Beispiel kann man sich mit Schneeschuhen auf eine blutige Spur im Umfeld von St. Oswald-Riedlhütte begeben.

Mit Aufnahmegerät auf literatur-kriminellen Wegen

Mit Aufnahmegerät auf literatur-kriminellen Wegen

„Sie hatte den Wald durchquert. Als sie auf die Lichtung trat, oben in Höhenbrunn, hielt Anna Nusser inne. Die ganze Pracht des Bayerischen Waldes lag vor ihr. Wie gern hätte sie diese ihrem Sohn gezeigt. Doch niemand hatte ihn sehen dürfen, die Familie versteckte ihn.“ So steht es in der Geschichte „Das ledige Kind“ von Lothar Wandtner. Sein Autoren-Kollege Alexander Frimberger wandert mit seinen zwei Hunden leidenschaftlich gern durch den Bayerischen Wald, sozusagen von Tatort zu Tatort. So eine blutige Spur führt auch nach St. Oswald-Riedlhütte im Landkreis Freyung-Grafenau. Lothar Wandtners Krimi ist nur zum Teil frei erfunden. Die Geschichte seiner Urgroßmutter, die mit einem ledigen Kind aus der großen Stadt München und entsprechender Schande zurück in den Bayerischen Wald kam, ist authentisch. Nur dass am Ende der Geschichte der Pfarrer stirbt, weil er das Beichtgeheimnis missbraucht, ist frei erfunden.    

Über Seifenhügel zum Goldwaschplatz

Über Seifenhügel zum Goldwaschplatz

Startpunkt der dreistündigen Rundwanderung in einer Kernzone des Nationalparks Bayerischer Wald ist das kleine Hotel „Zum Friedl“ im Glasmacherort Riedlhütte, wo Fritz Süß seine Gäste als Küchenchef verwöhnt und als ausgebildeter Waldführer auch ins nahe Hochmoor und auf den Rachel führt. Schneeschuhe verleiht er auch.  Wie Anna, die Hauptfigur in Lothar Wandtners Krimi „Das ledige Kind“, queren auch wir die meterhoch verschneite Wiese und tauchen ein in den Hochwald. Spuren von Hasen und Rehen sind zu sehen, aber auch vom Luchs, der hier wieder heimisch geworden ist.

Mit Schneeschuhen hinein in den Nationalpark

Mit Schneeschuhen hinein in den Nationalpark

Die schmalen Holzstege über das verwunschene Klosterfilz sehen aus wie Frau Holles Federbetten. Wie skurrile Märchengestalten tauchen aus dem Weiß Wegweiser zum Goldwaschplatz auf und tragen weiße Bischofsmützen. Die Landschaft der Seifenhügel, geformt im Goldrausch aus taubem Gestein und von Menschenhand gemacht, wirkt mystisch und krimiwürdig. Durch das Labyrinth der historischen Abraumhügel, bis zu fünf, sechs Meter hoch, steigen wir hinauf nach Siebenellen. Der böhmische Wind rauscht in den Bäumen, zwischen Hohenbrunn und Reichenberg wird der verschneite Pfad zum Panorama-Weg. Die Sonne lässt sich sehen, der Schnee funkelt wie Goldstaub und Kristallglas.  Am Ende unserer Wanderung wird sogar der Blick in die Alpen für ein paar Momente frei. 

Knapp neun Kilometer lang ist die Krimi-Winterwanderung rund um das historische Klosterdorf St. Oswald und den bis heute belebten Glasmacherort Riedlhütte. Drei Stunden etwa dauert die Genuss-Runde. Die Aufstiegshöhe ist gering, der Thrillfaktor dafür hoch. „Sie nahm die schwere, heiße Reine aus dem Rohr, drehte sich mit einem Schwung um und schleuderte sie dem Pfarrer ins Gesicht. Er taumelte, schrie auf und fiel rücklings gegen die Tischkante. Sie hörte das Knacken seines Schädels. Sie fühlte nichts dabei …“ , heißt es im Krimi „Das ledige Kind“.

Erinnerungen an den Goldreichtum der Region

Erinnerungen an den Goldreichtum der Region

Die vorgestellte Runde um St. Oswald-Riedlhütte im Landkreis Freyung-Grafenau kann man im Winter mit Schneeschuhen unternehmen oder auch mit entsprechendem Schuhwerk zu Fuß auf gut geräumten Wanderwegen. Ausgangspunkt ist das kleine Hotel „Zum Friedl“, wo man günstig übernachten und gut essen kann (www.zumfriedl.de).

Der „Krimi-Wanderführer Bayerischer Wald“ von Alexander Frimberger und Lothar Wandtner ist 2016 in der Edition Golbet Schönberg erschienen, enthält 33 ausgewählte Touren und kostet € 14,95. Das Spektrum der Wanderungen reicht von leichten über mittelschwere bis zu sehr schweren Wanderungen für jeden Geschmack. Gewürzt ist das Ganze mit Krimi-Texten, Auszüge aus Romanen, Kurzgeschichten und vielen weiteren spannenden Infos zu Krimis und Thrillern aus dem Bayerischen Wald.  Nähere Informationen gibt es unter www.golbet.de

St. Oswald-Riedlhütte


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