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Südtirol für Genießer Keschntweg und Keschtnbier im Eisacktal

Die Keschtn, also Kastanien, gehören im Herbst zu Südtirol wie das Amen in die Kirche. Besonders schön wandert es sich jetzt auf dem Keschtnweg hoch über dem Eisacktal. In vier bis fünf Etappen führt der Keschtnweg von Kloster Neustift bei Brixen über das Rittner Hochplateau bis in den Talkessel von Bozen: 63 Kilometer durch Felder und Wiesen, durch lichte Föhrenwälder, kleine Tobel und lauschige Kastanienhaine.

Von: Andrea Zinnecker

Stand: 19.10.2017

Kulinarisches Herbstwandern im Eisacktal | Bild: BR; Andrea Zinnecker

An Einkehrmöglichkeiten - Gasthöfen und Buschenschänken – mangelt es nicht, und so wird der Keschtnweg nicht nur landschaftlich, sondern auch kulinarisch zum Erlebnis.

Der Cyrillushügel

Von Kloster Neustift geht es an den Ortsrand von Brixen und dann gut 400 Höhenmeter steil hinauf durch Wald in Richtung Pinzagen und zunächst zum Cyrillushügel, der einen grandiosen Blick hinab ins Eisacktal bietet. Er ist ein alter Kraft- und Kultort mit der kleinen romanischen Kirche St. Cyrill, 1167 erstmals erwähnt und dem hl. Cyrill von Alexandrien gewidmet. die Fresken stammen aus dem 14. und 15. Jahrhundert und aus der Brixner Schule.

Kastanienbäume säumen den Weg

Vorbei an einem alten Erbhof führt der gut markierte Keschtnweg dann weiter nach Pinzagen und zur ersten ausgiebigen Rast ganz idyllisch unter einem Kastanienbaum neben einem plätschernden Brunnen. Lea Ballauf vom Gasthof Alpenrose macht den Keschtnweg-Wanderern gleich richtig Appetit auf die Kastanienspezialitäten, die jetzt aufgetischt werden: Kastaniensuppe, Kastanien-Tagliatelle mit Kürbis, süße Kastanienherzen und Kastanieneis.

Gute Idee - das Wegprofil

Auch wenn einem noch so das Wasser im Munde zusammenläuft, die erste Etappe auf dem Keschtnweg bis nach Klausen dauert noch gut vier Stunden. Also nicht gleich verhocken! Von Pinzagen geht es durch Felder und Wiesen nach Tötschling und hier rücken sie nun erstmals in den Blick: die berühmten Geislerspitzen mit Furchetta, Sass Rigais und Fermeda. Immer wieder ein Erlebnis – auch für die einheimischen Wanderer. Den „Indian Summer“ auf dem Keschtnweg im Eisacktal genießen auch zwei Kanadierinnen aus Toronto, die hier den Kastanien und dem Wein auf der Spur sind und alle Etappen des Keschtnwegs wandern. Aber auch Wanderer aus München geraten ins Schwärmen über das Panorama und die Ruhe am Keschtnweg.

Alternative zu Kastanien - perfekte Rohnenknödel

Kurz hinter Tötschling lockt der Hofschank Saderhof zur Einkehr. Katharina Bacher, die Tochter des Hauses, empfiehlt nicht nur die hausgemachten süßen Krapfen mit Kastanienfüllung, sondern auch die herzhaften Rohnenknödel. Liebstöckl gibt den Rote-Beete-Knödeln eine ganz besonders gute Note. Die Aussicht über die bunten Geranien auf der Terrasse hinweg auf die Geislerspitzen vis-à-vis dazu ist gratis.

Durch lichten Föhrenwald und einen kleinen wildromantischen Bachtobel geht es vom Saderhof weiter in Richtung Feldthurns, zuletzt durch lauschige alte Kastanienhaine. Vorbei am Moarhof, am Maier zu Viersch und am Huberbauern führt der Keschtnweg dann - bewacht von Kloster Säben - hinab nach Klausen. Und wohl keiner, der jetzt nicht einen g’scheiten Durst hat! Ideal zum Löschen ist das Keschtnbier.

Braukessel im Gasslbräu

Kreiert hat das Keschtnbier Norbert Andergassen, der Wirt vom Gasslbräu mitten in der historischen Altstadt von Klausen. Nach den ersten erfolgreichen Versuchen vor einigen Jahren braut er inzwischen fünf Sude, also 5000 Liter Keschtnbier pro Saison. Ausgeschenkt wird es nur im Herbst zwischen September und November. Zutaten und Equipment sind sozusagen bayerischer Genese: Sudhaus und Tanks kommen aus Bamberg, das Malz stammt aus Memmingen im Allgäu und der Hopfen aus der Hallertau. Nur der Hauptbestandteil des Keschtnbiers kommt nicht aus Bayern. Das Kastanienmehl wird aus Süditalien geliefert, weil im Juli, wenn das Keschtnbier angesetzt wird, die Südtiroler Esskastanien noch nicht reif sind. Dem bayerischen Reinheitsgebot entspricht das Kastanienbier somit nicht. Schmecken tut’s trotzdem!

Norbert Andergassen prüft das Endprodukt

Die dekorativen Kupferkessel in der Gaststube des Gasslbräu haben fast die gleiche Farbe wie das Keschtnbier. Wichtig ist natürlich auch die Wasserqualität. Das Wasser zum Brauen kommt aber weder aus dem Thinnebach, der von den Latzfonser Bergen hinab nach Klausen fließt, noch aus dem Eisack, sondern aus dem Trinkwasserreservoir von Klausen. Die Kastanien schmeckt man aus dem Keschtnbier nur sehr dezent heraus, sind sie doch generell nicht sehr dominant im Geschmack. Zum Törggelen mit Schüttelbrot, Speck und gebratenen Keschtn passt am besten der neue Wein. Was aber passt zum Keschtnbier? Südtiroler meinen: eine echte bayerische Weißwurst mit Senf oder Kren.

Kastanien - das Brot der Bauern

Bis zum 5. November gibt es übrigens noch die Eisacktaler Kastanienwochen. In Feldthurns oberhalb von Klausen findet das traditionelle „Keschtnigl-Fest“ statt. Dabei dreht sich alles um die stachlig-edle Frucht. An Marktständen können Kastanien-Spezialitäten verkostet werden und natürlich auch der „Nuie“, der neue Wein. Es gibt geführte naturkundliche Wanderungen durch die Kastanienhaine sowie Märchenwanderungen mit Kastanien-Mandala. Genaue Informationen unter www.eisacktal.com

Der Saderhof


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