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Der Hirschberg Thomas Manns "Zauberberg" am Tegernsee

Der schönste Weg auf den Hirschberg geht von Scharling aus, genauer gesagt vom Skilift in Point zwischen Scharling und Kreuth, zunächst steil über den Skihang hinauf und durch den Wald bis zur Rauheckalm auf 1470 Meter, dann weiter zum knapp 1670 Meter hohen Gipfel. Diesen Weg hat auch der Schriftsteller Thomas Mann genommen, als er im Herbst 1918 auf den Hirschberg gestiegen ist und dabei die Liebe zum Wandern entdeckt hat.

Von: Barbara Weiß

Stand: 19.10.2017

Der Hirschberg | Bild: BR, Barbara Weiss

An einen Freund schrieb Thomas Mann: „Wir waren zwei Monate am Tegernsee, genauer in Abwinkl, an der stillen Seite. Ich genoss das Wasser, das Rudern, den Badestrand beinahe so sehr wie die Kinder und war, komisch zu sagen, zum ersten Mal in meinem Leben auf dem Gipfel eines höheren Berges, dem Hirschberg, 1670m, mit kolossalem Fernblick in die tiefsten Alpen“.

Rauheckalm - auf dem Weg zum Gipfel des Hirschbergs

Der Hirschberg war offenbar ein einschneidendes Erlebnis für den berühmten Schriftsteller, den gebürtigen Lübecker. Schon seine Eltern liebten die Tegernseer Berge, und Thomas Mann zog es selbst immer wieder – wie viele Münchner auch heute noch – zur Erholung an den Tegernsee. Als das Ehepaar Mann im Hungerjahr 1918 den Hirschberg bestiegen hat, war Katia Mann mit dem sechsten Kind schwanger. Respekt, kann man da nur sagen, immerhin sind es von Scharling bis zum Gipfel gut 900 Höhenmeter.

Festgehalten hat Thomas Mann die Tour zum Hirschberg in seinem Tagebuch. Der Eintrag über den Tegernsee ist die erste erhaltene Tagebuchseite des großen Dichters. Alle früheren Tagebuchaufzeichnungen hat der Dichter selbst vernichtet. „Mittwoch der 11. September 1918: Tegernsee lebt noch in mir, mit dem erregenden Wasser, dem Boot, den Lido-Eindrücken am Badestrand, der Besteigung des Hirschberges, der Nacht im Unterkunftshaus, dem südwindigen Morgen auf dem Gipfel vor und bei Sonnenaufgang“.

Hirschberg- Blick in die tiefsten Alpen

Den Sonnenaufgang auf dem Gipfel, den der damals 43 jährige Schriftsteller beschreibt, haben wir zwar verpasst, nicht aber den „Blick bis tief in die Alpen“, wie Thomas Mann das Rundum-Panorama vom Hirschberggipfel aus beschreibt. Bei bester Fernsicht und warmer Herbstsonne liegt es sich gemütlich im Gipfelgras mit Blick ins unendliche Gipfelmeer.

Blick auf Tegernsee

Ob die Manns auch einen Steinadler gesehen haben? Ob ihnen die Suppe im Hirschberghaus geschmeckt hat – das lässt sich nicht mehr in Erfahrung bringen. Tatsache ist, dass der Autor von Buddenbrocks und Zauberberg von Scharling über die Rauheckalm zum Gipfel aufgestiegen ist und beim Ausblick von hier oben ins Schwärmen geriet. Wer wie Thomas Mann auch eine geheime Liebe zum Tegernsee verspürt und nach einer Wanderung auf den Hirschberg noch seine Füße ins kalte, laut Thomas Mann „erregende Wasser“ hängen mag, der kann das in Gmund tun und sich dabei gleich noch das Denkmal des Dichters am Ufer des Tegernsees anschauen.

Scharling am Hirschberg


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