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Schräge und andere Vögel rund um Riedenburg Eine Greifvogelwanderung im Altmühltal

Haben Sie schon mal einen Greifvogel auf dem Arm oder auf der Schulter gehabt? Einen Bussard oder einen Falken? Wen das reizen würde, der kann im Altmühltal eine Greifvogelwanderung mitmachen und dabei auch andere schräge Vögel treffen. Möglich ist das in Prunn bei Riedenburg.

Von: Bernd-Uwe Gutknecht

Stand: 24.11.2017

Auf Greifvogelwanderung | Bild: BR; Bernd-Uwe Gutknecht

Die Habichte, Kauze, Bussarde, Steinadler, Kolkraben und Falken in den Volieren von Martin Geißendörfer versuchen sich gegenseitig zu übertönen. Jeder will Aufmerksamkeit – oder Futter! Der passionierte Falkner sieht sofort, in welcher Stimmung so ein Greifvogel ist. Stellt er sein Gefieder auf, ist er aufgeregt und hat Stress. Liegt es glatt an, ist der Vogel entspannt. Und – nota bene – auch Greifvögel haben mal schlechte Tage, sind launisch und manchmal auch Morgenmuffel wie die sieben Kilo schwere Steinadlerdame.

Blick ins untere Altmühltal

Die Wanderung startet an der Falknerei, führt vorbei an Höhlen und Felsen den Berg hinauf und bietet einen herrlichen Blick ins Tal. Der Bussard agiert immer als „Flugbegleiter“ und landet bei den Besuchern gerne mal auf der Schulter oder sehr fotogen auf der gestreckten Faust. Zuweilen darf auch ein kleiner Sakerfalke mit auf die Wanderung zum Federspieltraining. Auch Habichtskauz und Steinadler dürfen hin und wieder mitfliegen.

Falkner Martin Geissendörfer

Das Sakerfalken-Weibchen sitzt auf dem Falknerhandschuh von Martin Geißendörfer. Der Mann mit der Rasta-Mähne und der Vogel mit dem stechenden Blick mögen sich, manchmal kuscheln sie sogar ein bisschen. Noch trägt der Falke eine Haube über den Augen. Wenn sie für den Flug dann abgenommen wird, sieht man die schönen schwarzen Augen des Falken. Sperber und Habicht haben gelbliche Augen, Bussarde dagegen bräunliche. Wenn der Sakerfalke kurz das Gefieder aufschüttelt, ist er startbereit zum Flug. Mit einem kleinen Schubs geht es dann ab in die Lüfte. Ein paar schnelle Flügelschläge, dann ist der wendige Falke schon ein paar hundert Meter weg, setzt sich auf einen Baum und schaut dem Federspiel des Falkners zu. Das Federspiel an der pendelnden Schnur imitiert ein Beutetier, das der Falke dann im Sturzflug ins Visier nimmt und mit seinen Fängen greift! Zur Belohnung gibt es ein Häppchen aus dem Brotzeitbeutel. Es ist ein faszinierendes Schauspiel vor imposanter Kulisse, denn über der Wacholderheide thront die Burg Prunn auf steilen Kalkfelsen.

Burg Prunn bei Riedenburg

Die etwa zweistündige Greifvogel-Wanderung führt zu einem weiteren Höhepunkt von Riedenburg: dem Renaissance-Schloss Eggersberg mit knarzenden Holzdielen, altem Gewölbekeller, Zwiebelhauben, Ecktürmen, genau 100 Fenstern, Ahnengalerie und einem liebevoll eingerichteten Museum zu den Themen Jagd, Pferd, Ritter, Burg-Baukunst. Schlossherr Tassilo Wenzl-Sylvester lebt hier seine Leidenschaft für das Mittelalter aus. Der Blick von den Türmen und Erkern schweift hinab ins untere Altmühltal. Dort unten kann der Wander-und Bier-Freund ein paar ausgezeichnete Biere verköstigen, denn in der Gegend um Riedenburg, Kelheim und Kloster Plankstetten finden sich viele familiär geführten Brauereien. Sandra Schmidt vom Gasthof Schwan in Riedenburg zum Beispiel ist Bier-Sommelière und veranstaltet regelmäßig Verkostungen von Craftbieren. Wer es nicht so mit dem handwerklich gebrauten Gerstensaft hat, der kann ja den Zaubertrunk der Riedenburger Hexe Gretel probieren, frei nach dem Motto „Spinnenschleim, Entendreck, Froschgebein und Mausfangspeck, trink und dein Furunkel ist bald weg.“

Die Greifvogelwanderung dauert drei bis vier Stunden und kostet 15 Euro pro Person. Genaue Informationen gibt es unter www.vogelwild.net oder www.tourismus-landkreis-kelheim.de

Burg Prunn bei Riedenburg


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