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Rund um den Gibacht Kulturwandern bei Waldmünchen in der Oberpfalz

Im August spuckt der Hightech-Drache wieder Feuer. Furth im Wald ist stolz auf das älteste Volksschauspiel Deutschlands. Der „Drachenstich“ begeistert die Zuschauer - und in Waldmünchen reitet „Trenck der Pandur“. Friedlicher geht es hinter den bekannten Festspielstädten an der Nahtstelle zwischen Bayerischem und Oberpfälzer Wald zu, in Herzogau und Voithenberg.

Von: Christoph Thoma

Stand: 26.05.2017

Eine Kulturwanderung bei Waldmünchen in der Oberpfalz   | Bild: BR; Christoph Thoma

Hier erinnert die Wanderung rund um das knapp 1000 Meter hoch aufragende Gibacht-Bergmassiv mit Sehenswürdigkeiten am Wegesrand an die Glasmachergeschichte im Grenzgebiet zwischen Bayern und Böhmen - eine Kultur-Wanderung wie aus dem Bilderbuch, zu der eine Glaskugel den Weg weist.

Die Glaskugel weist den Weg

Wenn die Wirtin des Landhotels in der Herzogau, Evi Wagner, Gästen Wandertipps gibt, dann sagt sie gern und oft „gib-acht!“ Der Gibacht-Höhenrücken ist das bekannteste und beliebteste Wandergebiet hoch über Waldmünchen. „Gibacht“ soll man früher auch gesagt haben, um vor der nahen Grenze zu warnen.

Am Pfennigfelsen

Die Hofmark Herzogau, mit einer wunderbaren Kastanienallee zum Schloss, geht auf das 14.Jahrhundert und die reichen niederbayerischen Herzöge zurück, erzählt Kreisheimatpfleger Hans-Peter Wagner. Herzog Heinrich von Bayern-Landshut soll der Gründer sein. Bis zur Gebietsreform 1972 war das Dorf Herzogau selbständig, zur Altgemeinde gehörten die Ortschaften Herzogau, Voithenberg, Voithenberghütte,  Althütte, Unterhütte, Bucher und Gibacht.

Die Grenze trennt nicht mehr...

Startpunkt der gut zweieinhalb-stündigen Rundwanderung ist der Gibacht-Berghof. Leicht ansteigend geht es durch kniehohes Heidelbeergestrüpp. Irgendjemand schwärmt von Heidelbeer-Pfannkuchen. Um die Heidelbeeren zu pflücken und frisch zu genießen, kommt man am besten im Juli, wenn sie reif sind. Am nahen „Pfennigfelsen“, wo Wanderführer Karl Reitmeier ein Eisentürchen aufschiebt, könnte man die Rückkehr an den Gibacht gezielt in die Wege leiten, in dem man für die Waldgeister nach altem Brauch ein paar Münzen einlegt. Der Drei-Wappen-Fels zeigt, dass der Gibacht einst ein Dreiländereck war, wo Bayern, Böhmen und die Obere Pfalz aufeinandertrafen. Kaiserin Maria Theresia lässt grüßen.   

Kraxelei am Kreuzfelsen

Kurz aber heftig geht es einen steilen Stich hinauf, ein paar Eisenkrampen im Fels müssen als Tritthilfen herhalten. Der sechs Kilometer lange Gibacht-Rundweg ist wegen der Kletter-Passagen und der möglichen Abstecher nie langweilig. Sogar einen mit Drahtseil gesicherten Mini-Klettersteig gibt es - auf den 938 Meter hohen Kreuzfelsen. Die Grenze trennt nicht mehr, sie verbindet. Im Gipfelbuch am Kreuzfelsen findet man Einträge auf Tschechisch und Deutsch. Wem die Gibacht-Runde zu „brav“ ist, der kann in eineinhalb Stunden den Čerchov erreichen, den mit 1042 Metern höchsten Berg des westlichen Böhmerwalds.

Das Glaskreuz am Reiseck

Das zweite Gipfelkreuz steht am 902 Meter hohen Reiseck. Es ist eine schimmernde Kombination aus Edelstahl und Glas. Karl Reitmeier hat selbst geholfen, es aufzustellen. Jetzt ist es nur noch eine gute halbe Stunde zum solarstrom-betriebenen „Leuchtturm der Menschlichkeit“, dem bekanntesten Habacht auf dem Gibacht, vor allem nachts durch die bunten Lichter unübersehbar. Das Denkmal ist dem friedlichen Zusammenleben von Religionen und Völkern gewidmet. Das Fundament besteht aus Steinen, die in aller Welt gesammelt wurden, sogar im Basislager des Mount Everest.

Der Leuchtturm der Menschlichkeit

Aus buntem Glas wurden Scheiben eingefügt. Sie zeigen die Weltkugel, das christliche Kreuz, den jüdischen Davidstern und den islamischen Halbmond. Das Reiseck-Gipfelkreuz hat, wie auch den Leuchtturm auf dem Gibacht, der Glaskünstler Ralph Wenzel geschaffen. Sein Atelier befindet sich im Berghof Gibacht, wo man am Ende der Tour eine kräftige Oberpfälzer Brotzeit serviert bekommt. Ein Geheimtipp ist das Glaslfleisch, ein mit Gewürzen im Glas eingekochter Schweinebraten.

Das Atelier von Ralph Wenzel im Berghof Gibacht

Die Gibacht-Runde bei Waldmünchen im Oberpfälzer Wald kann man – auch ohne Klettereien zu Gipfel- und Aussichtspunkten - das ganze Jahr über unternehmen, fast bei jedem Wetter, auch mit Kindern. Im Sommer bietet der Hochwald Schatten, im Winter kommen die Schneeschuhe zum Einsatz. Informationen und kostenlose Wanderkarten gibt es unter www.waldmuenchen.de ,  www.ostbayern-tourismus.de  sowie www.gibacht.com

Der Kreuzfelsen


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