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Rodelwanderung zur Allriss-Alm im Pflerschtal Salbei, Schnee und Silberspeck unterm Pflerscher Tribulaun

Die meisten lassen es auf der Fahrt über den Brenner nach Süden links - oder besser gesagt – rechts liegen: das Pflerschtal, und so wundert es nicht, dass dieses 16 Kilometer lange Tal zu jeder Jahreszeit noch immer ein Geheimtipp ist.

Von: Andrea Zinnecker

Stand: 18.03.2017

Rodelwanderung zur Allriss-Alm im Pflerschtal | Bild: BR; Andrea Zinnecker

Von Gossensass aus führt das Pflerschtal nach Westen zu den Stubaier Alpen hin. Dominiert wird es vom knapp 3100 Meter hohen Pflerscher Tribulaun, einem anspruchsvollen Kletterberg. Doch nicht nur Kletterer, auch Wanderer, Rodler und Schneeschuhgeher kommen im Pflerschtal auf ihre Kosten, zum Beispiel bei einer gemütlichen Tour zur Allriss-Alm.

Beginn und Ende der Rodelbahn

Einst war das Pflerschtal auch als „Silbertal“ bekannt, des Bergbaus wegen. Heute versilbert der Schnee die Landschaft. Auch eine Wandergruppe aus Turin macht hier im Pflerschtal eine „settimana bianca“, eine weiße Woche, ist auf Schneeschuhen unterwegs und begeistert vom verschneiten Bergwald mit den vielen Rottannen. Die Turiner waren sogar oben auf der Wetterspitze, dem Hausberg der Allriss-Alm und freuen sich nun auf die Einkehr und die Südtiroler Gaumengenüsse in der Allriss-Alm, für die Wirt Hermann Staudacher sorgt.

Puderzuckerschnee

Knödel aller Arten sind seine Spezialität, vom Speck-, Spinat- und Käs- bis zum Leberknödel, serviert mit Rinds- oder Hirschgulasch. Am Wochenende gibt es zudem in Schmalz gebackene Blattln mit Spinat oder Sauerkraut und hinterher ein Gläschen Salbeischnaps, von Tochter Sarah nach altem Familienrezept angesetzt, gut für den Hals, „besser als jedes Antibiotika“ und zugleich ein prima „Kurvengeist“ für die drei Kilometer lange, perfekt präparierte Rodelbahn.

Nix wie hinein!

Vor ziemlich genau zehn Jahren war es kurzzeitig mal vorbei mit der „Winter-Einsamkeit“ auf der Allriss-Alm. Damals wurde Patrick Staudacher im schwedischen Äre Super-G-Weltmeister und sein Vater Hermann auf der Alm von unzähligen Fernsehteams belagert.

Super-G-Weltmeister Patrick Staudacher ist überall ...

Viele Utensilien und Fotos erinnern an den berühmten Sohn der Allriss-Alm, aber auch an altes Handwerk, zum Beispiel an die Korbflechterei, die noch von Hermann Staudachers Vater und Bruder ausgeübt wurde. In den handgearbeiteten Körben wurde einst auch der Mist auf die steilen Hänge getragen und dort ausgebracht. Auch der Name „Allriss“ hat mit bäuerlicher Tradition zu tun und kommt vom Heuziehen im Winter, verrät Hermann Staudacher, denn als „Riss“ oder „Rist“ wurde die Spur für die Schlitten bezeichnet, die mit bis zu 200 Kilogramm Heu beladen waren. Das Heuziehen war eine kraftraubende und höchst gefährliche Arbeit, die man lange lerne und gut beherrschen musste. Dagegen ist das Schlitteln von heute ein Kinderspiel ...

Alm-Info unter Schneehaube

Ausgangspunkt für den rund einstündigen Aufstieg zur 1534 Meter hoch gelegenen Allriss-Alm ist der Wanderparkplatz oberhalb von St. Anton im Pflerschtal. Am Ortseingang geht es links über eine Holzbrücke und dann an die 600 Meter auf schmaler Straße bergauf bis zum Parkplatz. Die Allriss-Alm hat noch bis einschließlich 2. April geöffnet, und weil das Pflerschtal eigentlich ein Schneeloch ist, stehen die Chancen gut, dass die drei Kilometer lange Rodelbahn noch gut in Schuss ist. Am besten aber kurz auf der Alm nachfragen (0039-349-26 48 358) – und falls man nicht mehr schlitteln kann, lohnt sich auch zu Fuß die Wanderung zur Allriss-Alm! Auf der Alm kann man keinen Rodel ausleihen, aber an der Talstation des Skizentrums Ladurns wenige Kilometer vor St. Anton im Pflerschtal.

Die Allriss-Alm


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