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Allgäuer Bartgeier im Aufschwung Auf der Suche nach dem Knochenbrecher mit den roten Augenringen

Als 1986 in den Alpen damit begonnen wurde, erste Bartgeier aus Falknereien wieder in der Natur auszusetzen, war der Ausgang völlig ungewiss. Heute streifen rund 180 der Riesenvögel zwischen Nizza und Triest durch den Alpenbogen. Rund 30 Bartgeier sind in freier Wildbahn geschlüpft.

Von: Georg Bayerle

Stand: 18.05.2017

Immer wieder einmal findet ein Bartgeier seinen Weg auch in die Allgäuer Hochalpen - und in diesen Maiwochen aber waren es sogar zwei der imposanten Greifvögel.

Ausschau nach dem Bartgeier

Der Tag passt. Schnell wärmt sich die Luft in der warmen Frühjahrssonne auf - bestes Flugwetter für den Bartgeier. Über 500 Kilometer legt der Riesenvogel, wenn er Lust dazu hat, an einem Tag zurück. Vielleicht aber verweilt er auch einmal etwas länger zwischen Oytal und Rappenalptal in den Bergen südlich von Oberstdorf. Mehrfach wurden jetzt gleich zwei Exemplare beobachtet, zuerst vom Wirt des Oytalhauses, Dirk Volk. Zwei Bartgeier sind bei ihm durch das Oytal gestreift – hier, wo auch ein Adler sein Revier hat und sich die Vögel dann schon mal in die Quere kommen.

Vor über 100 Jahren kamen die Leute mit Blasmusik bis aus Kempten, um zu sehen wie im Oytal die Jagd auf Adler und Bartgeier gemacht wurde – wie überall in den Alpen zu dieser Zeit üblich. Der Bartgeier wurde damals ausgerottet. Umso bemerkenswerter sind die jetzigen Beobachtungen für Henning Werth, den Gebietsbetreuer der Allgäuer Hochalpen.

Im Lawinenschnee suchen Geier nach Kadavern

Über Lawinenstriche stapfen wir unter den immer noch tief verschneiten Flanken des Biberkopfs hindurch. Wenn die Frühjahrslawinen abgegangen sind und Fallwild zum Vorschein kommt, dann ist die Hochsaison für die Bartgeier und ein „Festmahl“ angesagt. In der noch zwischen den Jahreszeiten verharrenden Landschaft scheint sich jedoch nicht viel zu tun.

Am Gegenhang döst ein Rudel Steinböcke in der Sonne, ein Hermelin bereits im Sommerkleid hüpft plötzlich wie von der Tarantel gestochen durchs Gelände. Dann aber zieht hoch über dem Rappenalpkopf ein Bartgeier in einer weiten Flugkurve durch den Himmel, mehr als einen Kilometer entfernt und nur mit dem Fernglas auszumachen. Es ist der fünfjährige Bartgeier, der tatsächlich immer noch da ist, das Gefieder weiß, die Brust rostrot eingefärbt, mit roten Augenringen und dem Ruf eines Knochenbrechers, weil er die Knochen von Kadavern regelrecht knacken und verschlucken kann und so am Ende der Nahrungskette von den Skeletten der Kadaver lebt.

Von den knapp drei Metern Spannweite des Bartgeiers ist aus dieser Distanz nur wenig zu erfassen, trotzdem ist es ein besonderer Moment zu beobachten, wie dieser Riesenvogel auch in den bayerischen Bergen wieder einen Lebensraum gefunden hat, der ihm offenbar ganz gut gefällt.

Bartgeier | Bild: Henning Werth

Bartgeier 5 Jahre alt, jetzt gesichtet in den Allgäuer Alpen

Wer Bartgeier beobachtet, sollte sie, wenn es geht, fotografieren und die Beobachtung in jedem Fall an Henning Werth im Allgäu melden.

Den Film über die Bartgeier im Allgäu können Sie in der Mediathek auf der Seite von Schwaben & Altbayern sehen.

Oberstdorf


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